Festival in Esslingen Das Jazzfest geht ins Kino

Von Thomas Morawitzky 

Das diesjährige Jazzfestival in Esslingen steht vor der Tür – mit Künstlern von Weltrang wie Carla Bley und Ralph Towner, Filmmusik und einem vorweggenommenen Jubiläum: Das Label ECM feiert im kommenden Jahr fünfzigjähriges Bestehen.

Die Jazzpianistin Carla Bley tritt in der Sparda-Welt in Stuttgart auf. Foto: Promo
Die Jazzpianistin Carla Bley tritt in der Sparda-Welt in Stuttgart auf. Foto: Promo

Esslingen - Langsam erst hat sich das Programm des Esslinger Jazzfestivals 2018 herauskristallisiert. Zu Beginn des Jahres hoffte der Kurator Maximilian Merkle noch, den Pianisten Vijay Iyer zur Eröffnung des Festivals an die Württembergische Landesbühne Esslingen zu holen – Iyer sagte ab, der deutsche Gitarrist Wolfgang Muthspiel, in Begleitung des Pianisten Brad Mehldau, wurde nächster Wunschgast, war jedoch ebenfalls nicht verfügbar. Dennoch kann Esslingen von der kommenden Woche an mit einer Reihe bemerkenswerter Konzerte aufwarten, kommen Künstler von Weltrang in die Stadt am Neckar, oft, aber nicht immer verbunden mit dem Label ECM, der Edition of Contemporary Music.

Manfred Eicher, Manfred Scheffner und Karl Egger gründeten ECM 1969 in München. Nicht nur Keith Jarrett machte das Label groß – längst ist ECM heute ein Unternehmen, das viele namhafte Künstler betreut, ein klares Profil besitzt sowie für sorgfältig produzierte Aufnahmen und ästhetische Gestaltung steht. „The most ­beautiful sound next to silence“ lautet der Slogan des Labels – und der ECM-Chef Manfred Eicher plant am 20. Oktober nach Esslingen zu kommen, um im Kommunalen Kino unter dem Motto „Sounds and Silence“ eine Listening-Session zu gestalten.

Egberto Gismonti eröffnet den Konzertreigen

ECM hat sich einen Namen auch mit der Veröffentlichung von Soundtracks gemacht. Filmmusik wird im Programm des Esslinger Jazzfestivals deshalb eine Rolle spielen. Der brasilianische Multiinstrumentalist Egberto Gismont eröffnet das Festival nun gemeinsam mit dem Tarkovsky Quartet in der Esslinger Stadtkirche St. Dionys. Francois Couturier am Piano, die Cellistin Anja Lechner, der Sopransaxofonist Jean-Marc Larché und der Knopfakkordeonspieler Jean-Louis Matinier lassen sich von den Filmen Andrei Tarkowskis inspirieren, legten bereits mehrere Alben vor, auf denen sie seinen langen Bildsequenzen folgen.

Der Plan, parallel zum Jazzfestival die Stuttgarter Kinos Atelier am Bollwerk und Delphi mit Filmen Tarkowskis zu bespielen, zerschlug sich allerdings. „Es ist heute fast unmöglich“, sagt Maximilian Merkle, „von diesen Filmen Kopien zu erhalten.“ Auch Andrei Tarkowski der Jüngere, Sohn des Regisseurs, wird aus diesem Grund nicht, wie ursprünglich vorgesehen, nach Stuttgart reisen, um die Filmaufführungen zu kommentieren.

Dem Film huldigt das Jazzfest dennoch. Am 20. Oktober gibt die griechische Komponistin Eleni Karanindrou ein Konzert in Esslingen, auch sie in St. Dionys. Karanindrou wurde bekannt vor allem durch die Soundtracks zu den Filmen des 2012 verstorbenen Regisseurs Theo Angelopoulos; Bruno Ganz spielte die Hauptrolle im preisgekrönten „Die Ewigkeit und ein Tag“ von 1998.

Ralph Towner und Carla Bley in der Sparda-Welt

In die Stuttgarter Sparda-Welt kommt das Esslinger Jazzfestival 2018 mit zwei besonderen Protagnisten: Mit Ralph Towner ist dort ein großer US-amerikanischer Jazzgitarrist zu Gast; er tritt auf mit dem Pablo-Held-Trio. Tags darauf spielt die Pianistin Carla Bley in der Sparda-Welt, begleitet von Steve Swallow am Bass und Andy Sheppard am Saxofon. Der Ort der Konzerte ist mit Bedacht gewählt: Beide Künstler, Towner und Bley, wurden vor Jahren in der Sparda-Welt mit der German Jazz Trophy ausgezeichnet.

Ein besonderes Highlight schließlich führt das Jazzfestival doch in die Württembergische Landesbühne: „Aziza“ heißt das Quartett, zu dem sich Dave Holland, Chris Potter, Lionel Loueke und Eric Harland zusammengeschlossen haben – Bass, Saxofon, Gitarre, Schlagzeug, vier Könner, vier Bandleader, die vor zwei Jahren ein beachtetes Album veröffentlichten. Wenige Tage nach ihrem Esslinger Auftritt werden sie in der Elbphilharmonie in Hamburg auf der Bühne stehen.

Kooperationen mit dem Jazzkeller Esslingen und dem Kulturzentrum Dieselstraße runden das Programm ab: Martin Winds „Light Blue Quartet“ ist das einzige Konzert des Festivals ohne einen Bezug zu ECM; mit Django Bates ist ein weiterer profilierter Künstler aus dem Labelkatalog zu Gast.

Rund sechs Wochen später als gewohnt geht das Esslinger Jazzfestival in seinem vierten Jahr an den Start, Mitte Oktober erst. Schon 2019 soll es wieder mit einem Open-Air-Konzert beginnen – für Macher Maximilian Merkle steht das bereits fest.

Das Konzertprogramm

17. Oktober: Egberto Gismonti; Tarkovsky Quartet, Stadtkirche Esslingen St. Dionys; 18. Oktober: Ralph Towner & Pablo-Held-Trio, Sparda-Welt Stuttgart; 19. Oktober: Carla Bley Trio, Sparda-Welt, Stuttgart; 20. Oktober: Eleni Karaindrou, Stadtkirche Esslingen St. Dionys; 21. Oktober: Aziza (Holland/Potter/Loueke/Harland), WLB; 26. Oktober: Sonderkonzert: Martin Wind „Light Blue Quartet“, Jazzkeller Esslingen; 28. Oktober: Django Bates’ Belovèd, Dieselstraße Esslingen.

Am 20. Oktober läuft im Kommunalen Kino „Sounds and Silence – Travels with Manfred Eicher“, im Anschluss gibt es ein Podiumsgespräch.