Konflikt in Aichtal "Hass und Rechtsextremismus werden bei der Feuerwehr nicht toleriert"

, aktualisiert am 10.03.2025 - 13:21 Uhr
Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz, der neue Feuerwehrchef Corvin Steindl und sein Stellvertreter Markus Bader (von links) demonstrieren den Aufbruch und wollen die Probleme hinter sich lassen. Foto: Ines Rudel

Über Jahre schon zieht sich der Streit der zwischen der Stadt Aichtal (Kreis Esslingen) und der Freiwilligen Feuerwehr. Nun wurde die Führungsspitze in der Feuerwehr ausgetauscht und alles soll besser werden. Aber damit sind nicht alle Problem vom Tisch. Ein Auslöser des Streits bleibt ungelöst.

Mehrere Jahre wütete ein heftiger Streit zwischen der Feuerwehr in Aichtal und der Stadtverwaltung, bis er im Jahr 2023 eskalierte. Mehrfach wurde um eine Lösung vergeblich gerungen – jetzt könnte es so weit sein, dass der Konflikt ein Ende findet.

 

Ermöglicht wird nach Ansicht aller Beteiligten ein Neuanfang durch den Austausch der Führungsspitze in der Feuerwehr. Und auch der Bürgermeister, zugleich Chef der Verwaltung, ist auf dem Absprung: Er möchte für den Landtag kandidieren.

Führungsspitze der Feuerwehr ausgetauscht

Einer der Höhepunkte des Streits im Sommer des vergangenen Jahres: Das Scheitern einer Mediation, mit der versucht wurde, Ruhe in die Auseinandersetzung zu bekommen. Wenige Wochen später wurden der Kommandant und seine Vertreter auf eigenen Wunsch abberufen – der Beschluss dazu erfolgte einstimmig im Gemeinderat. Die Feuerwehr drohte handlungsunfähig zu werden.

Jeder Ortsteil in Aichtal hat noch eine eigene Feuerwehrabteilung inklusive Gebäude. Foto: Ines Rudel

Doch dann rafften sich die Feuerwehrleute offenbar zusammen: In ihren Reihen fanden sie drei Männer, die bereit waren, in der unübersichtlichen Lage Verantwortung zu übernehmen. Zudem wurde noch ein Pressesprecher installiert, um die Kommunikation nach außen zu verbessern. Im Dezember wurden die drei Kandidaten dann auch tatsächlich gewählt, „mit gutem Ergebnis“, wie es seitens der Feuerwehr heißt.

Neue Führung will Schlussstrich ziehen

Doch reichte das, um in friedlichere Gewässer zu steuern? Möglich, jedenfalls gab sich die neue Führung einige Monate Zeit, um sich zu etablieren. Am Freitagnachmittag präsentierte sie sich der Öffentlichkeit – demonstrativ im Schulterschluss mit dem Rathaus und dem Gemeinderat. Die Devise: Strich drunter. „Wir fokussieren uns auf das Neue“, so der neue Feuerwehrchef Corvin Steindl. „Die Verwaltung und der Gemeinderat wollen natürlich das Beste für die 10 000-Einwohner-Stadt“, betonte Bürgermeister Sebastian Kurz. „Ich bin dankbar und erleichtert, dass wir wieder an einem Tisch sitzen.“

Steindl gehört zu den Jüngsten in der Feuerwehr. Er ist 26 Jahre alt und von Beruf IT-Berater. Seine Vertreter sind Michael Leich und Markus Bader. Anders als zuvor sind diese drei Positionen nicht mehr verknüpft mit der Leitungsrolle in den drei Abteilungen Aich, Grötzingen und Neuenhaus. Diese Rollen bleiben bestehen und sind teilweise noch besetzt mit den Männern, die den Konflikt mit der Stadtverwaltung ausgetragen haben.

Streit geht zurück auf das Jahr 2022

Der Konflikt begann im Jahr 2022. Im Sommer 2022 fasste der Aichtaler Gemeinderat den Beschluss, die Verwaltung mit der Suche nach einem Standort für ein neues Feuerwehrhaus zu beauftragen. Hieran entzündete sich der Streit zwischen dem Rathaus und der Feuerwehr: zum einen über den möglichen Standort zwischen den Stadtteilen Aich und Grötzingen, zum anderen über die – aus Feuerwehrsicht – schlechte Kommunikation.

Es gab aber noch weitere Probleme, die ebenfalls in der Vergangenheit lagen. So standen Betrugsvorwürfe im Raum. Unter anderem warf Bürgermeister Sebastian Kurz der Feuerwehr vor, sie habe ohne Absprache mit der Stadtverwaltung ein Vier-Sterne-Hotel für einen Wettkampf gebucht. Dabei sollte die Stadt auch für die Kosten von Personen aufkommen, die nicht zur Feuerwehr gehörten. Darüber hinaus gab es, so der Vorwurf aus dem Rathaus, „unkoordinierte Anschaffungen“, die dazu führten, dass das Budget der Feuerwehr in den letzten Jahren sechsstellig – über 200 000 Euro – überschritten wurde.

Rechtsextreme Parole wirkte wie ein Katalysator

Hinzu kam schließlich noch ein Ereignis, das bereits im Mai 2023 aus dem schwelenden Konflikt einen offenen hatte werden lassen. An einem Sonntag liefen Mitglieder der Feuerwehr durch den Ort, eines davon rief offenbar eine rechtsextreme Parole. Kurz gab damals zügig eine Erklärung ab: „Hier gibt es null Toleranz. Wir distanzieren uns klar und deutlich.“ Die Feuerwehr distanzierte sich auch, nach Auffassung von Kurz aber nur halbherzig.

All dies soll „zum passenden Zeitpunkt“ aufgearbeitet werden. Die Geschichte mit der rechtsextremen Parole aber scheint bereits abgehakt zu sein. Wiederholt wird noch einmal sowohl von der Feuerwehr als auch vom Rathaus, dass Rechtsextremismus und Hass bei der Feuerwehr nicht toleriert würden. Offen hingegen ist weiterhin, wie es mit dem neuen Feuerwehrhaus weitergeht. Klar scheint zu sein, dass es ein solches Gebäude geben müsse. Ob das aber für eine der drei Abteilungen bedeutet, dass sie dort aufgeht, also im Stadtteil nicht mehr präsent sein wird, ist noch nicht geklärt.

Der Feuerwehrkonflikt von Aichtal

Das neue Haus
 Im Juli 2022 fasst der Aichtaler Gemeinderat den Beschluss, die Verwaltung mit der Suche nach einem Standort für ein neues Feuerwehrhaus zu beauftragen. Hieran entzündet sich der Streit zwischen Rathaus und Feuerwehr: zum einen über den möglichen Standort zwischen den Stadtteilen Aich und Grötzingen, zum anderen über die – aus Feuerwehrsicht – schlechte Kommunikation.

Hohe Ausgaben
 Laut Rathaus soll die Feuerwehr ohne Absprache mit der Stadtverwaltung ein Vier-Sterne-Hotel für einen Wettkampf gebucht. Dabei sollte die Stadt auch für die Kosten von Personen aufkommen, die nicht zur Feuerwehr gehören.

Parole
An einem Sonntag im Mai 2023 liefen Mitglieder der Feuerwehr durch den Ort, eines davon rief eine rechtsextreme Parole. Der Fall kam vor Gericht. Das Amtsgericht erließ einen Strafbefehl: eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen.

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