Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung kommen im Esslinger Inklu-Sports-Camp zusammen. Zwei Vereine stellen es jedes Jahr auf die Beine.

Die sechs Jungs sind sich sicher: „Nächstes Jahr machen wir wieder beim Inklu-Sports-Camp mit, das hat so viel Spaß gemacht“, sagt der zehnjährige Oskar stellvertretend für alle. Fünf Tage lang standen im Sportpark Weil in Esslingen Spiel, Sport und Spaß im Vordergrund. Die Besonderheit: Das Ferienangebot der beiden Vereine SV 1845 Esslingen und FC Esslingen richtet sich an sportbegeisterte Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren – mit und ohne Behinderung.

 

Das Leuchtturmprojekt im Landkreis fand bereits zum vierten Mal statt, der Zuspruch ist groß. „Es fehlt an Angeboten, wo Menschen mit Behinderung mal etwas ausprobieren können“, sagte die Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr (Grüne) und würdigte bei einer Stippvisite im Sportpark das Engagement der beiden Vereine. Familien mit Kindern oder Jugendliche mit Behinderung hätten bereits im Alltag viele Hürden zu überwinden – die Abdeckung der Ferien stelle eine zusätzliche Belastung dar.

Möglichst viele Angebote

Etwa 30 Kinder, darunter sieben mit Einschränkungen und Assistenzbedarf, nutzten das Angebot. „Wir versuchen, jede Sportart als Parasport darzustellen“, erklärt Ira Ziegler, die das Ferienprogramm für die Vereine organisiert. Verlässlicher Kooperationspartner ist die Diakonie Stetten, die die Assistenzbedarfe bei der Anmeldung erfasst und deren Koordination während des Camps leitet und unterstützt.

Die Trainer kommen teils aus dem Parasport, teils aber auch aus den Vereinen. Damit werde die Inklusion auch in die Vereine hereingetragen, betont Ziegler. Die Übungsleiter erlebten, wie Teilhabe auch im normalen Betrieb möglich sei.

Das ehrenamtliche Engagement ist groß: Am letzten Tag stand etwa Boccia auf dem Programm – der Trainer Gari Abramiam vom TV Markgröningen war dazu eigens in den Sportpark Weil gekommen. Es ist sein freier Tag, doch der Sport liegt ihm am Herzen: „Boccia ist eine ideale Beschäftigung für Menschen mit Behinderung und sollte unbedingt bekannter werden.“ Das Ziel beim Boccia ist es, seinen Ball so nah wie möglich an den „Jackball“, der zuerst platziert wird, zu bringen. Gespielt wird im Einzel, Doppel oder Team. Die Präzisionssportart im Rollstuhl erfordert ein hohes Maß an Koordination, Taktik und Konzentration. „Für Menschen mit muskulären Einschränkungen ist Boccia ideal“, sagt Abramian.

Umfrage offenbarte Misere

Entstanden sei die Idee des Inklu-Sports-Camps infolge einer landkreisweiten Auswertung in Sachen Ferienangebote für Kinder mit Behinderung: „Das Fazit war, dass es für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren keine entsprechenden Angebote gibt“, erklärt die SV-1845-Vorsitzende Margot Kemmler, die zugleich Vizepräsidentin des Württembergischen Landessportbunds für den Bereich Bildung und Sport ist.

Mit den Möglichkeiten im Sportpark Weil lag es nahe, so ein Angebot zu machen: „Wir sind hier fast barrierefrei“, sagt Kemmler. Ihr ist besonders der inklusive Aspekt wichtig: „Unsere ‚Normalos’ lernen hier, mit Menschen mit Behinderung umzugehen und nehmen viel für ihr Leben mit.“ Der Erfolg des Camps spreche für sich – aus dem Angebot heraus habe sich etwa die Unterabteilung Sitzvolleyball in der SV 1845 entwickelt.

Auch im kommenden Jahr soll es wieder ein Inklu-Sports-Camp geben. „Die Finanzierung müssen wir jedes Jahr neu machen“, sagt Ziegler. Rund 12 000 Euro müssen die beiden Vereine dafür aufbringen, teils gewährleistet durch verlässliche Sponsoren wie die Ferry-Porsche- beziehungsweise die Bauder-Stiftung: „Aber wir sind stets auf der Suche nach weiteren Geldgebern.“