Feuerwehr Sindelfingen Ein Methusalem wird fit gemacht

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Oldtimerfreunde setzen das erste Löschgruppenfahrzeug der Nachkriegszeit wieder instand. Bisher war es im Feuerwehrmuseum in Stuttgart zu bestaunen. Nun kommt es bald beim Maichinger Rosstag zum Zug.

Alte Liebe rostet nicht: Hansi Schwab, Manfred Hess, Uwe Zoller, Sven Petelik und  Marcus Schnaufer  (von links) restaurieren das alte Feuerwehr-Vehikel. Foto: factum/Bach
Alte Liebe rostet nicht: Hansi Schwab, Manfred Hess, Uwe Zoller, Sven Petelik und Marcus Schnaufer (von links) restaurieren das alte Feuerwehr-Vehikel. Foto: factum/Bach

Sindelfingen - Manfred Hess kann sich noch genau erinnern. Es war im Jahr 1973, in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober. Der heute 75-Jährige wurde damals in den frühen Morgenstunden von einem Alarm unsanft geweckt. Hess und seine Feuerwehrkameraden mussten nach Böblingen ausrücken, wo die Spielzeugwarenfirma Kibri in Flammen stand. „Es war sehr neblig, und wir sahen erst kurz vor dem Brandort eine riesige Rauchwolke“, berichtet der Sindelfinger. Zum Einsatz kam dabei auch das erste Löschgruppenfahrzeug der Nachkriegsjahre, das die Stadt gekauft hatte: das LF 16 TS, Baujahr 1956. Zehn Jahre nach dem Brand wurde es aus dem Verkehr gezogen und musste moderneren Fahrzeugen weichen. Doch alte Liebe rostet nicht. Hess und seine Kameraden haben den Oldtimer wieder flott gemacht.

Das Auto war ein Fahrschulwagen

Manfred Hess hatte 1973 auf eben jenem Löschfahrzeug die Fahrprüfung gemacht. 1600 Liter Wasser pro Minute schafft die Pumpe mit acht bar Druck. Die Abkürzung TS steht für Tragkraftspritze. Vier Mann trugen das annähernd 200 Kilogramm schwere Teil zum jeweiligen Einsatzort. In dem Gruppenfahrzeug nahmen sechs Mannschaftsmitglieder im Wagenfond Platz und zwei auf dem Beifahrersitz. Der Gruppenführer saß in der Regel am Steuer.

Der KFZ-Meister Hess gehörte 39 Jahre lang der Sindelfinger Feuerwehrtruppe an. Einer seiner Mitstreiter ist Wolfgang Petelik. Der ausgebildete Fernmelder (Petelik: „Das heißt heute Telekommunikationselektroniker“) wird erst im Dezember nach mehr als 40 Jahren seinen Dienst bei den Floriansjüngern quittieren. Der 64-Jährige hat ebenfalls noch sehr gute Erinnerungen an das LF 16 TS. Schließlich hat auch er seinen Führerschein mit diesem Auto gemacht – wie viele andere. Denn der Wagen diente einst im ganzen Landkreis als Fahrschulfahrzeug; die Pedale vor dem Beifahrersitz zeugen noch davon.

Wasser aus dem Unteren See gepumpt

Petelik, der zur 15 Mann zählenden Restauratorengruppe zählt, war ebenfalls beim Kibri-Brand mit dem Löschfahrzeug vor Ort. Das Wasser holte man aus dem Unteren See. „Dort standen sechs oder sieben weitere solcher Einsatzfahrzeuge“, erinnert sich der 64-Jährige. Zahlreiche Feuerwehren aus dem Kreis waren zu dem Großeinsatz gerufen worden. Der Schaden ging in die Millionenhöhe. Die Gebäude wurden trotz des Einsatzes der Feuerwehren vollständig zerstört. „In den Hallen war leicht brennbares Material gelagert“, weiß Petelik. Auch die kulturhistorisch wertvolle Sammlung alter Kibri-Spielzeugmodelle, Kataloge und Dokumente blieben von den Flammen nicht verschont.

Ein weiteres Großfeuer erlebte Petelik im Juli 2014, als die Sanitärfirma Reisser in Böblingen brannte. Damals kamen aber schon längst ganz andere Fahrzeuge zum Einsatz. Nach 27 Dienstjahren war das 115 PS-starke LF 16 TS mit seinem Sechs-Zylinder-Dieselmotor ins Stuttgarter Feuerwehrmuseum gewandert. Dort konnten die Besucher das Gefährt über viele Jahre bestaunen. Bis den Museumsbetreibern der Platz ausging, weil sei weitere Oldtimer zeigen wollten. „Sie haben uns angeboten, es wieder zurückzunehmen“, berichtet Uwe Zoller, der hauptamtliche Feuerwehrmann und ausgebildete KfZ-Mechaniker. Man habe keine Sekunde gezögert.

Vieles ist original erhalten und in Schuss

Die geballte Bastlerkompetenz wird von Hansi Schwab ergänzt, seit Jahren Busfahrer für die Firma Hassler und Schlosser von Beruf. Viele Jahre hatte er bei der Firma Daimler gearbeitet. Er besorgte die passenden neuen Reifen. Die Bremsen wurden eingestellt, die Luftschläuche erneuert, das Öl ausgewechselt – so kam der auf Hochglanz polierte Methusalem durch den TÜV. Inzwischen holten die Oldtimerliebhaber auch noch ein Gutachten ein, für ein historischen Kennzeichen, auch um ein wenig Steuern zu sparen. Die Schilder mit „BB A 784 H“ sind in der vergangenen Woche montiert worden.

Die Holzbänke, das Armaturenbrett, das Lenkrad und die hölzerne Innenverkleidung sind noch gut erhalten. Nun gilt es, überall die Roststellen zu entfernen. „Das werden wir ganz behutsam tun“, verspricht Zoller. Und natürlich wird das Auto in der Originalfarbe mit Feuerwehrrot nachbehandelt. Schließlich soll es etwas hermachen, etwa wenn es künftig Brautpaare auf dem Weg zur Trauung nutzen – oder wenn es den Besucher beim Maichinger Rosstag am 23. September vorgeführt wird.




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