Feuerwehr-Challenge in Böblingen Mit dem letzten bisschen Kraft ins Ziel

Zwölf Meter ist der Stahlturm hoch, den die Teilnehmer in voller Montur bezwingen müssen. Foto: /Stefanie Schlecht

Bei der Feuerwehr-Challenge in der Panzerkaserne in Böblingen quälen sich Feuerwehrteams aus ganz Deutschland mit ihrer fast 40 Kilogramm schweren Ausrüstung durch einen Parcours, der es in sich hat.

„Fight, fight, fight!“, brüllen die Zuschauer. Zwei Feuerwehrmänner sprinten einen zwölf Meter hohen Stahlturm hinauf. Ihre Schutzkleidung wiegt 15 bis 20 Kilogramm. Mit dem Schlauchpaket auf dem Rücken kommen noch einmal 20 Kilogramm dazu. Trotz dieses enormen Gewichts sind beide Feuerwehrleute binnen weniger Sekunden oben angekommen und übergeben den Staffelstab an ihre Teamkollegen. Diese ziehen nun an einem Seil ein Gewicht nach oben, das ebenfalls rund 20 Kilogramm wiegt. Danach geht es wieder ab nach unten. Keine Stufe darf übersprungen werden, jeder Fehler gibt Punktabzug.

 

Wieder am Boden angekommen ist die Tortur noch lange nicht zu Ende. Die Teammitglieder schlagen mit einem Plastikhammer ein 75 Kilogramm schweres Gewicht über eine anderthalb Meter lange Strecke. Dann geht es im Slalomparcours zu einem Schlauch, mit dem Wasser auf ein Ziel gespritzt wird. Und schließlich, mit letzter Kraft, zu einer Hartplastikpuppe, die die Gruppenmitglieder 30 Meter bis ins endgültige Ziel schleppen müssen. Und die – wie sollte es auch anders sein – um die 80 Kilogramm wiegt.

Ursprünglich war die Challenge nur für Mitglieder der Militärfeuerwehr gedacht gewesen. /Stefanie Schlecht

Ein Wettkampf für die Freundschaft

Wer bei der sogenannten „Firefighter Combat Challenge“ in der Böblinger Panzerkaserne mitmachen will, braucht Muskeln, Ausdauer und jede Menge Teamspirit. „Das Ganze war ursprünglich ein Fitnesstest für die Feuerwehrmänner in den USA“, erklärt Chief Michael Ambacher. Die Tests sollten die fünf häufigsten Aufgaben für Feuerwehrleute bei einem Brandeinsatz zusammenfassen. 1991 wurde daraus der erste Wettkampf der Firefighter Combat Challenge, die seit 2007 regelmäßig in Deutschland stattfindet. In der Panzerkaserne Böblingen wird der Wettkampf nun schon zum zweiten Mal ausgetragen.

Ursprünglich war die Challenge nur für Mitglieder der Militärfeuerwehr gedacht gewesen. „Später haben wir das Event dann für Feuerwehren aus der Umgebung geöffnet“, sagt Ambacher. Bei der Firefighter Combat Challenge geht es nämlich nicht nur darum, Ausdauer und Kraft unter Beweis zu stellen. Es sollen auch Freundschaften zwischen den US-amerikanischen Fire Fighters und den deutschen Feuerwehren geknüpft werden. „Das Event bringt uns als Community näher zusammen“, erklärt die Public Affairs Officer Direktorin Dayna Rowden. „Im Ernstfall kennt man sich dann schon und kann stärker und sicherer zusammenarbeiten.“

Frauen werden nicht geschont

Insgesamt gibt es bei der Feuerwehr-Challenge drei Wettkämpfe: Einzel, Tandem und Staffel. Jeder Wettkampf wird noch mal in einzelne Wertungen untergliedert. Frauen werden anders bewertet als Männer. Das heißt aber nicht, dass sie geschont werden – bei der Firefighter Combat Challenge gilt gleiches Recht für alle. „Bei einem echten Einsatz würde man ja auch keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern machen“, sagt Chief Ambacher.

Anstrengend ist das Ganze jedenfalls für alle Beteiligten. Keuchend und außer Atem nimmt die Mannschaft Bremm 1 ihre Schutzausrüstung ab. Sie sind die Sieger des Staffel-Finales, haben alle Stationen in nur 1:21 Minuten absolviert. Auf Platz zwei landet das Team Bremm 2, dessen Mitglieder von derselben Freiwilligen Feuerwehr aus der Gemeinde in Rheinland-Pfalz stammen.

Mit dem Schlauch wird Wasser auf ein Ziel gespritzt. /Stefanie Schlecht

Gemeinsam statt gegeneinander

Dass die Bremmer Feuerwehr so gut abgeschnitten hat, kommt nicht von ungefähr. „Wir trainieren mindestens zweimal die Woche allein und ein bis zweimal die Woche im Team“, erklärt Teammitglied David Probst. Und wie trainiert man auf solch einen Wettbewerb hin? „So eine Puppe haben wir selbst“, meint sein Kollege Rüdiger Zeuner-Christ. „Ansonsten ist es viel Ausdauer“, ergänzt Matthias Ascheberg. Auf Platz drei ist ein Team aus Leonberg und Grafenau gelandet. Darin sind auch zwei Frauen vertreten: Zora Werbke und Anna Köllner. Eine Feuerwehr-Challenge ist für dieses Team nichts Neues. „Wir haben dieses Jahr schon an neun Wettbewerben teilgenommen“, verrät Werbke. Heftig sei es aber trotzdem gewesen. „Für so etwas war es heute fast schon zu warm, weil man so oft laufen musste“, so Köllner.

Bleibt abschließend nur noch eine Frage: Warum macht man das eigentlich? „Das habe ich mich zwischendrin auch gefragt“, lacht Zora Werbke. „Es geht vor allem um den Spaß und die einzigartige Gruppe“, sagt ihr Bruder Ruben. Das bestätigt auch der Siegertrupp aus Bremm. „Wir sind eine richtige „Firefighter Family““, sagt Matthias Ascheberg. „Das ist zwar eine Challenge, aber hier gibt es kein Gegeneinander.“

Ergebnisse

Einzelchallenge männlich
 Der Sieger heißt Martin Erbe (Team Berlin-München).

Einzelchallenge weiblich
 Anja Ludwig von der Feuerwehr Kornwestheim hat diesen Wettbewerb gewonnen.

Sieger Tandem männlich
 David Probst und Christian Follmann siegten.

Sieger Tandem weiblich
 Gewonnen haben Anna Köllner und Zora Werbke.

Sieger Staffel
 Das Team Bremm 1 mit Christian Follmann, David Probst, Rüdiger Zeuner-Christ und Dominik Zirbes kann sich über den Sieg freuen.

Zahlen
 Insgesamt haben 51 Einzelkämpfer, 24 Tandems und 14 Staffelteams an dem Wettbewerb teilgenommen.

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