Grüßt die Radler im Aichtal: Herr Zimmer, erschaffen und gepflegt von Birgit Feil Foto: Landratsamt/Andreas Sporn
Im Schönbuch gibt es viele Touren für Fahrradfahrer. Der Böblinger Roland Schmitt, Vielradler, Wind- und Wetter-Radler und ADFC-Vorsitzender, hat eine 80 Kilometer lange Tour zusammengestellt, die die schönsten Ecken streift.
Michael Stürm
02.09.2023 - 14:00 Uhr
Roland Schmitt ist einer, der (fast) nie ohne Fahrrad aus dem Haus geht. Früher waren es die täglichen Fahrten zur Arbeit auf den Killesberg oder nach Weil der Stadt, die ihm ordentlich Beine machten. Heute sammelt der Böblinger noch jede Menge Kilometer bei der Einkaufstour, der Materiallieferung für den Tafelladen, die Fahrradwerkstatt, die der Böblinger mit Geflüchteten betreibt, oder bei Genusstouren in die nähere oder weitere Ferne.
80 Kilometer an einem Tag
Logisch, dass einer, der sämtliche Radwege und -routen in der Umgebung kennt, und seit acht Jahren als Vorsitzender des ADFC Böblingen/Sindelfingen den Fahrradfahrern eine Stimme verschafft, nicht lange überlegen muss, wenn er eine Lieblingstour für die Zeitung aussuchen soll. Und fast genau so logisch ist es, dass der 65-Jährige dafür das Erholungsrevier im Kreis Böblingen schlechthin ausgesucht hat: den Schönbuch.
„Schönbuch intensiv“ nennt Roland Schmitt die Route, auf der man den Böblinger Vielradler öfters trifft – eine Tour, mit der sich alle Schönheiten dieses Reviers zwischen Böblingen und Tübingen erradeln lassen. Einen Tag Zeit sollte man sich nehmen, um diese knapp 80 Kilometer lange Fahrt in Ruhe zu genießen. Dann wird man nicht nur mit wunderbarn Naturerlebnissen belohnt. Auch die Kunst und das Einkehr-Gen kommen nicht zu kurz.
Die Strecke ist eine individuell geknüpfte Verbindung aus mehreren Radwegen, die sich hier kreuzen. Die Wegweiser zeigen den Radelnden, dass sie sich auf dem Museumsradweg, dem Sculptoura-Weg und dem Hohenzollernradweg befinden, die „Prima-Klima-Tour“ und der Würmtalradweg sind ebenso Bestandteil der Route.
Kultur und Einkehrmöglichkeiten am Wegesrand
Los geht’s am Elbenplatz in Böblingen. Die Tour führt über Holzgerlingen, Waldenbuch, Aich und Neuenhaus. Von dort geht’s nach Dettenhausen und dann Richtung Bebenhausen und Tübingen. Zurück führt der Weg mitten durch den Schönbuch über Hagelloch, Hohenentringen und Hildrizhausen wieder nach Böblingen.
„Diese Strecke gehört zu meinen Topfavoriten“, sagt Roland Schmitt, der nicht lange überlegen muss, warum: Die Wege sind gut ausgebaut, der Straßenanteil ist äußerst gering, lange Waldpassagen entlang verträumter Bachtäler wechseln sich ab mit einem Trip durch das lebendige Tübingen. Die Kultur am Wegrand kommt ebenso nicht zu kurz. Und: Entlang der Tour gibt es jede Menge Einkehrmöglichkeiten.
Die acht schönsten Kilometer
Seine persönlichen Highlights erlebt der ehemalige Informatik-Elektroniker, der lange Jahre für die IBM gearbeitet und dann bei der feinen Weil der Städter Fahrradmanufaktur „Velotraum“ Räder zusammengebaut hat, immer, wenn er zwischen Schönaich und Waldenbuch durchs Aichtal rollt. In diesem Abschnitt ist die Tour Teil des Sculptoura-Weges, der in einer Art Freiluftgalerie Kultur und Bewegung vereint.
Angetan hat es ihm ein gemütlicher Herr, der ganz in Weiß auf einem knallroten Stuhl in der Wiese hockt. „Der sitzt in seinem Sessel und guckt, wer da gerade vorbei radelt“, erzählt Roland Schmitt und freut sich jedes Mal über die Begegnung mit dem lebensgroßen Kunststoffmann. „Herr Zimmer“ hat die Warmbronner Künstlerin Birgit Feil die Figur genannt, und ihr ein mildes Lächeln verpasst, das diese durch das Tal sendet, als ob sie Vorbeiradelnden ein Stück Gelassenheit in diesen aufgewühlten Zeiten mit auf den Weg geben möchte.
Seinen ganz persönlichen landschaftlichen Höhepunkt erreicht Roland Schmitt, wenn er in Neuenhaus ankommt. Von dort geht es etwa acht Kilometer immer an der sich munter schlängelnden Schaich entlang Richtung Dettenhausen. Eine Strecke mitten durch ein zauberhaftes Tal, vorbei an vielen Tümpeln und Seen. Wer zur richtigen Zeit unterwegs ist, erlebt Seerosen in voller Blüte oder kann den Fröschen lauschen, die sich zu lautstarken Orchestern formieren. „Das ist wie Waldbaden“, sagt Roland Schmitt. Für ihn zählt diese Passage zu den landschaftlich schönsten Radrouten des Schönbuchs.
Eine Tour, geeignet auch für Herr und Frau Normalradler
Auch wenn die Tour sich „Schönbuch intensiv“ nennt, ist es Roland Schmitt wichtig darauf hinzuweisen, dass die Radrunde mit ihren 900 Höhenmetern keine körperlichen Höchstleistungen verlangt und auch für Herr und Frau Normalradler samt Familie machbar ist. „Diese Tour kann man auch ohne Motor fahren“, sagt er.
Wenn das einer einschätzen kann, dann ist es Roland Schmitt. Er ist seit vielen Jahren der Faszination Radfahren erlegen. In seinem Fuhrpark befinden sich sämtliche Modellvarianten: Vom Touren-, Renn-, und Stromrad bis hin zum Liege- und Lastenrad. Wenn es ums Wetter geht lässt Schmitt hingegen keine Varianten gelten. Er sitzt auf dem Sattel bei Wind und Wetter, von Januar bis Dezember und zieht im Winter auch schon mal die Spikes auf die Felgen. „Radfahren“, sagt er, „geht schnell, ist praktisch, der Parkplatz befindet sich immer vor der Tür und die körperliche Bewegung beim Fortkommen ist auch immer dabei.“
Bleibt die Frage: Hat so einer auch ein Auto? „Ja, ganz viele“, sagt Roland Schmitt und grinst, „da steht überall ,Stadtmobil’ drauf.“
Unterwegs in der Region
Serie Urlaub daheim ist alles andere als langweilig. Die Region Stuttgart bietet vielfältige Möglichkeiten für abwechslungsreiche Tage ohne weite Anreise – für Kulturinteressierte wie für Naturfreunde, für Sportbegeisterte wie für Genießer. In unserer Serie „Der Ferientipp“ stellen wir Ausflugsziele vor. Wetten, dass für Sie etwas dabei ist?
Route Die 8o Kilometer-Tour beginnt und endet am Böblinger Elbenplatz, kann aber auch von allen anderen Orten entlang der Strecke gestartet werden. Eine genaue Beschreibung und die digitale Route gibt es per E-Mail unter roland-schmitt@adfc-bw.de. Zu finden ist sie auch in der Komoot-App. Dort einfach „ADFC BB-SIFI“ eingeben.
Essen und Trinken Entlang der Strecke finden sich viele Einkehrmöglichkeiten und Grillplätze. Ein prima Stopp ist die Goldersbachklause zwischen Bebenhausen und Tübingen, in Bebenhausen gibt es mehrere Gasthöfe. Tübingen lockt mit einem großen Gastroangebot, Rast mit Blick ins Gäu wartet am Schloss Hohentringen im Schönbuch.