Die Fiesta International in Fellbach hat auch in diesem Jahr die Welt ein Stückchen näher zusammengebracht.

Von allen Seiten wehten den Besucherinnen und Besuchern auf dem Guntram-Palm-Platz in Fellbach verführerische Gerüche und Düfte entgegen. Bei der 47. Fiesta International in Fellbach waren 17 zumeist ausländische Vereine als Gastgeber angetreten und lockten mit internationalen Leibspeisen wie Paella, Gyros, Döner, Pizza oder Köfte, alles frisch und mit viel Liebe vor Ort zubereitet. Die Vielfalt ist aber nicht allein auf das Kulinarische beschränkt. Das Bühnenprogramm bot eine folkloristische Reise durch die Welt – von Brasilien über Indien bis nach China.

 

Die Fiesta steht für Vielfalt, Toleranz und kulturellen Austausch

Die Wahlergebnisse vom vergangenen Wochenende, egal ob in Europa oder auf kommunaler Ebene, haben die immer stärker gespaltene Gesellschaft widergespiegelt. Das fröhlich-bunte Miteinander auf der Fiesta International hat am Wochenende hingegen bewiesen, dass es auch anders geht. Stets am dritten Juni-Wochenende präsentiert sich die Stadt, in der, Stand Januar 2024, Menschen aus 135 verschiedenen Nationen leben, farbenfroh und multikulturell.

Die Fiesta, nach dem Fellbacher Herbst im Oktober das zweitgrößte Volksfest in der Stadt am Fuß des Kappelbergs, hat die Welt wieder ein Stückchen näher zueinandergebracht. Die Fiesta stehe für „Vielfalt, Toleranz und kultureller Austausch“, sagte Johannes Berner, Fellbachs Erster Bürgermeister, bei der Eröffnung am Freitag. Schon seit 1976 versammelt sich schließlich Jahr für Jahr eine bunte Gemeinschaft über alle Länder- und Nationengrenzen hinweg unter einem Festdach.

Kein Fest von Migranten für Migranten – sondern für alle

Der Brasilianisch-Deutsche Freundschaftsverein, der mit sommerlichen Cocktails an seinem Stand aufwartete, steht fast typisch für das grenzenlose Miteinander. Für das Bühnenprogramm steuerten sie die Stuttgarter Trommlergruppe Repicando bei, die von zwei feurigen brasilianischen Samba-Tänzerinnen begleitet wurde. Und das Miteinander beschränkt sich nicht allein auf die Fiesta. Denn auch gut die Hälfte der Vereinsmitglieder kommt aus Deutschland.

Die Trommelgruppe Repicando sorgte für mitreißende Rhythmen. Foto: Eva Herschmann

Die Fiesta sei von Anfang an kein Fest von Migranten für Migranten gewesen, sondern schon immer eines für alle Menschen in Fellbach, und damit gelebte Integration, erklärt Jens Mohrmann, der Geschäftsführer der Fellbacher Event & Location GmbH (Feel). „Wir setzen damit Jahr für Jahr ein klares Zeichen, dass wir in einer pluralistische Gesellschaft sind, und sie auch leben.“ Die Fiesta sei ein Ort der Begegnung, und beim miteinander Feiern und in gemeinsamen Gesprächen bauten sich viele Vorurteile spielerisch ab, so Mohrmann. „Das war auch in diesem Jahr so, und wir haben wieder ein schönes und total friedliches Fest erlebt.“

EM-Auftakt sorgt für weniger Besucher am Freitagabend

Dass die Zahl der einheimischen Besucherinnen und Besucher auf dem internationalen Fest groß ist, kann Francesco Santoro vom Centro Italiano nur bestätigen. Am Freitagabend, kurz vor Beginn der Auftaktpartie zur Fußball-Europameisterschaft zwischen Deutschland und Schottland, habe sich das Festgelände deutlich geleert. „Ohne die Deutschen ist auf der Fiesta einfach weniger los. Wir haben trotzdem gut verdient, aber schon etwas weniger als sonst.“

Dass sich Stadtverwaltung und Feel gegen ein Public Viewing auf der Fiesta ausgesprochen hatten, hat Francesco Santoro aber nicht nur wegen den geringeren Einnahmen am Freitagabend bedauert, sondern auch, weil er selbst großer Fußball-Fan ist. Hasan Kücükatogan vom Türkischen Verein Fellbach hätte ebenfalls gern am Wochenende die Spiele geguckt. Doch für die Entscheidung gegen ein Public Viewing gebe es triftige Gründe, erklärt Jens Mohrmann. „Der Aufwand ist gigantisch, die Vorschriften und Vorgaben der UEFA sind enorm, und es hätte auch eine Menge Geld gekostet.“