Fernsehköche Die Schwarzwaldküche zieht um

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Seit Jahrzehnten sind Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer bei den Zuschauern beliebt. Nun ziehen sie in eine neue moderne Küche.

Martina und Moritz, die dienstältesten Fernsehköche der Nation, bekommen den Fortschritt zu spüren: Die Schürzen sind schon neu, demnächst wird das Ehepaar die alte Küche gegen eine moderne tauschen. Foto: Stoppel 3 Bilder
Martina und Moritz, die dienstältesten Fernsehköche der Nation, bekommen den Fortschritt zu spüren: Die Schürzen sind schon neu, demnächst wird das Ehepaar die alte Küche gegen eine moderne tauschen. Foto: Stoppel
Sulz-Hopfau - Frühlingshaft, fröhlich, leicht - und ein Blick auf die Gerichte, die wir heute zubereiten: junge Schoten als türkische Vorspeise, einen Belag für Crostini, ein feines Cremesüppchen. Wir essen dicke Bohnen mit Pellkartoffeln, mit Pasta und als herzhaften Eintopf ..."Draußen auf der Terrasse, von der man einen traumhaften Blick über die Apfelplantage, auf Hopfau und die Waldhänge am Rande des Nordschwarzwalds hat, schießen die Krokusse durch den Kies. Unten plätschert die Fontäne in den Fischteich, etwas weiter thront auf einem langen Pfahl ein Vogelhaus, bewacht vom steinernen Max von Duttenhofer, der das Anwesen in dem Teilort von Sulz 1897 als Sommerresidenz gründete.

Alle paar Wochen wird diese perfekte Idylle für dreieinhalb Tage gestört. Dann stehen zwei Ü-Wagen hinterm Haus, sind Scheinwerfer vor den Fenstern postiert, ist Rummel in der Bude, vor allem im unteren Teil der 400 Quadratmeter Wohnfläche, die sich das Ehepaar Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer sonst nur mit dem Hund Pünktchen und der Haushälterin Frau Mönch teilt.

Es ist kurz vor elf Uhr, Beginn des letzten Drehtags. Bernd Neuner-Duttenhofer, der seit Studententagen Moritz genannt wird, bindet sich unter Protest die Küchenschürze um, auf der "WDR Servicezeit: Essen & Trinken" steht - trug er bisher doch immer eine eigene Metzgerschürze. Seine Frau sitzt noch in der Abstellkammer, die zur Maske umfunktioniert ist. Später in der Küche, in der unter der Decke Scheinwerfer befestigt sind, wird ihr noch das Rückendekolleté geschminkt und das Mikrofon angesteckt. Auf der Marmorplatte des alten Holzfeuerofens, der längst zum Halogenherd umgebaut ist, ist Gemüse drapiert. Noch ein paar Absprachen, bis die Stimme des Regisseurs Arno Imhoff aus dem Ü-Wagen tönt: "Dann machen wir mal, sonst proben wir uns noch zu Tode. Wir fahren ab!"

Kochen für 400.000 Menschen


"Kennen Sie die? Das sind dicke Bohnen." - "Nein, Ackerbohnen." - "Feldbohnen." - "Saubohnen!" - "Nein, Pferdebohnen." Martina und Moritz, wie sie der Einfachheit halber von allen genannt werden, schmeißen sich die Bälle beziehungsweise Bohnennamen zu. Dabei handelt es sich um Erbsen, wie man später in der kleinen Warenkunde erfährt. Die beiden sind die dienstältesten Fernsehköche Deutschlands. 1986 hatte die Fernsehautorenlegende Wolfgang Menge ("Ein Herz und eine Seele") die Idee zum "WDR Gasthaus" als Gegenstück zum "Rasthaus". Zwei Shows mit Martina und Moritz wurden produziert, die mit Gesang und Tanz allen zu bunt wurden - dann war Sendepause.

Zwei Jahre später ging es weiter mit dem "ARD Ratgeber Essen & Trinken", bis man 1994 mit der "Servicezeit" in das Dritte des WDR wechselte. Seitdem kochen Martina und Moritz in schöner Regelmäßigkeit in der Küche auf ihrem Apfelgut, das im tiefsten Sendegebiet des SWR liegt. Der wiederholt die Dreißigminüter in seiner eigenen Servicesendung "Kaffee oder Tee?" auch gerne. Aber die öffentlich-rechtliche Heimat der beiden ist der WDR, in dem sie im Schnitt für 400.000 Zuschauer kochen.

"Wenn wir von dem grünen Püree noch etwas übrig haben, was eigentlich nicht zu befürchten ist, dann machen wir daraus schnell noch eine Suppe." Wir sind inzwischen beim zweiten Gericht aus den Bohnen, mit denen Martina und Moritz gar nicht glücklich sind. "Die haben das Wort dick nicht verdient", sagt auch der Regisseur. Aber es waren wohl keine besseren zu bekommen, und hier so weit ab vom Schuss kann man auf die Schnelle nichts machen.

Martina und Bernd sind eigentlich gar keine Köche


Zum Glück hat Ali, der libanesische Kameramann, auch welche mitgebracht, sind Bohnen doch sein Leibgericht. "Ali, hättest du Zeit, an die Kamera zu gehen", flötet es aus dem Ü-Wagen, als er gerade mal wieder mit Pulen beschäftigt ist. Aber sein Urteil gilt nun mal was - auch bei den beiden Fernsehköchen, deren Verdienste für alles Mögliche in Urkundenform im Gang zwischen Küche und Werkstatt dokumentiert sind. "Und, wie findest du es?", wird Ali von Martina gefragt. "Ist gut, aber verkraftet mehr Zitrone", sagt er. Mehr ist gut, denn es ist gar keine drin, weswegen sie später in der Sendung sagt: "Und ich gebe jetzt noch ein bisschen Zitronensaft dazu ..."

Wenn man's genau nimmt, dann sind Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer keine Köche. Behaupten sie auch gar nicht. "Wir sind Journalisten, die kochen", sagt sie. Er, der Theatergeschichte, Soziologie und Kunstgeschichte studiert hat, kam wegen des schlechten Mensaessens zum Kochen, schrieb einige Bücher zum Thema, übernahm bei der Zeitschrift "Meine Familie & ich" das Kochressort und wurde später stellvertretender Chefredakteur.

Sie arbeitete nach der Journalistenschule bei "Eltern" und "Freundin", stieg dort ebenfalls auf - um sich 1985 mit ihrem Mann selbstständig zu machen. "Als Führungskräfte bei Burda sind wir immer weiter weg von der Produktion und hinein in die Verwaltung gekommen." Das war nichts für sie, die reisen und schreiben wollten, was 1986 gleich mit den "Kulinarischen Landschaften - Toskana" bestens gelang. Dem opulenten Band folgten 14 weitere in dieser Reihe. "Wir haben uns lange gehalten, aber die Zeit dafür ist vorbei", sagt Martina Meuth. Die Leute seien heute weniger bereit, 50 Euro für ein Buch auszugeben. Doch das Paar publiziert weiter - nicht nur in Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch in Buchform, zuletzt "Wo die glücklichen Hühner wohnen". Derzeit arbeiten sie an einem Werk über Küchentechnik. Und nebenbei werden Bücher aus den "Servicezeit"-Folgen gemacht. Mit jedem fertigen Gericht marschieren sie in die Fotowerkstatt und halten das Ergebnis im Bild fest.

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