Festival für guten Zweck Yoga für eine bessere Welt

Von Martin Haar 

Einen Tag lang Yoga üben, sich massieren lassen oder etwa mit Klängen beschallen lassen. Und all das für einen guten Zweck. Vier Stuttgarter wollen so die alte Idee von Karma-Yoga durch ein eintägiges Festival neu beleben.

Initiatorin des Yoga-Festivals: Susanne Foto: Kati Rügheimer
Initiatorin des Yoga-Festivals: Susanne Foto: Kati Rügheimer

Stuttgart - Yoga ist trendy, Yoga ist sexy. Heute gehört es fast zum guten Ton, auf der Matte zu üben. Wer sich auf seinen Facebook- oder Instagram-Seiten in abenteuerlichen Posen zeigt, gewinnt Aufmerksamkeit und Likes. Auf diesen Zug springen derzeit viele auf. Yoga ist so auch zu einem Markt der Eitelkeiten und Begehrlichkeiten geworden. Und natürlich wird damit Geld verdient. Es gibt in Stuttgart im Frühjahr eine Yoga-Messe und im Winter ein großes Festival in der Benz-Arena. Unter dem Blickwinkel von Nachfrage und Angebot betrachtet, ist das nicht verwerflich. Marktwirtschaft eben.

Und doch fremdeln drei Stuttgarter Yogis und eine Yogini mit dieser Entwicklung: Susanne Esposito, Tobias Edelmann, Marvin Willikens und Ken Kinoya stellen sich unisono „gegen diese totale Kommerzialisierung des Yogas“. Die vier sind dem ursprünglichen Gedanken dieses Jahrtausende alten indischen Übungssystems auf der Spur – Sie bringen Yoga gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück. Denn Yoga heißt knapp übersetzt Einheit, Harmonie, Verbindung. „Es geht darum, diese Verbindung herzustellen“, erklärt Ken Kinoya. Damit meint er auch eine Harmonisierung des Lebens, die Erweckung schlafender Fähigkeiten und die Vereinigung mit dem wahren Selbst. All dies stehe in großem Widerspruch zum westlich-degenerierten Fitness-Yoga.

„Wir wollen einen Kontrapunkt zu dieser Vermarktung von Yoga setzen“, sagt Susanne Esposito und erklärt im nächsten Atemzug: „Wir wollen ein Event schaffen, bei dem es nicht um Geld geht, sondern allen Menschen Yoga geben. Auch denen, die es noch nicht kennen.“

Aus einem Traum wird eine konkrete Idee

So ist das eintägige Festival „Wild Soul Yoga Jam“ entstanden, das am Sonntag, 15. September, von 9 bis 20 Uhr, in der Garage 229 (Haußmannstraße 229) stattfindet. Genau genommen, ist es keine Premiere. Im Grunde köchelte die Idee samt Umsetzung schon zweimal auf kleinerer Flamme. Doch jetzt holen die vier zum großen Wurf aus. „Aus einem Traum wurde eine Idee. Die Idee, möglichst vielen Menschen etwas von der Fülle positiver Dinge und Erlebnisse zurückzugeben, die Yoga uns geschenkt hat“, sagt Yoga-Lehrerin Susanne Esposito über das Angebot ihres Non-Profit-Projektes, das Yoga, elektronische Musik, Kreative, Körperarbeitende und Anbieter nachhaltiger und fair gehandelter Produkte in einem Punkt zu verbinden: „In Stuttgart etwas in Richtung Freude, Gesundheit und Herzenswärme zu bewegen.“

Der Blick ins Programm, das in der stimmungsvollen Halle der Garage 229 und mehreren Nebenräumen sowie einen Chill-Out-Bereich mit Hängematten zeitgleich im Stundenrhythmus über die Bühne geht, kann sich durchaus sehen lassen: Vertreten sind neben Mario Esposito, der als einer der besten Yoga-Lehrer in Stuttgart gilt, auch der internationale Star Andrea Sauter. obwohl sich die vier Initiatoren des Yoga Jam als Traditionalisten verstehen, wagen sie nun ein Experiment: Manche Yogastunden werden mit Elektro-Arrangements des Stuttgarter DJ-Kollektivs „Wild On Top“ untermalt. Zum DJ-Kollektiv gehört auch Tobias Edelmann, der im Hauptberuf Ingenieur ist. „Das Schöne an der elektronischen Musik ist das Abstrakt-Intuitive. Damit lassen sich tiefe und subtile Erfahrungen schaffen. Genau diesen Blick will ja auch Yoga den Menschen bieten. Von daher finde ich das eine stimmige Verbindung“, sagt Edelmann, der immer auf der Suche sei, wie man Menschen mit neuen Event-Konzepten erreichen könne.

Yoga für eine bessere Welt

„Das Schöne ist doch“, sagt Susanne Esposito: „Sie alle kommen und unterrichten unterschiedliche Yoga-Stile ohne Bezahlung. Ken Kinoya erklärt den Hintergrund. Im Fachjargon nennt sich diese Einstellung Karma-Yoga. „Das ist die Idee dahinter“, sagt er. Es sei der Gedanke, dass ein selbstloses Dienen den Menschen reinige. „Wohltätigkeit ist die Bereitschaft, gut von anderen zu denken und ihnen Gutes zu tun“, erklärt Kinoya.

Selbst der Pionier der Mantra-Yoga-Szene im deutschsprachigen Raum, Sundaram, nimmt für sein Konzert zum Zuhören und Mitsingen am Abend (20 Uhr) keine Gage. Auch sein Brückenschlag zwischen europäischer und indischer Musik soll am Ende der guten Sache dienen, der sich alle unterworfen haben. Auch die Inhaber der Garage 229 verlangen keine Miete.

„Unsere Unterstützung durch die Spenden der Besucher kommt den Einrichtungen proBiene – Freies Institut für ökologische Bienenhaltung und der Christiane Eichenhofer-Stiftung – Tour Ginkgo zugute“, erklärt Susanne Esposito. Die ihrem Tun bei der „Wild Soul Yoga Jam“ und ihrer Geistes-Haltung einen passenden Slogan gibt: „Yoga ist für alle. Sei ein Held und mach Yoga für eine bessere Welt.“

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