Festivalsommer in Stuttgart Bob Dylan duldet keine Handyfotos

Von Uwe Bogen 

Der Stuttgarter Festivalsommer läuft nun zur Höchstform auf. Wie immer wollen Fans Konzerterlebnisse mit dem Smartphone festhalten. Bob Dylan duldet dies nicht. Doch wie wird sein Fotografierverbot bei den Jazz Open kontrolliert?

Bob Dylan bei einem Auftritt im Jahr 2012 – jetzt lässt er sich nicht mehr fotografieren Foto: dpa 9 Bilder
Bob Dylan bei einem Auftritt im Jahr 2012 – jetzt lässt er sich nicht mehr fotografieren Foto: dpa

Stuttgart - Wie klingt Stuttgarts Sommer 2019? In den nächsten beiden Wochen bringt eine einzigartige Soundfülle die Stadt in Stimmung und in Schwingung. Das Live-Erlebnis, so wird sich bei oft ausverkauften Konzerten zeigen, ist durch keine digitale Spielerei zu ersetzen. Die Sehnsucht nach analoger Nähe zu Künstlern ist groß.

Balladenweich, rockig-wild und klassisch-fulminant: So geht’s in Stuttgart nun fast täglich Schlag auf Schlag. Vom jungen Mercedes-Konzertsommer im Neckarpark (Start an diesem Donnerstag mit Andreas Bourani), über die generationenübergreifenden Jazz Open im Talkessel (Höhepunkte sind die Schlossplatz-Konzerte vom 10. bis 14. Juli mit Weltstars) bis zum neuen Format „Klassik im Park“ auf den Höhen des Killesbergs (am Sonntag, 7. Juli, mit Geigenstar Iskandar Widjaja und dem Stuttgarter Kammerorchester) ist die Auswahl so groß, dass es Musikfans in Massen aus die Häuser treibt. Hinzu kommt die US-Sängerin Pink, die am nächsten Mittwoch vor etwa 42 000 Besuchern in der fast ausverkauften Mercedes-Benz-Arena gastiert, zeitgleich mit Musiklegende Bob Dylan vorm Neuen Schloss.

In Wien unterbrach Bob Dylan verärgert sein Konzert

Und wie immer, wenn was los ist, wenn Menschen verzückt sind, wollen viele diese großen Momente festhalten, zücken das Handy und posten wenig später ihre tollen Open-Air-Erlebnisse in den sozialen Medien. Einer will, dass sein Publikum dies unterlässt und sich allein aufs Zuhören konzentriert. Der 78-jährige Literaturnobelpreisträger Bob Dylan hat für seinen Auftritt in Stuttgart ein absolutes Fotografierverbot verhängt, wie dies bei ihm seit Jahren üblich ist. Mit Schildern auf dem Festivalgelände werden die Veranstalter darauf hinweisen, dass jegliche Foto- sowie Filmaufnahmen, auch mit dem Smartphone, auf Wunsch des Künstlers nicht erlaubt sind.

Doch wie können die Macher der Jazz Open dafür sorgen, dass unter Tausenden von Zuschauern nicht doch einer sein Handy auf die Bühne richtet? „Bei uns wird während des Konzerts verstärkt auf das allgemeine Fotoverbot geachtet“, kündigt Saskia Kuppel, die Pressesprecherin der Veranstalter, gegenüber unserer Zeitung an. Die Kontrollen an den Eingängen dürften beim US-Sänger besonders streng sein, Ordner werden wohl „Streife laufen“ auf dem Ehrenhof des Neuen Schlosses sowie den Tribünen. Bei Dylan ist nicht zu spaßen. Bei einem Auftritt in Wien hatte dieser sein Konzert unterbrochen, weil ihn eine Smartphonekamera störte. „Wir können spielen, oder wir können posieren“, hatte er von der Bühne gerufen.

Konzertbüro Russ veranstaltet erstmals „Klassik im Park“

Im Zeitalter der Selfie-Fotografie verändert sich nur das, was wir sehen, sondern auch das Erleben von Ereignissen. Wenn wir ein Konzert direkt genießen könnten, schalten wir das Smartphone zwischen der dargebotenen Emotion und unserer Wahrnehmung. Weil wir meinen, alles visuell speichern zu müssen, bleiben wir auf Distanz. So argumentieren die einen, die Künstler wie Bob Dylan verstehen, die das Fotografieren nicht dulden. Andere finden, dass ein Sänger so viel Geld mit seinen Auftritten verdient, dass er es tolerieren sollte, wenn seine Fans ihren teuer bezahlten Konzertbesuch für sich dokumentieren wollen.

Neu im Stuttgarter Festivalsommer ist ein Format, das Veranstalterin Michaela Russ als feste Einrichtung etablieren will. Das Vorbild dafür ist die Waldbühne in Berlin, wo Klassik unter freiem Himmel mit großem Erfolg genossen wird. „Bei uns ist’s natürlich ein paar Nummern kleiner“, sagt sie. Los geht’s mit „Klassik im Park“ am kommenden Sonntag, 19 Uhr, auf dem Killesberg. 41 Musikerinnen und Musiker, der Dirigent Matthias Foremny sowie der junge Geigenstar Iskandar Widjaja werden auf der Freilichtbühne stehen und Werke unter anderem von Rossini, Dvorak und Strauß spielen.

„Eine Sommerserenade mit mitreißender Musik und traumhafter Stimmung“, verspricht Michaela Russ. Das Programm zwischen virtuos und romantisch soll auch „Nichtklassikfans“ erfreuen. Für diesen Abend gibt es noch ausreichend Karten. „Es muss sich noch herumsprechen, wie schön Klassik im Park ist“, sagt sie.

Bei Cro am Freitag beim Mercedes-Museum sind Karten knapp

Noch nicht ausverkauft sind die vier Nächte des Konzertsommers beim Mercedes-Museum von diesem Donnerstag bis Sonntag. Für Cro am Freitag gab es am Mittwoch nur noch 200 Karten. 6000 Fans finden Platz vor der Freiluftbühne im Neckarpark.

Ebenfalls an diesem Donnerstag beginnen die Jazz Open mit der Verleihung der German Jazz Trophy an die US-amerikanische Künstlerin Dee Dee Bridgewater in der Spardawelt. Das Alte Schloss, die zweite Bühne des Festivals, wird am Freitag mit Mnozil Brass eröffnet und am Montag nach Chick Corea geschlossen. Von Mittwoch an zeigen sich außer Bob Dylan die Stars Sting (11. Juli), Jamie Cullum (12. Juli), Christina Aguilera (13. Juli) und Parov Stelar (14. Juli) auf der traumhaften Hauptbühne vorm Neuen Schloss. Bei diesem renommierten Festival werden etwa 45 000 zahlende Besucher auf fünf Bühnen bei über 50 Konzerten erwartet. Die „Open Stages“ ergänzen als eintrittsfreie Bühnen das Programm.

Kein Eintritt wird auch beim Sommerfestival der Kulturen verlangt, das vom 16. bis 21. Juli auf dem Marktplatz stattfindet.

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