Feuerwehr-Musikkapelle Dagersheim Ein Fest der facettenreichen Blasmusik
Die Feuerwehr-Musikkapelle Dagersheim zeigt beim Neujahrskonzert in der Böblinger Kongresshalle einmal mehr ihr Können.
Die Feuerwehr-Musikkapelle Dagersheim zeigt beim Neujahrskonzert in der Böblinger Kongresshalle einmal mehr ihr Können.
Ein Neujahrskonzert der Feuerwehr-Musikkapelle Dagersheim ist ein musikalisches Erlebnis. Allemal 2025, zu Beginn eines Jahres, in dem Dagersheim sein 950. Jubiläum feiert. Seit 1927 besteht die Feuerwehr-Musikapelle, seit 1966 spielt sie Konzerte zum Jahresbeginn, seit 1992 ist der Ort dieses Neujahrskonzertes die Kongresshalle Böblingens.
Auch in diesem neuen Jahr präsentiert sich dort eine Kapelle, die sorgsam gewählte Musik mit großer Dynamik, einem fein abgestimmten Zusammenspiel, intensiven Klangfarben und solistischen Leistungen von bemerkenswerter Qualität auf die Bühne bringt. Am Samstagabend treten die 60 Musikerinnen und Musiker der Feuerwehr-Musikkapelle vor ein Publikum, das die Böblinger Kongresshalle fast gänzlich ausfüllt. Zuvor ist die 20-köpfige Dagersheimer Jugendkapelle der Feuerwehr zu hören – auch sie beeindruckt.
Dramatik bringt bereits der Auftakt, bei dem die Jugendkapelle mit Otto M. Schwarz‘ Komposition „Apollo 11 – Mission to the Moon“ zum Trabanten fliegt und die Spannung aufleben lässt, mit der die Menschen von 56 Jahren zum Himmel oder auf den Fernsehschirm blickte – inmitten der feierlich dahinfließenden Melodie beginnt die Jugendkapelle, einen Countdown anzuzählen. „Für Tanja“, ein Stück des fränkischen Komponisten und Flügelhornspielers Klaus Rambacher, bietet den Solisten Leonard und Silas Langer Gelegenheit, mit ihrem Können hervorzutreten, bei diesem Soloduett für Tenorhorn und Bariton, einer Polka. Die schwungvoll von der Jugendkapelle gestaltete Melodie löst sich und der Klang der beiden Instrumente, gespielt von zwei Vettern, tritt mit geschmeidiger Präzision hervor. Für beide ist es der erste Auftritt als Solist.
„A Whole New World“ schließlich, komponiert von Alan Menken, ist eine abwechslungsreich verträumtes Stück aus der Disney-Produktion „Aladdin“ und nimmt mit weit geschwungenen Melodiebögen gefangen. Die Jugendkapelle, unter Leitung von David Torres, tritt beim Neujahrkonzert nicht nur mit neuen Stücken auf, sondern, nach fast 50 Jahren, auch erstmals in neuen, schmucken Uniformen. Das gibt natürlich einen Extraapplaus. Thomas Urbiks, Moderator des Abends, erinnert sich noch an Zeiten, in denen er selbst als Musiker an solch einem Abend auf der Bühne stand – in ganz anderem Kostüm: „Ich gehöre ja noch zu der Generation, die diesen roten Überwurf getragen hat. Darunter war ein Hemd, ein gelbes Hemd, mit so einem langem Kragen, Plüschärmeln und einem Hut like Robin Hood!“ Nun, diese Zeiten sind vorbei. Und die Jugendkapelle verabschiedet sich vom Neujahrspublikum mit einem alten Gassenhauer – „Sway“. Das sangen schon Dean Martin, Frank Sinatra, viele andere. In Böblingen reißt es als Instrumentalstück mit.
Die Spannung steigt, der Applaus ist groß, als die Mitglieder der Feuerwehr-Musikkapelle und ihr Dirigent Thomas Scheiflinger an ihre Plätze treten. Ihr erstes Stück ist überaus klangvoll, knapp und aussagekräftig: die „Festliche Ouvertüre“ des tschechischen Komponisten Bedrich Smetana, eine Fanfare, die zu immer höheren Ebenen aufsteigt. Der Rest der ersten Abendhälfte wird Schostakowitschs „Jazz Suite No.2“ ausfüllen. „Mit Jazz hat dieses Stück überhaupt nichts zu tun“, merkt Thomas Urbiks an – allenfalls reiht es Stile aneinander, die in anderer Art auch in die Jazzmusik Eingang fanden. Viele Hörer haben einzelne Sätze der Suite im Ohr, wurden sie doch immer wieder als Filmmusik und in anderen Zusammenhängen verwendet. Die „Jazz Suite“ ist ein Mosaik der Stile und Stimmungen und lässt die Klangfarben der Feuerwehr-Musikkapelle in vielen Passagen aufleuchten, das tiefe Blech vor allem, die Holzblasinstrumente. Das Saxofon hat hier mehrere herausragende Momente, die Posaunen auch, es gibt forsche Passagen, es gibt Marsch, Walzer, Tanzstücke und lyrische Momente – eine Reise durch die Welt der Blasmusik, die leicht anmutet, aber fraglos große Konzentration erfordert.
Feierlich bleibt die Stimmung auch im zweiten Teil des Abends. „Majesty“ heißt das Stück des Franzosen Thierry Deleruyelle, mit dem er beginnt, nachdem zuvor einige Musiker für ihr langjähriges Engagement in der Musikkapelle geehrt wurden. „Majesty“ erinnert an die britische Königin Elisabeth II und erlebte seine Uraufführung wenige Wochen nach dem Tod der Monarchin. Von dort geht es weiter nach Belgien, ins Reich der Comic-Geschichten des Zeichners Hergé, mit „Tintin – The Prisoners of the Sun“ von Dirk Brossé: Stücke, die auf eindrucksvolle Weise Prunk, Exotik, Fantasie zu einer schwärmerischen Musik werden lassen. Und weiter schließlich geht es in die Karibik, ins Reich der Piraten, mit Hans Zimmers Filmmusik zum dritten Teil der Spielfilm-Reihe „Fluch der Karibik“, voller Abenteuer und Dramatik.
Die Feuerwehr-Musikkapelle Dagersheim verabschiedet sich zunächst, indem sie einen Bogen zurückschlägt, zum Beginn des Abends und ein Stück von Otto M. Schwarz spielt, der auch den Mondflug vertonte, mit dem die Jugendkapelle das Neujahrskonzert eröffnete. Schwarz schrieb „Last Call“ für ein Brass-Ensemble – hier schließen hell die Trompeten auf, tanzt die Percussion mit, spielt die Kapelle tatsächlich mit Jazz-Feeling. Joseph Franz Wagners Marsch „Unter dem Doppeladler“ ist eine traditionelle Zugabe der Dagersheimer Feuerwehr-Musikkapelle, bekannt und beliebt beim Publikum, hebt die Stimmung, lädt zum Mitklatschen ein. Noch einmal kehren die Musiker dann auf die Bühne zurück, um ihr Publikum mit keltischen Klängen nach Hause zu schicken.