Nordmanntannen und Blaufichten, hoch gewachsene und hüfthohe, buschige Exemplare: Am Samstag gab es in Schwaikheim einen Wettbewerb mit piksenden Wurfgeschossen.

Auf die Technik kommt es an. Das ist beim Baumweitwurf wie beim Speerwurf. Doch im Gegensatz zu letzterem sind die Wurfgeschosse nicht genormt. „Jeder Baum ist anders, das macht es etwas kompliziert“, sagt Jan Mutschler, der Leiter der Jugendfeuerwehr Schwaikheim (Rems-Murr-Kreis). Er kennt sich aus – schließlich hat er schon den ersten Christbaumweitwurf-Wettbewerb im Ort mitorganisiert. Der fand im Jahr 2008 statt, als besonderes Ereignis zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Schwaikheim.

 

Das Spektakel kam so gut an, dass es Jahr für Jahr wiederholt wurde – mit einer Pause während der Coronapandemie. Inzwischen ist die Veranstaltung ein fester Termin im Kalender der Gemeinde: 2026 zum 17. Mal. Wie die Idee entstanden ist, weiß Jan Mutschler nicht mehr. Es ist aber denkbar, dass der Werbespot eines schwedischen Möbelhauses als Inspirationsquelle diente. In diesem fliegen zum Weihnachtsende die Tannenbäume aus dem Fenster. In Schwaikheim fliegen sie über den Festplatz.

Kegelförmige Nordmanntannen und pyramidenförmige Blaufichten, hoch gewachsene, schlanke Exemplare und hüfthohe buschige – die Bandbreite der Wurfgeschosse ist enorm. Das muss sie auch sein, denn beim Wettbewerb ist das Teilnehmerfeld bunt gemischt, vom zweijährigen Kindergartenkind bis zum Zwei-Meter-Mann. Für den Wettbewerb hat die Jugendfeuerwehr am Freitag mehrere hundert Christbäume in den Straßen Schwaikheims eingesammelt und auf dem Festplatz zu einem stacheligen, grünen Hügel aufgeschichtet. Die Zahl der Bäume gehe Jahr für Jahr zurück, bedauert Jan Mutschler: „Manche schaffen wohl gar keinen mehr an.“ Zum Glück seien aber auch dieses Mal genügend verfügbar.

Beim Christbaumweitwurf ist Schleudern verboten

Spitze oder Stamm zuerst? Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Foto: Jan Potente

Der 15-jährige Henrik ist seit fünf Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Schwaikheim aktiv. Er steht ein Stück entfernt am Zugang zu den drei Wettkampfbahnen und hat ein Auge darauf, dass alles rund läuft. Die Wettkämpfer müssen einen Zettel mit ihrem Namen parat halten, den sie bei der Anmeldung im Mannschaftswagen in die Hand gedrückt bekommen haben. Später notieren die Kampfrichter darauf die Ergebnisse. Jeder Teilnehmende habe zwei Würfe, erklärt Henrik und nennt weitere Regeln: Als Anlauf ist maximal ein Schritt erlaubt. Und: „Schleudern ist verboten.“ Tobias Casper, Gruppenführer bei der aktiven Wehr, ergänzt, dass der Baum mindestens die Körpergröße des Werfenden haben müsse.

Welche Wurftechnik ist erfolgreicher?

Mit welcher Technik der Baum besonders weit fliegt, dazu gibt es unterschiedliche Theorien. „Manche werfen mit dem Stumpf voraus, weil sie denken, dass dann der Luftwiderstand geringer ist. Andere nehmen die Spitze nach vorn, weil der Baum sich so besser halten lässt“, erzählt Tobias Casper. Jan Mutschler outet sich als Vertreter der „Stamm-Voraus“-Fraktion, sagt aber: „Welche Technik die effizientere ist, das lässt sich nicht so recht sagen.“ Weil Kraft gefragt ist, seien Männer im Vorteil. Aber: „Entscheidend ist auch, wie der Wind steht.“

Gewertet wird bei den Würfen die letzte Bodenmarkierung, die der Baum vollständig überquert hat. Der bestehende Bahnrekord von 8,50 Meter werde nur sehr selten erreicht, sagt Jan Mutschler, der vor lauter Organisieren meist gar nicht zum Werfen kommt. Den Christbaumweitwurf-Wettbewerb sieht er als „Service für die Bevölkerung“: Es ist quasi das erste Volksfest im Jahr, eine Gelegenheit, um sich zu treffen, Glühwein zu schlürfen und Spaß zu haben. Wer den Wanderpokal in der Einzel- und Mannschaftswertung holt, ist da eher zweitrangig. Am Ende stehen alle beisammen und schauen zu, wie der grüne Baum-Hügel in Flammen aufgeht und abbrennt. Gelöscht werde nicht, sagt Tobias Casper: „Wir stellen nur den Brandschutz sicher.“