Feuerwache Stadtmitte Esslinger Feuerwehr bekommt neue Drehleiter für enge Altstadt-Straßen

Die Feuerwehr Esslingen bekommt eine neue Kompakt-Drehleiter. Foto: Roberto Bulgrin

Die Esslinger Feuerwehr hat ab sofort ein neues Fahrzeug: eine Kompakt-Drehleiter. Sie soll in engen Straßen eingesetzt werden. Welche Rolle das für den Wohnraum spielen könnte.

Volontäre: Lena Fux (fux)

Die Feuerwehr in Esslingen zählt neben ihren Löschfahrzeugen, Kommandowägen und einem Rettungsboot nun eine neue Kompakt-Drehleiter zu ihrer Ausstattung. Das Fahrzeug wird in der Feuerwache Stadtmitte stationiert.

 

Grund für die Neuanschaffung ist laut Feuerwehr Esslingen die engen Straßen in der Stadt, in denen eine sogenannte Nachverdichtung im Bestand erfolgt ist oder noch erfolgen soll. Gemeint sind damit bereits bestehende Gebäude, die mit neuen Geschossen aufgestockt werden, oder an denen angebaut wird. Das erklärt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in einer Studie.

„Durch das neue Geschoss oder den Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnraum haben Menschen in Deutschland das Recht auf einen zweiten Rettungsweg“, erklärt Feuerwehrkommandant Oliver Knörzer. Laut Landesbauordnung Baden-Württemberg bedeutet das, dass dieser zweite Weg entweder über eine weitere Treppe führen muss oder über eine Stelle, die die Feuerwehr mit ihren Rettungsgeräten erreichen kann. In der Regel würde dieser bei Wohngebäuden durch Leitern der Feuerwehr gestellt.

„Solang die Gebäude noch niedriger waren, haben die tragbaren Leitern der Feuerwehr gereicht“, so der Kommandant. Durch das Aufstocken der Gebäude, sei das nun anders. „Wenn dann weitere Stockwerke darauf gesetzt werden, kann es sein, dass eine Drehleiter benötigt wird.“ Die Leitern der Feuerwehr kommen bis elf Meter hoch – die neue Kompakt-Drehleiter schafft 23 Meter. Sie hat 940.000 Euro gekostet, das Land steuerte 265.000 Euro bei.

Kompakt-Drehleiter der Feuerwehr ist von Vorteil für die Esslinger Altstadt

Mit bis zu 100 Kilometern die Stunde kann die Kompakt-Drehleiter zu Einsatzstellen fahren. Besonders in den engen Straßen der Esslinger Altstadt sei sie von Vorteil, erklärt Knörzer. Der hintere Überhang von regulären Drehleitern sorge dort aufgrund der schmalen Gassen oft für Probleme.

Oberbürgermeister Matthias Klopfer übergab die Drehleiter an Feuerwehrkommandant Oliver Knörzer und Abteilungsleiter Jürgen Schernhammer. Foto: Stadt Esslingen

Wenn die Feuerwehr mit einer Drehleiter anrückt, wird sie vor Ort aufgestellt und gedreht. Gebe es dort wenig Platz, könne eine reguläre Drehleiter nicht ausschwenken und der Überhang von 1,2 bis 1,5 Metern Länge nicht vollumfänglich gedreht werden. „Eine Kompakt-Drehleiter hat einen wesentlich geringeren Überhang“, so Knörzer – und ist auf maximal 40 Zentimeter reduziert. Dadurch benötigt die Feuerwehr weniger Platz, um das Fahrzeug aufzustellen. Drehleitern, die die Feuerwehr bereits nutzen, brauchen eine Aufstellfläche von fünf Metern Breite, die neue Kompakt-Drehleiter einen Meter weniger. „Trotzdem ist sie voll belastbar.“

Vorhandene Drehleitern der Esslinger Feuerwehr trotzdem unverzichtbar

Vor dem Kauf der Kompakt-Drehleiter habe die Feuerwehr die bereits vorhandenen Drehleitern auch in engen Straßen eingesetzt. Dafür sei aber viel Wissen erforderlich gewesen. „Es gibt nur eine Chance frontal aufs Gebäude zuzufahren und dann 20 bis 30 Grad links und rechts neben dem Fahrerhaus zu schwenken.“

Trotzdem seien die bisherigen Drehleitern unverzichtbar. In Straßen mit Oberleitungen und Abspannungen der Straßenbeleuchtung kämen sie zum Einsatz und ermöglichten dort das Aufstellen des Rettungskorbs, heißt es in einer Pressemitteilung der Feuerwehr. Die Eigenschaften von Kompakt-Drehleitern ließen sich aus physikalischen Gründen nicht mit denen von herkömmlichen, niedrig gebauten Drehleitern kombinieren.

Nachverdichtung in Esslingen nur mit sicherer Rettung

Bei Bauprojekten wie Dachgeschossausbauten oder Aufstockungen mussten bislang häufig große Aufstellflächen für Drehleitern eingeplant werden. Dafür wurden Parkplätze eingeschränkt, oder Gelände bei Wohnhäusern aufgeschüttet, um tragbare Leitern aufstellen zu können. Die Kompakt-Drehleiter kommt mit weniger Platz aus und kann auch dort eingesetzt werden, wo die bisherigen Anforderungen schwer umzusetzen waren. Dadurch können die Parkplätze wieder freigegeben und die Aufschüttungen zurückgenommen werden.

„Wir brauchen in Esslingen dringend Wohnraum. Wir haben keine zusätzlichen Flächen, deshalb müssen bestehende Gebäude effizient genutzt werden“, sagt Knörzer. Eine Nachverdichtung könne baurechtlich erst ermöglicht werden, wenn eine Rettung – wie jetzt durch die neue Drehleiter – in höheren Stockwerken sichergestellt sei. Rund zehn dieser Projekte wurden in Esslingen in der Innenstadt, Pliensauvorstadt, Berkheim und Wäldenbronn bereits umgesetzt. Nach Auskunft der Feuerwehr liegen momentan zehn bis fünfzehn weitere solche Anträge vor.

Weitere Themen