Ferienprogramme für Kinder Waldheim-Saison in Böblingen eröffnet
Wenn das Schuljahr endet, beginnt für viele Kinder im Kreis Böblingen eine feste Tradition: die Waldheim-Zeit.
Wenn das Schuljahr endet, beginnt für viele Kinder im Kreis Böblingen eine feste Tradition: die Waldheim-Zeit.
Es ist Mittwochvormittag und die Sonne scheint durch die Baumwipfel. Kinderlachen hallt über das Gelände des AWO-Waldheims, während auf der Wiese ein Limbo-Wettbewerb in vollem Gange ist. Mitten im Geschehen: Stefan Belz, Oberbürgermeister Böblingens. „Das sind immer schöne Termine, da freut man sich richtig drauf“, sagt der 45-Jährige, während er sich geschickt unter einer Liane „hindurchlimbot“. Im letzten Moment streift er die Papiergirlande mit dem Kopf – dieser Punkt geht an die Kinder.
Die nächste Station für das Böblinger Stadtoberhaupt: Sackhüpfen. Dazwischen schwelgt Belz kurz in Erinnerungen an seine eigene Kindheit. „Ich habe selbst regelmäßig an Ferienprogrammen teilgenommen“, erzählt er. „Ich war oft in Schweden, das war jedes Mal eine schöne Zeit.“ Nur wenig später hüpft er als Erster über die Ziellinie. Die Enttäuschung der Kinder hält nicht lang an: Kurz darauf erhalten sie von Belz einen Gutschein für ein XXL-Jenga.
Rund 200 Kinder von sechs bis 13 Jahren verbringen dieses Jahr im AWO-Waldheim ihre ersten zwei Sommerferienwochen – betreut von knapp 50 Ehrenamtlichen. Ein Küchenteam kümmert sich täglich darum, dass Kinder und Betreuer gut versorgt sind. Über zu wenig Anmeldungen kann man sich nicht beklagen – im Gegenteil. „Wir haben jedes Jahr mehr Anmeldungen als Plätze“, berichtet Projektleiterin Nelli Ganske.
Das diesjährige Motto: Dschungel. Dazu passend gab es bereits kreative Aktionen wie das Batiken von T-Shirts, Dschungelrätsel oder verschiedene Bastelstationen. Auch ein gemeinsamer Ausflug ins Böblinger Freibad ist geplant. Und das Angebot überzeugt: „Einige Kinder kommen jedes Jahr wieder“, sagt Laura Kurz, pädagogische Fachkraft, die das Waldheim seit über fünf Jahren begleitet. Ebenso die Betreuer: „Wir haben hier welche, die sind schon seit zehn Jahren jeden Sommer am Start.“
Nicht weit entfernt, aber mit ganz eigener Handschrift, läuft das evangelische Waldheim am Tannenberg. Rund 800 Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren verbringen hier ihre ersten vier Ferienwochen. Möglich wird das durch das Engagement von 127 Ehrenamtlichen – darunter auch zwölf sogenannte „MiTs“ (Mitarbeiter im Training), die in diesem Sommer ausgebildet werden, um im nächsten Jahr selbst die Rolle als Betreuer zu übernehmen.
Die Vorbereitung beginnt früh: Schon im März habe man mit den Planungen gestartet, erzählt Pascal Oehme vom Organisationsteam. „Nach der Auswahl der Betreuerinnen und Betreuer ging es direkt ans Motto – dieses Jahr sind es Dinosaurier – und ans Teambuilding.“ Und das funktioniert: Wer ein paar Minuten auf dem Gelände verbringt, merkt schnell, wie gut das Team harmoniert.
Angesichts der hohen Zahl der zu betreuenden Kinder ist eine gute Zusammenarbeit wohl auch unerlässlich. Pro Woche werden 16 Gruppen von je zwei bis drei Freiwilligen betreut.
Neben einem vielfältigen Angebot an Aktivitäten gehört auch im Tannenberg-Waldheim die tägliche Verpflegung der Kinder zum festen Bestandteil des Waldheimalltags. „Wir haben ein 16-köpfiges Küchenteam, das hier jeden Tag Großes leistet“, sagt Oehme. Für so viele Menschen zu kochen, erfordert große Mengen: Beim letzten Großeinkauf sorgten 100 Kilo Nudeln im Einkaufswagen für einige erstaunte Blicke im Großhandel, erzählt Oehme schmunzelnd. „Ohne gutes Essen, keine gute Laune“, merkt Oberbürgermeister Belz dazu an. Auch das evangelische Waldheim Tannenberg besucht er nicht mit leeren Händen: Als traditionelles Geschenk aus dem Rathaus brachte er zwei Gesellschaftsspiele mit.
Was beide Waldheime vereint: Sie sind Herzensprojekte – getragen von vielen engagierten jungen Menschen, die ihre Ferien nicht am Strand, sondern stattdessen in den Waldheimen verbringen. „Ohne Ehrenamt würde hier gar nichts gehen“, sagt Pascal Oehme.