Wiesensteig - Uwe Filkorn ist mit ganzem Herzen Postbeamter. Doch seine zweite Leidenschaft gilt der Pyrotechnik. Der Wiesensteiger liebt es, am Himmel effektvolle Bilder zu zelebrieren. Er denkt sich kreative Choreografien aus, damit das farbenprächtige, verspielte Spektakel am Boden und am Himmel den Zuschauenden ein staunendes „Ohh“ entlockt. Es entstehen prächtige Farbengemälde im Wechsel mit Glitzerregen und Sternschnuppen ähnlichen Leuchtschweifen. Auf diese Weise lässt Uwe Filkorn so manches Familienfest, Firmenevents oder Jubiläumsfeiern in spektakulärem Glanz erstrahlen. Und seine Lebenspartnerin Sabine Widmann, „die starke Frau an meiner Seite“, hilft beim Auf- und Abbau, sowie – ganz wichtig – beim Aufräumen der weit verstreuten Hinterlassenschaften der Feuerwerke.
Die Aufträge übers Jahr sind auch ausgeblieben
Für Silvester tüftelt Filkorn alljährlich außergewöhnliche Batterien aus. Sein Credo: „Die Batterien sollen ihre Raketen nicht einfach nur rasch hintereinander abfeuern, die dann obendrein ohne großen Pomp schnell am Himmel verglühen.“ Solch selbst kreierte Profi-High-End-Performancebatterien lässt Filkorn extern anfertigen. All das bohrt das Jahr über ein ordentliches Loch in seine Kasse. Und heuer geht seine Rechnung, die Kasse fülle sich durch den Silvesterverkauf seiner Batterien wieder, zum zweiten Mal nicht auf: Uwe Filkorn ist enttäuscht vom Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk.
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Schon beim Vorjahresverbot hatte er herbe Verluste eingefahren. Da der staatlich geprüfte Großfeuerwerker und Pyrotechniker seine Leidenschaft nebenberuflich ausübt, ging auch der Corona-Hilfetopf für die Branche 2020 an ihm vorüber. Zudem erhielt er wegen der ständig wechselnden Kontaktbeschränkungen kaum Feuerwerksaufträge unterm Jahr. Demzufolge erwartet er heuer, erneut auf seinen Kosten sitzen zu bleiben.
In manchen Firmen werden Entlassungen angekündigt
Sein Lager ist außerdem mit vorproduzierten Silvesterbatterien gefüllt. Für Zukäufe für größere Feuerwerke im Jahresverlauf, seine zweite Einnahmequelle, ist kein Platz mehr. Für Berufspyrotechniker sieht Filkorn in diesem zweiten Verkaufsverbot jedoch eine große Gefahr: „Das könnte für einige der Todesstoß sein.“
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Große Händler, die insbesondere Discounter und Baumärkte beliefern, haben ganze Schiffscontainer Material gekauft. „Aber das Silvesterfeuerwerk ist in spezielle Packgrößen verpackt und somit nicht weiter verwendbar“, erläutert der Wiesensteiger . Auch sei schon heute davon auszugehen, dass im nächsten Jahr große Messen und Veranstaltungen wieder nicht stattfinden werden, an welchen voluminöse Feuerwerke gefragt wären. Bereits jetzt verkünden daher manche Unternehmen Entlassungen, wie er aus der gut vernetzten Branche weiß.
Die Argumente der Politik hält der Pyrotechniker für nicht tragfähig
Verständnis hat er für das politisch verhängte Verbot nicht. Die Begründung hält er für nicht tragfähig. Die von Politikern vordergründig angegebene Argumentation, es gelte, die Notaufnahmen der Krankenhäuser nicht mit Feuerwerkskörperverletzten zusätzlich zu belasten, hält Filkorn für kontraproduktiv: „Tatsächlich wird doch das Gegenteil erreicht: Schon jetzt stehen die Deutschen an Polens Grenze Schlange, um dort ihr Silvesterfeuerwerk zu kaufen.“
Nicht nur, dass sich die dortige Branche ins Fäustchen lache, weil sie nun „den Reibach“ mache – erst recht werde dort obendrein viel illegales Material zum Selbstbau von Feuerwerkskörpern erworben. „Da lauert erst recht eine erhöhte Verletzungsgefahr.“ Die innerhalb der EU verkauften und zertifizierten Feuerwerke dagegen seien bei sachgerechtem Umgang völlig gefahrlos. Kommt es dennoch zu Verletzungen, liege das hauptsächlich an übermäßigem Alkoholgenuss. Doch da schiebe die Politik keinen Riegel vor, sagt Filkorn bedauernd.
Am Himmel soll es zehn Minuten lang funkeln
Allen Widrigkeiten zum Trotz: Am Silvesterabend wird es ein Höhenfeuerwerk hoch über Wiesensteig bei der Kreuzkapelle geben. Uwe Filkorn und Sabine Widmann haben dafür das Okay vom Gemeinderat und der Verwaltung erhalten. Die Idee rührt von vielen Anfragen und Spenden aus der Bevölkerung, nachdem der Kauf von Feuerwerkskörpern verboten wurde. „Wir legen dann selbst noch was drauf, damit es am Himmel etwa zehn Minuten lang funkt, blitzt und schillert“, verspricht Sabine Widmann.