Feuer in Leipzig Polizei schließt politischen Hintergrund nicht aus

Von red/dpa 

Am frühen Donnerstagmorgen steigt auf einer Baustelle in Leipzig dicker Qualm auf, drei Autokräne stehen in Brand. Es knallt mehrmals. Das Feuer hinterlässt einen Millionen-Schaden und ein Fragezeichen: Gibt es ein politisches Motiv? Der Leipziger OB ist sich sicher.

In der Nacht zum Donnerstag waren auf der Baustelle des früheren Technischen Rathauses von Leipzig drei Autokräne in Brand geraten. Foto: dpa/Sebastian Willnow
In der Nacht zum Donnerstag waren auf der Baustelle des früheren Technischen Rathauses von Leipzig drei Autokräne in Brand geraten. Foto: dpa/Sebastian Willnow

Leipzig - Nach dem verheerenden Feuer auf einer Leipziger Baustelle vermutet die Polizei Brandstiftung und schließt zugleich einen politischen Hintergrund nicht aus. Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung sah am Donnerstag keine andere Erklärung: „Wir sind konfrontiert mit einer massiven Gewalttat, bei der die Täter kaltblütig ohne Rücksicht auf das Leben der Nachbarn gehandelt haben (...) Dies ist ein Terroranschlag, auf den der Staat mit ganzer Konsequenz antworten muss.“

Terrorismus-Abwehrzentrum übernahm Ermittlungen

Der Leipziger Polizeipräsident Torsten Schultze sagte: „Wir gehen von einer vorsätzlichen Tat aus. Wer solches tut, aufgrund welcher Motivation auch immer, und dabei zusätzlich billigend in Kauf nimmt, dass auch Dritte Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt sind, hat jeglichen Wertekompass verloren und agiert verbrecherisch.“Das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum des LKA übernahm die Ermittlungen. Der Bauträger sei schon mehrmals ein Opfer von Brandanschlägen geworden, hieß es.

Dirk Münster, Chef der Abteilung Staatsschutz im Landeskriminalamt Sachsen (LKA), brachte den Brand, der in der Nacht zum Donnerstag einen Millionen-Schaden anrichtete, mit Tag der Deutschen Einheit zusammen. „Ich habe mir bereits ein Bild des Tatortes gemacht. Ein politische motivierter Hintergrund der Tat kann hier nicht ausgeschlossen werden (...)“, wurde Münster im Lagebericht des LKA zitiert.

In der Nacht zum Donnerstag waren auf der Baustelle des früheren Technischen Rathauses von Leipzig drei Autokräne in Brand geraten. Laut LKA brannten trotz sofortigen Einsatzes der Feuerwehr zwei Kräne vollständig aus, der dritte wurde schwer beschädigt. Auch an einem etwa 50 Meter entfernt stehenden Bagger habe man Brandspuren gefunden. Während des Feuers kam es zu mehreren Explosionen und Verpuffungen.

Mehrere Millionen Euro Schaden

Wegen der starken Rauchentwicklung mussten angrenzende Wohnblocks vorübergehend evakuiert werden. „Des Weiteren bestand die Gefahr, dass die Autokräne umstürzen. Eine angrenzende Gartenanlage wurde bis auf weiteres gesperrt“, teilte das LKA in seinem Lagebericht mit.

Nach ersten Schätzungen der Polizei beläuft sich der Schaden auf mehrere Millionen Euro. Das LKA sucht nun nach Zeugen, die sich in der Nacht zum Donnerstag im Umfeld der Prager Straße und nahe der Baustelle aufhielten. Unabhängig von der Vermutung einer politisch motivierten Straftat werde in alle denkbaren Richtungen ermittelt, betonte Abteilungsleiter Münster: „Da die brennenden Kräne jederzeit hätten umstürzen können, wurde durch die Täter nicht nur erheblicher Sachschaden, sondern offensichtlich auch eine Gefährdung der Menschen auf anliegenden Grundstücken oder Benutzern der Straße in Kauf genommen.“

Zunächst waren die Behörden davon ausgegangen, dass bei dem Feuer gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt wurden. Schadstoffmessungen in der Luft am frühen Morgen hätten aber dann Entwarnung gegeben: keine bedenklichen Werte, teilte Leipziger Polizei mit. Die von der Evakuierung betroffenen Menschen konnten gegen 3.00 Uhr in ihre Häuser zurück.