Festhalle Altdorf Kammerkonzert mit Flötensonaten von Johann Sebastian Bach
Eine äußerst gelungene Lehrstunde über die Musik des Barock
Eine äußerst gelungene Lehrstunde über die Musik des Barock
Altdorf - Ulrike Engelke ist die künstlerische Leiterin der Akademie für Alte Musik in Baden-Württemberg mit Sitz in Altdorf. Die Quer- und Blockflötistin ist Verfasserin mehrer Lehrwerke über barocke Aufführungspraxis. Am vergangenen Sonntag hatte Engelke gemeinsam mit der Cembalistin Hildegund Treiber und Michal Stahel, einem Barockcellisten aus Bratislava, zu einem Matineekonzert in die Festhalle geladen.
Bei genauer Betrachtung der im Programm aufgeführten Flötensonaten von Johann Sebastian Bach, finden sich in drei Sonaten notwendige Änderungen der Tonhöhe (Kleinterztranspositionen). Schon die Überlieferungsgeschichte der Bachschen Flötensonaten mit obligatem Cembalo und solchen mit Basso Continuo ist kompliziert. Wegen unzureichender Quellenlage gibt es bis heute wissenschaftlichen Streit über echte oder unechte Flötensonaten Bachs.
Zur Bachzeit steht der Parameter „Klangfarbe“ noch im Hintergrund. Bei der Wiederaufführung seiner Werke verfährt Bach pragmatisch, er besetzt obligate Melodiestimmen mit anderen verfügbaren Instrumentalisten. Bach hat in seiner Zeit als Köthener Hofkapellmeister (1717 bis 1723) erstmals die Querflöte in vier Werken besetzt, davor immer nur die Blockflöte eingesetzt.
Mit diesem Hintergrundwissen arbeitet Ulrike Engelke. Sie verwendet in der Zeit der Corona-Beschränkungen viel Zeit für die ihr auf der Querflöte wohlvertrauten und oftmals aufgeführten Sonaten, denn sie studiert diese neu mit der Altblockflöte ein. Die transponierten Fassungen der Sonaten E-Dur BWV 1035, e-Moll BWV 1034, A-Dur BWV 1032 und C-Dur BWV 1033 (untransponiert) führt sie mit Cembalo und Barockcello auf – natürlich in tiefer Stimmung.
So kommen ganz neue und abwechslungsreiche Klangfarben auf – insbesondere mit dem erfahrenen Barockcellisten Michal Stahel, der kurzfristig für den erkrankten Tschechen Michael Raitmajer einspringen musste. Die oft vernachlässigte Verstärkung der Bassstimme des Cembalos wird deutlich und prägnant artikuliert, mal gestrichen, mal gezupft, mal solistisch ohne Cembalo.
Das zunächst ungewöhnliche Experiment auf historischem Hintergrund ist dem Ensemble hervorragend gelungen. Manche Tempi in schnellen Sätzen kommen an die Grenze des Durchhörbaren, gelingen jedoch mit Präzision, Virtuosität und Spielfreude des Trios, insbesondere der jung gebliebenen, mittlerweile achtzigjährigen Solistin.