Fensterproduktion in Rudersberg Weru hält an Schließungsplänen fest
Es bleibt dabei: Die Produktion des Fensterbauers in Rudersberg soll nicht wieder aufgebaut werden. Die Kündigungsverhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern laufen.
Es bleibt dabei: Die Produktion des Fensterbauers in Rudersberg soll nicht wieder aufgebaut werden. Die Kündigungsverhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern laufen.
Rund zwei Monate ist die für viele Beschäftigte des Fensterbauers Weru ernüchternde Botschaft jetzt alt: Das weit über die Grenzen des Rems-Murr-Kreises hinaus bekannte Unternehmen hat Mitte Juli bekannt gegeben, seine Produktion am Standort in Rudersberg aufgeben zu wollen. Der Grund: Ein Wiederaufbau der Fertigungsanlagen, bei der Hochwasserkatastrophe im Juni völlig zerstört, ist nach Darstellung der Geschäftsleitung wirtschaftlich nicht darstellbar – und würde zeitlich auch zu lange dauern.
Nicht nur die von der Schließung betroffenen Menschen – es geht um rund 150 Arbeitsplätze – sind bestürzt. Die Bevölkerung in der rund 11 000 Einwohner starken Gemeinde ist spätestens seit einer Aktion der Gewerkschaft alarmiert, bei der im Ort als Mahnmale 150 Holzkreuze aufgestellt wurden. Sie sind zum Teil mit Jubiläums-Poloshirts des mehr als 175 Jahre alten Unternehmens bestückt.
Der Bürgermeister der Kommune, Raimon Ahrens, hat angekündigt, alles tun zu wollen, um die Geschäftsleitung dazu zu bewegen, ihren Entschluss zu überdenken. Doch die will offenkundig an ihrem Plan festhalten. Man sehe sich „nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juni gezwungen, die Produktion in Rudersberg aufzugeben, da diese von Grund auf neu wiederaufgebaut werden müsste“, bekräftigt Frank Fleissner, der Geschäftsführer des seit drei Jahren zum dänischen Konzern Dovista gehörenden Traditionsunternehmens, auf Nachfrage. Ein Wiederaufbau hätte zu viel Zeit gekostet, in der Weru seine Kunden nicht hätte bedienen können, lautet ein Argument.
Man setze auf sein „deutschlandweites, existierendes Netzwerk“ und sei „dankbar für die schnelle Unterstützung unserer ostdeutschen Weru-Standorte in Triptis und Gommla“, sagt Fleissner. Dort ist nicht nur eine interimsweise Notproduktion installiert worden, Weru will diese auch dauerhaft in Thüringen konzentrieren. Befürchtungen ob der jüngsten Wahlergebnisse gibt es wohl nicht, Fleissner lässt die Frage danach jedenfalls unbeantwortet. Aus der Landtagswahl in Thüringen war die AfD als stärkste Partei hervorgegangen, die Bildung einer konsens- und mehrheitsfähigen Landesregierung gestaltet sich äußerst schwierig.
In Rudersberg hingegen sind die Verhandlungen über den Personalabbau in vollem Gange. Während der Betriebsratsvorsitzende Rüdiger Augustin in dieser Hinsicht von einem geplatzten Gerichtstermin und mangelnder Transparenz seitens der Arbeitgeber berichtet, sieht sich die Geschäftsleitung in einem guten Austausch mit den Arbeitnehmervertretern. „Wir tun alles, um so schnell wie möglich Klarheit und Planungssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen und gemeinsam sozialverträgliche und faire Lösungen für die Zukunft zu finden“, sagt Frank Fleissner. Als „verantwortungsvoller Arbeitgeber“ unterstütze man während des aktuellen Prozesses die etwa 150 betroffenen Mitarbeitenden aktiv.
Die Zeichen stehen indes klar auf Trennung: So plane man gemeinsam mit weiteren regionalen Unternehmen am 27. September in Rudersberg eine Jobbörse, „um den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, sich bereits jetzt einen neuen Job in der Region zu sichern“, wie Fleissner sagt. Um die Räumlichkeiten muss sich die Firma wohl nicht kümmern – außer vielleicht, sie besenrein zu hinterlassen. „Die Produktionsgebäude in Rudersberg sind gemietet; mit der Nachnutzung befasst sich unser Vermieter“, sagt Fleissner.
Allerdings betont der Manager auch, dass das Unternehmen dem Ort keinesfalls komplett den Rücken kehren wolle. Die massive Welle, die sich bei dem Starkregenereignis aus einem überlaufenden Regenrückhaltebeckens in Richtung Ortskern ergossen hatte, hat zwar auf dem gesamten Weru-Gelände eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Aber: „Wir planen, das Verwaltungsgebäude hier wieder aufzubauen und damit den Weru-Hauptsitz – die „Heimat von Weru“ – zu erhalten“, formuliert der Geschäftsführer den grundsätzlichen Standorterhalt. Den rund 150 Beschäftigten der Produktion, die nach zum Teil erheblichen Hochwasserschäden an ihren Privathäusern nun wohl auch noch ihren Arbeitsplatz verlieren, wird das nur ein schwacher Trost sein.