Fertighäuser Schwörer senkt seine Standards nicht

Bundesweit liegt der Anteil der Fertighäuser bei Einfamilienhäusern inzwischen bei 26 Prozent – vor fünf Jahren waren es erst 21 Prozent. Foto: dpa/Daniel Maurer

Der Trend zum Fertighaus hält an. Das Interesse an Gebäuden mit mehreren Stockwerken nimmt zu.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Johannes Schwörer ist zwar auch für weniger Bürokratie – aber manche angestrebte Erleichterung hält er nicht für richtig. „Die Bemühungen der Bundesregierung mit dem Gebäudetyp E sehe ich mit Skepsis“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Fertighausherstellers Schwörer aus Hohenstein-Oberstetten auf der Schwäbischen Alb.

 

Mit dem Gebäudetyp E, der für einfach steht, will die Bundesregierung das Bauen vereinfachen. Standards, die nur den Wohnkomfort betreffen, nicht aber die Sicherheit, könnten bei diesem Gebäudetyp gesenkt werden. Das kann etwa den Schallschutz betreffen.

Seine Skepsis begründet Schwörer, der seit Juli auch Präsident der IHK Reutlingen ist, damit, dass „Haftungsfragen nicht sauber geklärt sind“ und keine „verlässlichen Standards, auf die sich die Parteien berufen können, festgelegt sind“. Wenn die Bewohner eines Gebäudes merkten, dass der Schallschutz nicht so gut sei, wie sie sich das vorgestellt hätten „werden sie dem Bauunternehmen oder den Planern die Schuld in die Schuhe schieben“, meint der Unternehmenschef. „Das kann Streit geben und bis vor das Gericht gehen.“ Schwörer will seine Standards deshalb nicht senken – eine Absenkung der Standards bei Energie- und Schallschutz wäre seiner Ansicht nach nicht richtig.

Positive Geschäftsentwicklung

Johannes Schwörer ist Chef des Fertighausherstellers Schwörer Haus und seit Juli auch Präsident der IHK Reutlingen. Foto: Trinkhaus Fotografie

Weit mehr Freude als solche politischen Auseinandersetzungen macht ihm inzwischen wieder seine Geschäftsentwicklung – zumal der Trend zum Fertighaus bundesweit anhält und Fertighäuser auch immer mehr in die Höhe gezogen werden. Fertighäuser mit mehreren Stockwerken, Fassade aus Holz und Decken aus Beton tragen aktuell sechs Prozent zum Umsatz bei. Bis 2030 soll dieser Anteil auf zehn Prozent steigen. Dies kann sich Schwörer auch deshalb vorstellen, weil Singles und ältere Menschen, deren Zahl steigt, aber auch Fachkräfte, die untergebracht werden müssten, eine Wohnung oft einem kompletten Haus vorzögen, aber auch, weil Bauplätze knapp und teuer seien.

Preisvergleiche mit einem Haus aus Stein sind nicht immer möglich, meint er. So müssten etwa in einen Rohbau die elektrischen Leitungen noch eingezogen werden – bei einer Wand aus der Fertighausfabrik dagegen seien solche Komponenten bereits installiert. Im Durchschnitt koste ein Fertighaus 340 000 Euro und sei weit schneller gebaut als ein solches aus Stein: Nach einem bis zwei Tagen kann das Dach auf dem Haus sitzen. Doch auch noch etwas anderes sorgt dafür, dass der Trend zum Fertighaus ungebrochen ist: Der Mangel an Fachkräften. Diese fehlten häufig in allen Handwerksberufen wie etwa Maurer, ganz besonders aber fehle es an Elektrikern, Sanitärinstallateuren und Heizungsbauern.

Bundesweit liegt der Anteil der Fertighäuser bei Einfamilienhäusern bei 26 Prozent – vor fünf Jahren waren es 21 Prozent. Weit über dem Bundesdurchschnitt liegt der Anteil in Baden-Württemberg:Hier stieg er von 35 Prozent 2020 auf heute 40 Prozent. „Holzbau ist in Baden-Württemberg schon seit Jahrhunderten bekannt und deshalb besteht deutlich weniger Skepsis gegenüber dieser Bauweise“, meint Schwörer.

Das Unternehmen aus Hohenstein-Oberstetten beschäftigt 1730 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 1400 am Firmensitz. Weitere größere Standorte sind Ahrensfelde bei Berlin, Veringenstadt und Haigerloch. Schwörer würde auch noch etliche weitere Beschäftigte einstellen – um einen „Puffer“ zu haben, weil immer wieder auch Mitarbeiter gehen, beispielsweise in den Ruhestand.

Hoher Auftragsbestand

Über die mangelnde Nachfrage nach neuen Häusern kam das Unternehmen auch deswegen hinweg, weil ein hoher Auftragsbestand aus besseren Jahren noch in den Büchern stand. So konnte der Umsatz 2024 wie schon im Jahr zuvor bei 350 Millionen Euro gehalten werden. Auch im laufenden Jahr werden wohl wieder 350 Millionen Euro erreicht. Damit gehört Schwörer zu den größten Herstellern von Fertighäusern in Deutschland.

Inzwischen ist so mancher frühere Auftrag abgearbeitet. So meint Schwörer denn auch, „wenn wir das 2026 halten können, bin ich extrem zufrieden“. Seit Mitte 2025 sei „die Nachfrage deutlich besser geworden“, berichtet Schwörer. „Ein großes Hemmnis sind lange Genehmigungsverfahren, hier müsste vieles einfacher werden.“ Nachdem es vor Jahren noch enorm hohe Lieferzeiten gegeben hatte, seien diese jetzt wieder „normal“, bis sieben Monate nach der Baugenehmigung. Die Kunden würden jetzt nicht mehr auf sinkende Zinsen warten, sondern „ihre Projekte durchziehen“. Nach der Preisexplosion bei Baumaterialien und Energie und damit auch deutlich höheren Baupreisen würden diese jetzt „eher moderat steigen, etwa zwischen zwei und drei Prozent im Jahr“.

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