Heidrun Schlipf leidet unter dem Lärm, der vom Einwerfen in die Glascontainer ausgeht. Die Fellbacherin hat sich in ihrer Not nun an die Stadt gewandt.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Es scheppert und klirrt, wenn die leeren Flaschen in den Container geworfen werden. Heidrun Schlipf bekommt am Wohnzimmertisch live mit, wenn wieder Glas in den Containern vor ihrer Wohnung landet. „Klack, klack, klack“, sagt sie. So gehe das mitunter bis nach Mitternacht.

 

Freitag, Samstag und Montag seien die schlimmsten Tage. Dann entsorgten die Menschen die Flaschen von den Festen. „Manche kommen mit ganzen Weinkisten und werfen die leeren Flaschen ein“, sagt sie. Auch die Flaschen ganzer Sektkartons werden entsorgt. „Bum, bum, bum – das sind dann teils 50 Stück“, erzählt Heidrun Schlipf. Die Sammelstelle für Glasmüll und Altpapier bedeute Stress für die Anwohner. Und diese Sammelstelle ist aus Sicht der Fellbacherin eine besondere.

Der Verkehrslärm durch die Autos kommt hinzu

„Es ist ein Drive-in, eine Riesenplattform“, sagt sie. Diese liegt direkt vor ihrer Wohnung – sie hat freien Blick darauf vom Fenster aus. Der große Platz an der Kreuzung vor dem Haus in der Gartenstraße biete beste Chancen zum Parken und sei daher sehr frequentiert. Weitaus mehr als andere Containerstandorte in der Nähe, die schwerer zu erreichen seien und bei denen die Parkmöglichkeiten dort schwieriger wären. Der Verkehrslärm durch die Autos, die zum Container fahren, komme dazu. Und die Uhrzeit, wann man Altglas einwerfen dürfe, interessiere übrigens kaum.

Die Container in der Fellbacher Gartenstraße sind gut zu erreichen. Foto: Eva Schäfer

Heidrun Schlipf hat sich in ihrer Not an die Stadt Fellbach gewandt. Sie hat sich schriftlich bei der Behörde erkundigt, wie viel Dezibel in einem Wohngebiet erlaubt seien. Und welcher Abstand von einem Container zum Wohnhaus eingehalten werden müsse. Auch stellte sie die Frage, wer die Einwurfzeiten kontrolliere. „Das Leben in einem Wertstoffhof mit Müllablage könne nicht zur Aussage passen, dass in Fellbach ein angenehmes Wohnklima herrsche“, so ihre Kritik.

Der Lärm gelte als „ortsüblich“ und müsse hingenommen werden

Die Stadtverwaltung habe in einem Antwortschreiben dargelegt, dass der Lärm durch Einwerfen von Glas als „ortsüblich“ gelte und von den Anwohnern hingenommen werden müsse – auch wenn Richtwerte überschritten werden. Sogar, wenn Container außerhalb der Benutzungszeiten in Anspruch genommen werden. Der Lärm sei mit Kinderspielplätzen oder Kirchenglocken vergleichbar und gelte als zumutbar. „Altglascontainer sind in Wohngebieten grundsätzlich zulässig und vorgeschrieben“, so die Antwort der Stadtverwaltung. Daher sei ein Versetzen der Container nicht möglich, leider könne „keine Abhilfe in dieser Angelegenheit“ geschaffen werden, man bitte um Verständnis.

„Doch damit will ich mich nicht abfinden“, sagt Heidrun Schlipf. „Kirchenglocken läuten zu bestimmten Zeiten, Kindergartenlärm beschränkt sich auf die Zeit zwischen 8 und 15 Uhr, Glaseinwurf wird oft 24/7 erledigt“, macht sie gegenüber der Stadt deutlich. Sie habe auch mehrmals persönlich bei der zuständigen Stelle in der Stadtverwaltung vorgesprochen. „Ich fühle mich alleingelassen mit meinem Problem“, sagt sie.

Auch ein Kinderwagen landet auf den Containern – aber auch anderer Müll. Foto: privat

Der Lärm schlage ihr inzwischen auf den Magen. Heidrun Schlipf hat einen Leserbrief ausgeschnitten, in dem eine Waiblingerin ihr Leid klagt. Darin kritisiert eine Anwohnerin eines Containerplatzes in der Nachbarstadt, dass es sich die Verwaltung „zu leicht mache“, wenn sie schlicht auf die bestehenden Regelungen verweise und sich wünsche, dass sich der Unmut gegen die Verursacher richte. „Ich erlebe dies als Kapitulation vor den konkret bestehenden Problemen“ – diesen Satz liest Heidrun Schlipf mit lauter Stimme vor und fühlt sich mit der Leidensgenossin verbunden. „Wie wäre es mit Containern vor dem Rathaus?“ – so lautet der zugespitzte Vorschlag der Leserbriefschreiberin, damit sich etwas bewege. Das zeigt, die Nerven liegen blank und die Belastung ist groß bei Anwohnern einer Müllsammelstelle. In anderen Städten ist das Thema offenbar ebenso brennend. In München will der Verein Müllwende das System der Sammelstellen sogar grundlegend ändern. Überfüllte Container, dreckige Straßen – nicht selten biete sich einem dieses Bild, so deren Kritik. Der Verein fordert eine grundlegende Veränderung des Systems: „Weg mit den Containern aus Wohngebieten und Grünflächen“, lautet deren Forderung. Glas sollte dort zurückgegeben werden, wo Glas gekauft wird. Die Hauptkritik des Vereins richtet sich gegen das Container‑Bringsystem, das sich als ineffizient erwiesen habe: Es führe zu einer hohen Belastung durch Lärm, auch Müllablagerungen rund um die Sammelstellen seien die Folge.

Auch in Waiblingen klagen Bürger über die Container

Heidrun Schlipf hat Fotos gemacht – von Kinderwagen, die auf dem Container abgestellt wurden. Von Müll, der verstreut ist, von Situationen, wo Flaschen kistenweise angefahren wurden. Im Haus fühlten sich weitere Bewohner von dem Lärm sehr gestört. „Es ist so schlimm“, sagt sie. Es gebe leisere Tonnen, hat Heidrun Schlipf gelesen. Vielleicht wäre dies eine Möglichkeit, hofft sie. Man merkt, die Fellbacherin hat das Thema ständig im Kopf und sucht nach Lösungen. Seit Oktober 2024 wohnt sie in der Gartenstraße – und seitdem plagt sie der Lärm.