Stuttgart - Beim Einkaufen und im Nahverkehr wird das Tragen von medizinischen Mund-Nase-Masken künftig zur Pflicht, vom kommenden Montag, 0 Uhr, an. Die Polizei und die Vollzugsbeamten der Stadt kontrollieren, wie bisher auch, ob die Masken den Standards entsprechen – mit dem gebotenen Fingerspitzengefühl. So, wie das zu Beginn der ersten Einschränkungen auch war. „Wir rennen nicht mit dem Hammer durch die Stadt und hauen jedem auf den Kopf, der eine falsche Maske trägt“, sagt Polizeisprecherin Elena Marino.
Die Polizei spricht die Menschen an
FFP2, N95 oder die OP-Masken: Zum Einkaufen und im Nahverkehr genügt künftig nicht mehr die Stoffmaske oder gar der Schal. Wie genau das dann kontrolliert werden kann, steht noch in den Sternen. Aber die Polizeisprecherin ist sich sicher, dass es keine Probleme geben wird. Man könne das schon aus der Entfernung erkennen und werde Leute, die etwa mit einer Stoffmaske in eine Bahn einsteigen wollten, dann auch ansprechen. Wobei bisher noch gar nicht klar ist, was passiert, wenn jemand eine falsche Maske trägt.
Die Bundespolizei, die noch häufiger mit Publikum in Bahnen in Berührung kommt, ist für die Kontrollen übrigens nicht zuständig, da dies Ländersache ist. Dennoch würden die Beamten ein Auge auf Verstöße werfen. „Wir haben das bisher auch so gehandhabt, dass wir Hilfe leisten“, sagt Yannick Dotzek, Sprecher der Bundespolizei. Reisende, die der Pflicht nicht nachkommen, würden darauf angesprochen. Bei Uneinsichtigen werden die Daten aufgenommen und an die Ordnungsbehörde weitergemeldet. Die neue Regelung werde da nicht viel ändern. Bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) weisen auf allen Kanälen der Fahrgastinformation auf die geltende Pflicht hin, für die Kontrollen sei aber die Polizei zuständig.
Im Supermarkt tragen die meisten Kunden bereits medizinische Masken
Ebenfalls davon betroffen sind natürlich die Betreiber von Lebensmittelgeschäften, beim Einkauf ist die medizinische Maske ebenfalls Pflicht. Michael Roth vom Rewe-Markt am Vogelsang schaut noch etwas ratlos in die Zukunft, er wisse nicht so recht, wie er das kontrollieren wolle. Es sei für seine Mitarbeiter sehr schwierig, die Kunden anzusprechen, „vor allem wenn viel los ist“. So sieht auch Guido Empen, Geschäftsführer bei Edeka Gebauer, die Lage. In ihren Märkten, unter anderem in Bonlanden und Göppingen, würden auch Inklusionsmitarbeiter beschäftigt, von denen könne er doch nicht verlangen, dass sie mit den Kunden in ein Streitgespräch gingen. „Bei uns hat sich verfestigt, dass der Kunde der König ist“, sagt Empen. Aber sie hätten alle Vorgaben schon immer mit einer großen Disziplin umgesetzt. Wichtiger noch wäre ihm eine klare Ansage vonseiten der Politik, damit die Kunden wüssten, dass dies keine Verordnung sei, die im Ermessen des Betreibers liege, sondern eine Vorschrift, an die sich alle zu halten haben.
Seiner Beobachtung nach tun das aber längst die meisten Kunden. Bis vor einer Woche seien noch 50 Prozent mit Schal oder Stoffmaske durch einen der größten Märkte in der Region geschlendert, seit dieser Woche sei dies komplett anders: Es gebe nur sehr wenige, die ohne medizinische Masken unterwegs seien. „Und die Maskenverweigerer“, sagt Empen, „kommen schon gar nicht mehr zu uns.“ Um die Nachfrage auch spontan erfüllen zu können, habe er extra 6000 FFP2-Masken geordert. Aber die gehen schon jetzt „weg wie warme Semmeln“.