Ferienprogramm im Kreis Esslingen Wo Kinder und Jugendliche sich ausprobieren können

Die Hochbeete des Jugendzentrums bekommen einen neuen Anstrich verpasst. Foto: Tim Kirstein

In Neuhausen und anderen Gemeinden im Landkreis gibt es auch in diesem Sommer Ferienprogramme des Kreisjugendrings Esslingen. In der Zukunft könnten diese an Bedeutung gewinnen, erklärt Vorstandsvorsitzender Michael Medla.

Im Außenbereich des Neuhausener Jugendzentrums „Penthaus“ wird gebastelt, gegärtnert und getanzt. Ein paar der Kinder verpassen den Hochbeeten im Garten einen neuen Anstrich, andere verzieren an der „Upcycling-Station“ alte T-Shirts und Taschen mit bunten Steinen und Schriftzügen. Jeder könne beim Sommerferienprogramm seinen Interessen nachgehen, aber auch Neues ausprobieren, erklärt Stefan Lehmann, Sozialpädagoge und Standortkoordinator in Neuhausen.

 

Das Ferienprogramm im Jugendzentrum richte sich an Grundschüler und werde im Rahmen der Ganztagesbetreuung organisiert, sagt Lehmann. Das Penthaus ist eine Einrichtung des Kreisjugendrings Esslingen. Im Moment gibt es Angebote in den Faschings-, Oster-, Pfingst- und Herbstferien sowie in den ersten und letzten beiden Wochen der Sommerferien. „Erfahrungsgemäß ist es besonders in der sechsten Woche der Sommerferien voll“, erklärt Lehmann. Viele Familien seien dann aus dem Sommerurlaub wieder zurückgekehrt. Zurzeit hat das Ferienprogramm in Neuhausen 42 Teilnehmer.

Der Personaleinsatz ist hoch

„Da braucht man schon viel Personal“, sagt Lehmann, den im Jugendzentrum alle nur „Lemmi“ nennen. Das Team besteht zum Großteil aus Festangestellten und Personen, die in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr sind, aber auch Ehrenamtliche und Jugendbegleiter helfen aus.

Die Themen des Ferienprogramms, das sowohl im Penthaus als auch in den Räumen der Anton-Walter-Grundschule stattfindet, seien meist recht offen, erklärt Lehmann. „Das Motto ist bei uns immer sehr großzügig, wie zum Beispiel Spiel, Spaß, Sport“, fügt er hinzu.

Für den Vorstandsvorsitzenden des Kreisjugendrings Esslingen, Michael Medla, hat diese Herangehensweise durchaus Vorteile. „Die Kinder können interessensorientiert entscheiden“, sagt er. Das sei auch für die freie Entfaltung wichtig. Gerade nach der Corona-Pandemie, sei es entscheidend, dass Kinder wieder lernen würden, Neues auszuprobieren und selbst zu bestimmen, was sie tun, erklärt Medla. „Es klingt so banal, aber es ist eigentlich etwas sehr Wertvolles“, fügt er hinzu.

Dass Sommerferienprogramme nicht überall gleich aussehen, zeigen die Beispiele aus Ostfildern und Wendlingen. Auch hier veranstalten Einrichtungen des Kreisjugendrings gemeinsam mit anderen Vereinen wie beispielsweise dem TV Nellingen in Ostfildern Aktionen für Kinder. Beim „Sportcamp Ostfildern“ geht es wie der Name bereits verrät um Sportarten. Egal ob „Klassiker“ wie Fußball und Basketball oder neuere Sportarten wie Flagfootball – die Teilnehmer im Alter von sechs bis 14 Jahren können sich in Neuem und Bekanntem ausprobieren.

Die Kinderferienbetreuung „FiFeFo“ in Wendlingen, die gemeinsam mit dem Jugendhaus Zentrum und der Stadt organisiert wird, bietet ein offenes Programm mit Ausflügen, Sportangeboten und Bastelaktionen. „FiFeFo“ steht hierbei für „Firmenservice, Ferienspaß und Forschergeist“.

Diese Vielfalt an Angeboten von Vereinen und Verbänden in der Region gelte es, in Zukunft zu nutzen, sagt Michael Medla. Denn mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Kinder im Grundschulalter ab dem Jahr 2026 werde die Betreuung auch außerhalb der Ferien eine viel wichtigere Rolle einnehmen.

Vereine und Verbände pochen auf klare Rahmenbedingungen

„Ich glaube, die Vereine und Verbände haben viel zu bieten“, sagt Medla. Doch es brauche noch einen besseren Rahmen für die Betreuung. „Die orientierungsgebenden Leitplanken fehlen noch“, sagt auch Katharina Kiewel, Sozialdezernentin des Landkreises. Man werde in Zukunft schauen müssen, dass man die bestehenden Angebote aufnimmt, erklärt Medla. Doch bislang gibt es für die Verbände kaum Anhaltspunkte, wie die Betreuung in Zukunft aussehen wird. Gerade die Ferien würden bislang nicht beachtet. „Es ist eine der kritischen Sachen und zwei Jahre davor wissen wir nur wenig darüber“, sagt er.

Fest steht für ihn, dass es neben dem Konzept der Ganztagesschule auch noch andere Formen der Betreuung geben muss, wie beispielsweise das Neuhausener Ferienprogramm. „Die Ganztagesbetreuung sollte in erster Linie ein Ausgleich zur Schule sein“, meint auch Stefan Lehmann.

Der Bund will bis zu 3,5 Milliarden Euro investieren

Weltkindertag
Auch zum Weltkindertag wird es in diesem Jahr eine Veranstaltung des Jugendzentrums Neuhausen geben. Gemeinsam mit anderen Neuhausener Vereinen wolle man im September anlässlich dieses Tages Sport-, Bastel- und Essensangebote bieten.

Jugendarbeit
Der Kreisjugendring Esslingen ist die Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände und -ringe im Landkreis Esslingen. Ihm gehören insgesamt 32 Verbände und Ringe sowie 41 Jugendeinrichtungen an. Die KJR-Geschäftsstelle ist in Wendlingen angesiedelt.

Betreuungsanspruch
Ab August 2026 soll der Anspruch zunächst für Grundschulkinder der ersten Klasse gelten, bis 2029 soll jedes Grundschulkind den Anspruch auf ganztägige Betreuung haben. Bis zu 3,5 Milliarden Euro will der Bund hierfür investieren.