Das für die Sanierung verantwortliche Regierungspräsidium (RP)Stuttgart hatte die Baumaßnahme Anfang Juli angekündigt, was nach Meinung des ADAC Württemberg jedoch „reichlich spät“ und daher für „viele überraschend“ gewesen sei. Ein weiterer Kritikpunkt: Das RP hat keine offizielle Umleitung ausschildern lassen, da es, so das RP, „keine alleinige Alternativstrecke im betroffenen Gebiet gibt, die den Verkehr aufnehmen kann“.
RP Stuttgart hätte Umleitung ausschildern müssen
Das will der ADAC nicht unkommentiert lassen. „Das darf nicht sein“, sagt der Verkehrsexperte Holger Bach. „Ortsfremde stehen vor der Vollsperrung und wissen nicht weiter.“ Dabei gebe es durchaus eine Alternativstrecke, die das RP hätte ausschildern lassen können. Dabei handelt es sich laut ADAC um die Route, die der Schienenersatzverkehr wegen der Stammstreckensperrung zwischen Vaihinger Bahnhof und Hauptbahnhof seit dem 29. Juli im 10-Minuten-Takt fährt. „Eine sinnvolle Umleitungsempfehlung für Auswärtige und Ortsunkundige, die auch ausgeschildert werden sollte, selbst wenn diese Route schon jetzt stark belastet ist“, sagt der Verkehrsexperte.
Fünf Minuten längere Fahrzeit in die City
Allerdings hält sich der zusätzliche Verkehr im Stuttgarter Westen und dort vor allem auf der Rotenwaldstraße seit der Sperrung der B 14 in Grenzen. „Man braucht vielleicht fünf Minuten länger bis in die City“, sagt David Geyer von der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ). Je nach Verkehrsaufkommen werden auf der Rotenwaldstraße die Grünphasen um einige Sekunden verlängert. „Das ist problemlos möglich, da durch die Ferien erheblich weniger Verkehr auf den Nebenstraßen fließt“, sagt Geyer. Die Ausschilderung einer Umleitung wäre zwar wünschenswert gewesen, falle aber angesichts der recht entspannten Verkehrslage in Stuttgart-West nicht weiter ins Gewicht.
Lage in Sillenbuch wieder entspannt
Und wie sieht es an den anderen Ferienbaustellen aus? „Der Wochenbeginn – vor allem der Montag – war teilweise chaotisch und es entwickelten sich jede Menge Staus“, bilanziert Geyer die vergangenen Tage. Unter anderem in Sillenbuch. Hier müssen Autofahrer wegen Gleisbauarbeiten der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) eine ampelgeregelte Engstelle zwischen den Haltestellen Ruhbank und Silberwald passieren. „In diesem Bereich können wir wenig bis gar nicht eingreifen“, sagt der Experte. Doch mittlerweile habe sich in Sillenbuch die Lage wieder entspannt, ebenso in Zuffenhausen.
Chaos zum Wochenauftakt
Im Stuttgarter Norden machte sich die Sperrung der Schwieberdinger Straße in Fahrtrichtung Feuerbach insofern bemerkbar, da sich die Autofahrer oftmals nicht an die ausgeschilderte Umleitung hielten.
Ein Unfall am Porscheplatz trug nicht gerade zur Entspannung der chaotischen Zustände bei. Neben Belagsarbeiten des Tiefbauamts erneuern die Stuttgart Netze und Netze BW in größerem Umfang Versorgungsleitungen im Bereich Marconi- und Lorenzstraße sowie im Siegelbergdurchlass. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis Sonntag, 10. September, dauern. Fast genauso lang dauern die Belagsarbeiten in der Oberen Weinsteige. Bis zum 8. September steht den Autofahrern stadtein- und stadtauswärts nur eine Fahrspur zur Verfügung. „Hier gibt es ab und zu noch Staus, die halten sich jedoch in Grenzen“, sagt David Geyer.
ADAC: Autofahrern wird 2023 viel zugemutet
Die Sommerferien sind laut ADAC prinzipiell ein guter Zeitpunkt für Baumaßnahmen im Stuttgarter Straßennetz. „Aber in diesem Sommer kommt zu viel auf einmal, und das hängt mit dem Sanierungsstau zusammen“, sagt Holger Bach. Stadt und Land haben jahrelang zu wenig investiert. Allein der städtische Baustellenkalender weise – unabhängig von den Ferienbaustellen – aktuell 44 Maßnahmen für Stuttgart aus. Darunter auch viele Großprojekte wie die Sanierung der Löwentorbrücke, die wegen der Asbestfunde zehn Wochen länger als geplant dauert.
„Auch die Fahrgäste der Stadtbahn sehen sich in den Sommerferien gleich mit mehreren Baustellen konfrontiert“, sagt der ADAC-Experte. Haltestellen entfallen, Ersatzbusse verkehren, die Fahrzeiten verlängern sich teils erheblich. Holger Bach: „Den Verkehrsteilnehmern wird in den kommenden Wochen viel zugemutet.“