Fernsehen Wild Girls: In der Wüste sind Stöckelschuhe hinderlich

Von Antje Hildebrandt 

Heute beginnt „Wild Girls“, eine Art Dschungelcamp-Variante in Namibia. Die hintere Prominentenriege, die diesmal ausschließlich aus Frauen besteht, wird wilden Tieren und anderen Herausforderungen begegnen.

Entscheidend wird die Hackordnung sein: Die „Wild Girls“ von RTL Foto: RTL
Entscheidend wird die Hackordnung sein: Die „Wild Girls“ von RTL Foto: RTL

Stuttgart - Man muss diese jüngste Verzweiflungstat von RTL mal aus der Perspektive eines Spitzmaulnashorns betrachten: Da platzen zwölf Vertreterinnen der Spezies Homo sapiens in sein Revier, die namibische Wüste. Es ist kein Ort für Frauen, die das Frau-Sein zum Beruf gemacht haben. Keine Boutique, kein Nagelstudio, keine Prosecco-Tankstelle in fuß-, nein, High-Heels-läufiger Nähe.

Auf freier Wildbahn fallen die Kandidatinnen sofort auf, nicht nur wegen ihrer Brüste. Sie rutschen in engen Kleidchen die Dünen herunter, sie fangen Ziegen ein, die irgendwer hier ausgesetzt hat. Sie wackeln mit dem Hintern, so, wie es ihnen einheimische Frauen vorgemacht haben. Himba-Shake heißt dieser Tanz. Dazwischen renovieren die Eingeflogenen ihre Kriegsbemalung, soweit das bei Temperaturen von 50 Grad geht.

Wie reagiert das männliche Spitzmaulnashorn auf die Invasion dieser Silikonbräute? Nun, es dreht ihnen demonstrativ das Hinterteil zu. Diese Art von Frauen interessiert es nicht.

Opfer der Schönheitschirurgie

Das unterscheidet ihn vom Gros der deutschen Fernsehzuschauer. Die, so haben es sich die Programmmacher von RTL wohl gedacht, sind nicht annähernd so stilsicher wie das Spitzmaulnashorn. Und deshalb können wir auch ohne Umweg an die Instinkte der Zuschauer appellieren: Es gibt Brüste, Baby.

Mit dabei sind Sophia Wollersheim und andere Opfer der Schönheitschirurgie, die das Publikum bestimmt schon aus dem Fernsehen kennt, aus Sendungen wie „Big Brother“, dem „Bachelor“ oder dem „Dschungelcamp“. RTL jagt sie jetzt dahin, wo sie, glaubt man Feministinnen, sowieso hingehören – nämlich in die Wüste.

„Wild Girls“ nennt die RTL dieses Experiment am offenen Herzen der TV-Unterhaltung: Was passiert, wenn man zwölf examinierte Absolventen des Reality TV in einem Billigbomber in die Dritte Welt schickt? Kratzen sich die Frauen schon auf dem Flug die Augen aus, weil es nur eine Gala für alle gibt? Oder entbrennt der Krieg erst in der Wüste, beim Run auf das letzte Fersenpflaster? Und wer ist eigentlich die Ziege, die es einzufangen gilt?