Karamempel ist eine der ältesten Kinderspielstädte in der Region. 200 Esslinger Kinder schlüpfen in den Ferien in andere Rollen. Das interessiert auch echte Kommunalpolitiker.
Karamempel ist eine elternfreie Zone. Mütter und Väter dürfen nur zu Besuch kommen mit Termin und nach Anmeldung durch ihre Kinder im „Elterngarten“. Diese verkehrte Welt gilt bis auf die Betreuer für alle Erwachsenen. Der Esslinger OB Matthias Klopfer war da eine Ausnahme. Am Donnerstag besuchte er die Kinderspielstadt in der Pliensauvorstadt und spendierte am ersten warmen Sommertag seit langem Eis für alle Kinder.
Die Spielstadt funktioniert im Prinzip wie eine richtige Kommune. Es gibt eine Rathausverwaltung, einen Stadtrat sowie rund 25 Betriebe und Dienstleister. Von Reisebüro, Gärtnerei und Kurhaus über Holzwerkstatt, Kiosk, Beautysalon und Fotostudio ist alles dabei. Täglich erscheint eine kleine Zeitung. „Die wichtigste Rubrik sind die Gerüchte“, sagte Betreuer und Chefredakteur Niels Taxis. Eine zentrale Funktion hat das Arbeitsamt, das die Jobs verteilt. Als Lohn gibt es „Mempel“, wie die Währung in der Kinderspielstadt heißt. Damit verdienen sich die Bürgerinnen und Bürger ihr Leben in der Spielstadt und treiben miteinander regen Handel.
Kinderspielstadt Esslingen – Toben in und um die Villa
Die Betriebe sind in Falt-Pavillons und Zelten im Garten des Stadtjugendrings (SJR) in der Stuttgarter Straße untergebracht. Seit dem Umzug des SJR vor drei Jahren in die sanierte Villa hat das Ferienprogramm hier seinen Platz. Auch in dem schmucken Haus selbst wuselt es nur so. Miteinbezogen werden zudem das Gebäude des Kulturpalasts und der angrenzende öffentliche Spielplatz.
Esslinger OB trifft seine minderjährigen Amtskollegen
Der Esslinger OB Klopfer traf natürlich auch seine beiden jungen Amtskollegen. Levi Karagiozidis wurde mit nur einer Stimme Vorsprung zum Karamempel-Bürgermeister gewählt. Anders als im echten Leben gab es jedoch keine Herausforderer, die dieses knappe Ergebnis à la Trump oder Wagenknecht anfechten wollten. Der Elfjährige fordert mehr Lohn und niedrige Steuern für seine Bürgerschaft. „Das wird nicht durchgehen, wir lehnen das ab“, durchkreuzte Robin Eberhardt, der im Stadtrat sitzt, diese Pläne.
Kinder an die Macht in Esslingen: Stadtrat erhöht die Steuern
Sein Gremium hat gerade erst eine Glücksspielgebühr sowie Steuererhöhungen für Restaurants und Kioske eingeführt, da die Haushaltslage in Karamempel angespannt sei. Einige Betriebe stünden kurz vor der Pleite, weshalb das Rathaus ihnen mit Mempels unter die Arme greifen müsse. Auch das bedingungslose Grundeinkommen belastet die Stadtkasse. Damit kann man sich aber nur das warme Mittagessen leisten. „Es ist also besser, wenn man arbeitet“, rät der elfjährige Robin. Wegen der Gleichberechtigung gibt es immer auch eine Bürgermeisterin. In diesem Jahr ist es Leni Uitz. Sie sei das einzige Mädchen gewesen, das sich wählen lassen wollte, erzählt die Neunjährige über ihre Ambitionen. Immerhin lässt das Amt ihr noch Zeit, um im Theater zu arbeiten.
Karamempel gehört zu den ältesten Kinderspielstädten in der Region
Die Mädchen und Jungen sind mit Feuereifer dabei und gehen voll in ihrer jeweiligen Rolle auf. Nebenbei lernen sie, wie das echte Leben von Erwachsenen funktioniert, erklärte der SJR-Geschäftsführer, Markus Benz. Er schlüpft selbst seit Jahren während Karamempel in eine andere Funktion und bekocht als Küchenchef täglich die Kinderschar. Die Idee von Karamempel ist gut 30 Jahre alt. Damit gehört das Angebot zu den ältesten Kinderspielstädten in der Region und hat etliche Nachahmer gefunden.
Die rund 200 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren werden in den ersten beiden Sommerferienwochen von 70 Helferinnen und Helfern betreut. Eine große Rolle spielt die Inklusion. In der Küche, am Kiosk oder an den Stationen unterstützen Jugendliche mit Behinderung, die das SJR-Angebot Mimamo Plus besuchen, die Ehrenamtlichen.