Die Schüler können sich über Ferien freuen. In vielen Schulgebäuden ist trotzdem Betrieb. Wo saniert wird, haben jetzt die Handwerker das Sagen. Die Liste der Stadt für diese Sommerferien enthält 65 Projekte an den insgesamt 160 Schulen. Die reichen von überschaubaren Malerarbeiten in Klassenzimmern und Ausbesserungen für einige Tausend Euro über die Erneuerung von Fenstern, Toiletten oder Fußböden, die schnell hohe fünfstellige Beträge ergeben, bis zu Generalsanierungen, die zweistellige Millionenbeträge erfordern.
Sanierungsvolumen: 770 Millionen Euro
Die Projekte sind Teil eines im Jahr 2010 von der Stadt aufgelegten Sanierungsprogramms. Mögen sich die Summen im Einzelnen auch nach viel anhören (dazu der Beitrag nebenan), gemessen am Bedarf und an den Zielen ist das immer noch deutlich zu wenig. Inzwischen umfassen die notwendigen Sanierungsprojekte zusammen rund 770 Millionen Euro, sagt Jörg Weckler, der zuständige Sachgebietsleiter im Schulverwaltungsamt. Von diesen seien bisher Sanierungen im Umfang von rund 420 Millionen Euro realisiert, „350 Millionen sind noch notwendig“. Nach den Sollzahlen sollten jedes Jahr im Schnitt 40 Millionen Euro für Sanierungen verbaut werden. Dann läge man jetzt schon bei 480 Millionen Euro. „Das schaffen wir nicht“, erklärt der Sachgebietsleiter. Auch ob die rund 43 Millionen Euro, die in der Liste für dieses Jahr ausgewiesen sind, erreicht werden, ist die Frage, zumal nicht alle Teile der Projekte auch in diesem Jahr anfallen. „Der Sanierungsstau ist nicht behoben“, räumt Jörg Weckler ein. Nach den ersten Plänen sollte das Sanierungsprogramm 2016 oder doch 2018 abgearbeitet sein. Aber das wird auch jetzt noch einige Jahre dauern.
Ähnlich verhält es sich mit der Investitionsliste der Stadt für Schulneubauten und Erweiterungen. Dieses Programm aus dem Jahr 2017 umfasse inzwischen eine Summe von rund „zwei Milliarden Euro“, sagt Philipp Forstner, der stellvertretende Leiter des Schulverwaltungsamts. Oder besser: „Zwei Milliarden Euro plus X“, schiebt Forstner nach. Denn wie bei der Sanierungsliste, die sehr viele alte Gebäude enthält, deren Erneuerungsbedarfs sich oft als größer erweist als geplant, gelangen hier immer wieder neue Projekte auf die Liste. Und auch die Preise steigen.
Manche Erneuerungen sind bereits fertig, etliche auf Baustelle, der Großteil wird aber erst in den kommenden Jahren realisiert werden. Im Bau etwa ist das Bildungshaus Neckarpark, für das rund 93 Millionen Euro veranschlagt sind. „Das größte und teuerste Vorhaben“ der nächsten Jahre wird der Schulcampus Feuerbach sein, erklärt Philipp Forstner. Kosten: 155 Millionen Euro. Hier sollen das Leibnitz-Gymnasium und das Neue Gymnasium eine gemeinsame Bleibe bekommen. Ein Teil der bestehenden Gebäude wird abgerissen, ein Teil saniert.
Auch mit dem Investitionsprogramm kommt man deutlich langsamer voran als erhofft. An mangelndem Geld in der Stadtkasse liegt das nicht. Aber die Projekte zu planen und ausführende Firmen mit dem entsprechenden Personal zu finden sei „seit Jahren eine Herausforderung“, sagt der stellvertretende Leiter des Schulverwaltungsamts, „vor allem im vergangenen Jahr“. Und die Lage sei eher noch schwieriger geworden. Mit den beiden „Riesenprogrammen“ werde man auf jeden Fall „noch eine Weile zu tun haben“, macht Philipp Forstner deutlich.
Verzögerung verlangsamt auch die Digitalisierung
Darüber sind die Schulen nicht erfreut. „Es geht uns zu langsam“, sagt Manfred Birk, der kommissarische geschäftsführende Schulleiter für die Stuttgarter Gymnasien. „Es müssten gleichzeitig viel mehr Schulgebäude saniert werden.“ Beim Schulsanierungsprogramm habe man „eine mehrjährige Verzögerung“, so Birk. Dies sei fatal insbesondere für die nötige Verbesserung „der elektrischen und datentechnischen Vernetzung“, erklärt der Schulleiter des Dillmann-Gymnasiums. Weil diese teils noch sehr unzureichend sei, könnten manche Schulen „keinen Beamer an die Decke hängen, weil das Netz nicht belastbar ist“. Die Stadt bemühe sich zwar um Hilfslösungen – so sollen die Klassenzimmer durch den Einsatz sogenannter LTE-Router Anschluss ans Internet bekommen –, die seien aber nur ein Ersatz und „keine richtige Vernetzung“.
Das Problem sei, dass sich solche Vernetzungen „nur mit einer Generalsanierung rechnen“, erklärt Manfred Birk. Dass diese aber schneller umgesetzt werden, das verhindere schon der Personalmangel bei der Stadt. „Dieser Flaschenhals ist noch immer nicht beseitigt“, macht der Schulrektor deutlich. „Es fehlt nicht am Willen“, so Birk. „Das für die Baumaßnahmen zuständige Hochbauamt ist einfach chronisch unterbesetzt.“
Die Personalknappheit wirkt sich laut Manfred Birk auch auf die Behebung kleinerer Mängel aus. So hätten nicht wenige Schulen solche Probleme, beispielsweise undichte Fenster. Der Rektor des Dillmann-Gymnasiums hat selbst ein solches Ärgernis an der Schule, ein undichtes Lichtband in der Aula. „Da ist seit Monaten eine Plane drauf, weil sonst das Wasser reinläuft“, erzählt Birk. Nach seinem Eindruck bleiben solche „kleineren Reparaturen aber auf der Strecke“, obwohl sie nicht so aufwendig sind und gut in das Zeitfenster der Sommerferien passten. Um dem entgegenzuwirken, habe die Stadt geplant, dafür spezielle Handwerkerteams zusammenzustellen, wobei er nicht wisse, ob dies überhaupt gelungen sei.
Es hat doch geklappt, lässt sich inzwischen sagen, trotz des Fachkräftemangels. Allerdings habe sich die Besetzung der acht Stellen für Handwerksmeister „etwas länger hingezogen“, sagt Andreas Hein, der Leiter des Schulverwaltungsamts. Diese Meister sollen kleinere Sanierungsfälle an Schulen selbst erledigen, so dies möglich ist, oder nach einer Klärung vor Ort einen Handwerksbetrieb beauftragen. Erste Arbeiten, etwa das Anbringen eines Prallschutzes in einer Schulhalle, habe das Handwerkerteam bereits selbst erledigt. Da man aber die letzten Stellen erst kürzlich habe besetzen können, würden die neuen Kräfte „ihre volle Produktivität erst im neuen Schuljahr entfalten“, erklärt Amtsleiter Andreas Hein.
65 Projekte auf der Sanierungsliste in den Schulferien – eine Auswahl
Kleinere Projekte
An der Marienschule im Süden werden im Zuge des Umbaus zur Ganztagsschule ein zweiter Rettungsweg und Brandschutzeinrichtungen gebaut, macht rund 120 000 Euro. Die Wilhelm-Hauff-Schule im Süden bekommt ein „Grünlabor“ im Schulgarten für 190 000 Euro. Für das Streichen von Klassenzimmern in der Realschule Ostheim sind 60 000 Euro veranschlagt. Die IT-Schule in Möhringen für IT- und Medienberufe erhält eine Lüftungsanlage in der Mensa für rund eine Million Euro. Die Gewerblichen Schulen in Feuerbach seien derzeit „stromlos“, sagt Jörg Weckler, der zuständige Sachgebietsleiter im Schulverwaltungsamt. Mit dem Austausch des Trafos aus den 1970er Jahren werde dort die zentrale Stromversorgung für 165 000 Euro erneuert.
Mittlere Projekte
Die größeren Posten der Liste sind bereits seit Längerem in Arbeit oder dauern auch nach den Ferien noch einige Zeit. In der Bismarckschule in Feuerbach wird die Fassade des etwa 100 Jahre alten Gebäudes saniert und werden Brandschutzmaßnahmen und Fluchttreppen installiert (4,7 Millionen Euro), die Sanierung der dortigen Jahnsporthalle schlägt mit gut elf Millionen Euro zu Buche. Der Umbau der Neuwirtshausschule in Zuffenhausen zur Ganztagsschule kostet etwa 1,8 Millionen Euro. Die Rilke-Realschule in Rot (18,4 Millionen Euro) soll die Schüler nach dem Sommer wieder in „komplett sanierten Gebäuden“ empfangen, sagt Jörg Weckler.
Große Sanierungsprojekte
Die Generalsanierung des Hauptgebäudes der Helene-Schoettle-Schule in Steinhaldenfeld, eines Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ), für rund 13,5 Millionen Euro beginnt Ende der Sommerferien. Die Generalsanierung des Wagenburg-Gymnasiums läuft schon seit eindreiviertel Jahren (mit Kosten von 25 bis 30 Millionen Euro eines der größten Schulsanierungsprojekte) und wird noch etwa ein Jahr dauern. Für knapp 25 Millionen Euro wird die Wilhelmschule Wangen mit Beginn der Sommerferien endlich erweitert und saniert. Und die laufende Generalsanierung des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums (Ebelu) schlägt inklusive der Interimsmaßnahmen mit insgesamt 67,3 Millionen Euro zu Buche.