Fernreisen Busse ersetzen Hellas-Express

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Ob Hellas-Express oder Istanbulexpress – vor allem Migranten nutzten die Direktverbindungen von Deutschland in ihre Heimatländer. Inzwischen ersetzen Busse die längst eingestellten Verbindungen.

Ein Bild vom Stuttgarter Hauptbahnhof aus dem Jahr 1961 – die italienischen Gastarbeiter kamen mit dem Zug. Foto: dpa
Ein Bild vom Stuttgarter Hauptbahnhof aus dem Jahr 1961 – die italienischen Gastarbeiter kamen mit dem Zug. Foto: dpa

Stuttgart - Ein Blick in das Kursbuch der Bahn von 1972 offenbart: Täglich fuhren vom Stuttgarter Hauptbahnhof zwischen 17.22 und 18.28 Züge mit selbsterklärenden Namen: Dalmacija-Express, Hellas-Express, Istanbul-Express. Der Hellas-Express brachte beispielsweise in 50 Stunden und acht Minuten – so jedenfalls der Fahrplan – Gastarbeiter auf einer 2750 Kilometer langen Fahrt nach Athen. Doch diese Verbindungen gibt es seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Von Deutschland sind nur noch ganz wenige Städte in früheren Ostblockländern umsteigefrei erreichbar. Es wird bereits diskutiert, auch den letzten noch verbliebenen Kurswagen nach Zagreb aus dem Fahrplan zu streichen.

Die Migranten von heute nutzen Flugzeug, Auto und häufig auch den Fernbus. Auch der fährt an vielen Tagen der Woche zum Beispiel von Stuttgart-Obertürkheim, Haltestelle zehn in der Hafenbahnstraße, nach Sofia. Reisezeit gut 25 Stunden. Angeboten wird auch einmal wöchentliche eine Abfahrt nach Alexandropolis – in gut zwei Tagen mit einmal Umsteigen.

Tipp: Die Börse mit Euro-Münzen

Selbst regelmäßige Bahnnutzer halten diese Angebote durchaus für zufriedenstellend. „Pünktlich, sicher, preiswert“, fasst ein Bahncard-100-Besitzer seine Erfahrung von einer Fahrt nach Rumänien zusammen. Für rund 100 Euro lassen sich viele der fernen Ziele erreichen, gefahren wird mit recht modernen Bussen. Um die Beine zu vertreten, werden genügend Pausen eingelegt, der Fahrer hilft beim Verladen des Gepäcks. Mitunter geht bei gründlichen Grenzkontrollen außerhalb des Schengener Raums etwas Zeit verloren. Mehrere Fahrer ruhen sich – außerhalb Deutschlands – auf den vorderen Sitzreihen des Busses aus, bis die Ruhezeiten ihren Einsatz wieder erlauben. Der Reisende hat noch einen Tipp auf Lager: „Eine gut gefüllte Börse mit 50 Cent und ein Euro Münzen, die werden für Kaffee und Vesper gerne genommen“. Euro-Scheine sind zwar auch begehrt, aber das Wechselgeld wird auf der Reise über viele Grenzen hinweg rasch wertlos. Der 1963 eingeführte Hellas-Express war die erste Direktverbindung von Deutschland nach Athen und wurde auf deutschen Fahrplänen mit dem Hinweis versehen: „Dieser Zug ist für Reisende im innerdeutschen Verkehr nicht zu empfehlen. Mit dem gewohnten Komfort und Ausstattung darf nicht gerechnet werden“. Die Erklärung hatte mit dem Wagenmaterial aus verschiedenen Ländern zu tun, und mit Abteilen von bis zu acht Sitzplätzen.