Fernwärme in Deizisau Der Bürgermeister rührt die Werbetrommel

Die Deizisauer Gemeindeverwaltung hofft, dass das Fernwärme-Projekt nicht scheitert. Foto: dpa/Marijan Murat

Weil sich bislang zu wenig Menschen in Deizisau für Fernwärme entschieden hätten, sei das Projekt für die EnBW momentan nicht wirtschaftlich, sagt Thomas Matrohs. Er hofft, dass der Plan nicht platzt.

Die geplante Erweiterung des Fernwärmenetzes in Deizisau steht auf der Kippe. „Die Quintessenz ist, dass Stand September zu wenige Angebote abgegeben werden konnten“, sagte der Bürgermeister Thomas Matrohs Ende September im Gemeinderat. Momentan sei das Pilotprojekt „Jahnstraße“ für die EnBW nicht wirtschaftlich.

 

Dem Pilotprojekt liege eine umfangreiche Bürgerumfrage, gefolgt von einer gut besuchten Informationsveranstaltung zugrunde, erklärte Matrohs. Das Projekt sei in seiner Ausführung auch für die EnBW Neuland. Die Ausgaben im mittleren siebenstelligen Bereich seien für das Unternehmen mit einer geringen Anzahl an Interessenten jedoch nicht lohnend, sagte Matrohs.

Schreiben an Anwohner

Deshalb werde er noch einmal ein Schreiben an die Anwohner verfassen, in dem er für das Angebot werbe. „Ich nehme der EnBW weiterhin ab, dass ein Interesse in diesem Bereich besteht“, sagte Matrohs. Angesichts des benachbarten Kraftwerks liege es nahe, in Deizisau Fernwärme zu nutzen. „Ich bin mir sicher, dass es ein wichtiger Bereich in der kommunalen Wärmeplanung sein wird“, erklärte der Bürgermeister. Er habe die EnBW bereits zu Änderungen der Angebote bewegen können, die den Interessenten mehr Bedenkzeit geben sollen, ob sie den Anschluss in Betrieb nehmen wollen. „Am Ende ist es trotzdem eine absolut individuelle Entscheidung“, betonte er.

Mehr als 300 000 Euro pro Anschluss?

Ihm liege das Angebot für einen Anwohner vor, das bei mehr mehr als 300 000 Euro für den Anschluss liege, sagte Oliver Krüger (CDU). Bei diesem Preis sei fraglich, ob die EnBW faire Angebote mache, es sei gar von einem Verhinderungsangebot die Rede. Klar sei, dass Fernwärme nicht zu den günstigsten Alternativen zähle, bestätigte Matrohs. Jedoch seien Personen, die bereits Fernwärme nutzten, sehr zufrieden damit. „Eine Heizung ist nichts, was man so schnell beschließt“, sagte Gerhard Knospe (FWG). Die sehr knappe Deadline der EnBW – am 15. Oktober ist Stichtag – sei zu kurz.

„Was mich stört, ist, dass der Eindruck entstehen könnte, dass die Kommune Druck aufbauen will“, sagte Maik Vosseler (FSL). Die Bürger sollten nicht an die Werbekampagne für den Glasfaserausbau erinnert werden, bei der sich viele unter Druck gesetzt fühlten. Es sei im Interesse der Kommune, dass das Projekt nicht scheitere, sagte Matrohs. „Eleganter die CO2 -Neutralität hinzubekommen, gelingt fast nicht.“

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