Der SWR erwägt, seinen beliebten Tigerentenclub nicht mehr im Göppinger Stauferpark aufzuzeichnen. Der Oberbürgermeister Guido Till kämpft jetzt wie ein Löwe für den Verbleib der Kindersendung.
Göppingen - Erst am Montag ist der Göppinger CDU-Stadtrat Felix Gerber als Rektor der Sigmaringer Liebfrauenschule mit zwei sechsten Klassen bei einer Aufzeichnung des Tigerentenclubs im Göppinger Stauferpark zu Gast gewesen. Die Realschülerinnen maßen sich mit Gymnasiasten aus Wertheim und seien von der Sendung, dem Fernsehstudio in der alten Sporthalle und den Fernsehleuten begeistert gewesen. Vor allem aber habe ihnen die Heimatstadt ihres Rektors gefallen. „Sie wollen unbedingt mit ihren Eltern wieder kommen“, sagt Gerber.
Der SWR-Intendant telefoniert mit dem OB
Der CDU-Fraktionschef ist nicht der einzige, der die seit 1996 in Göppingen ansässige SWR-Produktion als Aushängeschild für die Stadt interpretiert. Auch der Oberbürgermeister Guido Till (CDU), Vater eines zweijährigen und eines halbjährigen Sohnes, schätzt den Marketingwert der Sendung, deren 910. Folge mittlerweile abgedreht ist. Als ihm der SWR-Intendant Peter Boudgoust Anfang April mitteilte, dass der Sender im Zuge eines millionenschweren Sparprogramms darüber nachdenke, den Tigerentenclub vom Jahr 2017 an in seinen eigenen Studios in Baden-Baden aufzeichnen zu lassen, war Till daher höchst alarmiert.
Mit einer drei Meter hohen Tigerente, die seit gestern vor dem Göppinger Rathaus steht, und einem offenen Brief will Till den Intendanten noch umstimmen. Im Stauferpark stehe eine ganze Halle ausschließlich für den Tigerentenclub zur Verfügung. Die aufwendige Kulisse müsse nicht ständig wie in Baden-Baden für andere Produktionen wieder abgebaut werden, heißt es in dem Schreiben, das auch die örtlichen Landtagsabgeordneten unterzeichnet haben. Zudem gebe es neben dem Studio einen Spielplatz, in dem sich die jungen Gäste bei Verzögerungen die Zeit vertreiben könnten.
Die Fernsehmacher logieren mietfrei
Bei genauer Betrachtung werde sich herausstellen, dass ein Umzug keine finanziellen Vorteile bringe. Tatsächlich residiert der SWR seit Jahren mietfrei in der einst von der US-Armee erbauten Halle. Alle Instandhaltungskosten trägt die Stadt. Das ist nicht ganz unumstritten. Auf 130 000 Euro lasse sich das städtische Sponsoring summieren, kritisiert der Freie-Wähler-Stadtrat Emil Frick.
Dennoch will die große Mehrheit den großen Sender halten. „Ich glaube, dass wir eine Chance haben“, sagt Till. Boudgoust habe ihm zugesichert, dass die Entscheidung noch nicht gefallen sei. Gegenwärtig prüft eine interne Arbeitsgruppe die Sparvorschläge, zu denen auch der Abzug des Nachtcafés aus dem Ludwigsburger Schloss Favorite zählt. Ob Göppingen neue Zugeständnisse macht, ließ Till offen. „Man kann über vieles reden.“