Fernwärme in Deizisau Warm-up zur Wärmewende

Bürgermeister Thomas Matrohs im Keller der Sporthalle, wo die Fernwärme aus Altbach ankommt. Sie beheizt die Sport-, die Gemeinde- und die Übungshalle. Foto: /Andreas Kaier

Deizisau will mit einer Bürgerumfrage das Potenzial für den Ausbau der Fernwärme ausloten. Die EnBW zeigt sich gesprächsbereit.

Anfang nächster Woche bekommen alle Eigentümer von Gebäuden und Wohnungen in Deizisau Post von ihrem Bürgermeister. In dem Schreiben – insgesamt werden rund 1800 dieser Briefe auf die Reise gehen – werden alle dazu aufgefordert, sich an einer Bürgerumfrage der Gemeinde zu beteiligen. Thomas Matrohs will vor allem wissen, wer Interesse am Ausbau des Fernwärmenetzes hat, über das bereits heute schon vom Kraftwerk Altbach aus rund 30 Prozent aller Liegenschaften im Ort mit Wärmeenergie versorgt werden. In vielen Straßenzügen liegen bereits entsprechende Leitungen.

 

Zugleich soll die Umfrage – für Thomas Matrohs ist sie das „Warm-up zur Wärmewende in Deizisau“ – auch wichtige Daten für die Vorbereitung der geplanten kommunalen Wärmeplanung liefern. „Die Fragen können digital oder analog beantwortet werden“, erläutert er und hofft auf eine möglichst große Beteiligung.

Interkommunale Zusammenarbeit

Um die Wärmeplanung zu erstellen, hat sich Deizisau mit anderen Kommunen im Landkreis zusammengetan. Mit im Boot sind neben Wendlingen, wo die Fäden dafür zusammenlaufen, noch Wernau, Köngen, Plochingen, Oberboihingen und Unterensingen. In Baden-Württemberg müssen die Großen Kreisstädte bei den Regierungspräsidien bis Ende des Jahres derartige Konzepte vorgelegt haben. Kommunen ab 10 000 Einwohnern sollen bis spätestens Ende 2028 nachziehen. Der kommunale Wärmeplan soll als Grundlage dafür dienen, eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen.

In Deizisau hat Matrohs das Thema Wärmewende „zur Chefsache“ gemacht, wie er sagt. „Als Bürgermeister spüre ich, dass die Menschen in Sachen Heizungserneuerung und Energieversorgung zunehmend verunsichert sind und sich hierbei vielfältige Fragen auftun“, so Thomas Matrohs. Gleichzeitig habe er den Eindruck, dass die Besitzer einer Liegenschaft sehr wohl ihre alten Heizungen durch neue Heizanlagen ersetzen wollten, jedoch vor der Frage stünden, welche Anlage letztendlich die geeignetste sei.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, hatte die Gemeinde Deizisau in den vergangenen Wochen zwei Veranstaltungen zum Thema organisiert: einmal gemeinsam mit der Klimaschutzagentur des Landkreises und einmal zusammen mit der EnBW, der Betreiberin des Altbacher Kraftwerks. Von dort aus versorgt die EnBW über einen Verbund mit den Kraftwerken Stuttgart-Gaisburg und Stuttgart-Münster einen Großteil der Industriebetriebe in Esslingen und Stuttgart mit Fernwärme, aber auch viele Privathaushalte in Esslingen, Altbach, Plochingen, Stuttgart und eben auch in Deizisau.

Bürgermeister leistet Überzeugungsarbeit

Bei der Veranstaltung hatte ein EnbW-Vertreter allerdings signalisiert, dass der Versorger kein Interesse am Ausbau des Fernwärmenetzes in Deizisau habe. Er hatte dies vor allem mit den damit verbundenen immensen Kosten für die Endabnehmer begründet. Vor diesem Hintergrund hatte Matrohs, der sich damit nicht zufriedengeben wollte, noch am selben Abend die jetzt gestartete flächendeckende Bürgerumfrage angekündigt. „Während der Veranstaltung war deutlich geworden, dass von den Grundstücksbesitzern innerhalb des Gemeindegebiets noch Potenziale für den Fernwärme-Ausbau gesehen werden“, begründet er die „innovative kommunale Bürgerbeteiligung“, die zum Thema Wärmewende in dieser Form im Landkreis noch nirgends stattgefunden habe. Inzwischen habe er auch weitere Gespräche mit der EnBW geführt. „Dabei habe ich die EnBW als sehr gesprächsbereit wahrgenommen“, so der Deizisauer Verwaltungschef weiter. Matrohs geht inzwischen davon aus, dass der Energieversorger „sehr wohl auch die Chancen sieht, die mit einem Ausbau der Fernwärme verbunden sind“.

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