Femen-Protest bei „Germany’s Next Topmodel“ Wir haben Busen gesehen

„Heidi Horror Picture Show“: eine Aktivistin beim live aus Mannheim gesendeten Topmodel-Finale  (rechts hinten die Gewinnerin Lovelyn). Foto: dpa 18 Bilder
„Heidi Horror Picture Show“: eine Aktivistin beim live aus Mannheim gesendeten Topmodel-Finale (rechts hinten die Gewinnerin Lovelyn). Foto: dpa

Immer öfter stören halbnackte Femen-Aktivistinnen Veranstaltungen, zuletzt das Finale von „Germany’s Next Topmodel“. Langsam nutzt die Nummer sich ab – leider, findet unsere Autorin Eva-Maria Manz.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Eva-Maria Manz (ema)
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Stuttgart – Ich habe gerade Busen vor mir gesehen.“ Na so was, liebe Heidi Klum, das ist ja allerhand. „Oder war es nur ein Traum?“ Wohl eher nicht, wir haben es auch gesehen: In der Finalshow von „Germany’s Next Topmodel“ stürmten Femen-Aktivistinnen oben ohne und mit der Aufschrift „Heidi Horror Picture Show“ auf dem Oberkörper den Laufsteg. Heidi empört: „Gerade in diesem Moment!“ Denn das war der dramatische Augenblick, in dem eine Kandidatin ausschied. Doch wann, liebe Heidi, wenn nicht jetzt, direkt nach diesem gruseligen Auftritt der Mädchen, in dem ein Robotermensch tölpelhaft hinter den Models herstolperte? Das war wirklich eine kleine Horror-Show.

Doch geschenkt. Darum ging es gar nicht. Femen haben ihr Prinzip wiederholt demonstriert: In der Öffentlichkeit plötzlich Shirts ausziehen, hervor kommt ein mit schwarzem Stift auf den Körper gemalter Slogan gegen Sexismus – und naturgemäß ein Busen. Dann folgt der medienwirksame Abtransport durch die Security. Zuletzt traten Femen so vor Wladimir Putin und Angela Merkel auf oder haben Mitte Mai in Berlin bei einer Ausstellungseröffnung Barbiepuppen angezündet. Die Aktivistinnen bezeichneten Heidi Klum nach ihrer Aktion als eine Art Zuhälterin.

Man fragt sich, ob es nicht Zeit wird, an der Methode zu arbeiten. Eine nackte Brust ist halt eine nackte Brust. Wenn wir ständig mit bloßen Busen rechnen müssen, wo bleibt dann der Schock-Effekt? Man könne eben nur so Aufmerksamkeit erregen, sagen die Aktivistinnen. Aus der Annahme, dass Frauen interessant werden, wenn sie wenig bis nichts anhaben (die dauerfreigelegten Popos der Topmodels!), könnte man aber auch die Konsequenz ziehen, selbst wieder ins Shirt zu schlüpfen, Inhalte zu transportieren, Anliegen zu formulieren. Obwohl gestern viele über die Femen-Aktion geredet haben, steht fest: Die Nummer mit den Brüsten nutzt sich irgendwie ab.




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