Fifa-Exekutivkomitee Niersbach soll Zwanziger beerben

Schon länger steht fest, das Theo Zwanziger im Mai nächsten Jahres aus dem Fifa-Exekutivkomitee ausscheidet. Auf seinen Sitz soll sich DFB-Präsident Niersbach bewerben.

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Weimar - FIFA-Kritiker Wolfgang Niersbach soll bei der Aufarbeitung der schwersten Krise in der Geschichte des Weltverbands eine Schlüsselrolle übernehmen. Der DFB-Chef wird seine Opposition zu FIFA-Präsident Joseph Blatter künftig im skandalumtosten Exekutivkomitee vertreten müssen. Als Nachfolger von Theo Zwanziger soll er dem deutschen Fußball im Machtzentrum der FIFA wieder eine gewichtigere Stimme verleihen.

„Ich stelle mich dieser Wahl, weil ich für die europäischen Positionen eintreten möchte und der festen Überzeugung bin, dass der deutsche Fußball seinen Platz und seine Stimme in den wichtigsten Entscheidungsgremien nicht verlieren darf“, sagte Niersbach am Freitag nach der Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes in Weimar, wo er einstimmig als Kandidat vom DFB nominiert wurde.

Als Nachfolger von Zwanziger will der 63-Jährige nun im höchsten Führungsgremium des Dachverbandes mithelfen, den ramponierten Ruf der FIFA wiederherzustellen. Ob Niersbach wirklich der große Hoffnungsträger für eine Erneuerung im Weltverband ist, muss sich in der Arbeit in der FIFA-Zentrale in Zürich erst noch weisen. In jedem Fall aber scheint der frühere Journalist dem bald 79 Jahre alten Blatter distanzierter gegenüberzustehen als Zwanziger.

Geeint sind die beiden Funktionäre derzeit (fast) nur bei ihrer Ablehnung der Weltmeisterschaft 2022. „Katar muss die WM wieder entzogen werden. Dieser Sündenfall ist so groß, dass er nicht anders gesühnt werden kann. Der Weltfußball wird sonst nicht zur Ruhe kommen“, sagte Zwanziger der „Rheinischen Post“ (Samstag).

In der Dauerdebatte um das Turnier in dem kleinen Wüstenstaat brachte der 69-Jährige eine neue Variante ins Spiel. „Man könnte überlegen, ob man zu einem sportpolitischen Kompromiss dergestalt kommen kann, die WM vier Jahre später, also 2026, nicht ausschließlich in Katar, aber in der arabischen Region auszutragen“, sagte Zwanziger und ergänzte: „Die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Katar - eben auf einer größeren Fläche und von vorneherein in den Winter gelegt. Das würde ich für eine vertretbare Lösung halten, weil damit auch gesellschaftliche Ziele in der Golf-Region verfolgt werden könnten.“

Bei der von reichlich Bestechungsvorwürfen begleiteten Doppel-Vergabe der Turniere an Russland (2018) und Katar im Dezember 2010 war Zwanziger noch nicht beteiligt - damals saß Franz Beckenbauer als deutscher Vertreter in der sogenannten FIFA-Regierung.

Und nun ist der Ehrenpräsident des FC Bayern München anscheinend ein zweites Mal ins Visier der Ermittler der Ethikkommission geraten. Der 69-Jährige soll unter Verdacht stehen, gegen den FIFA-Ethikcode verstoßen zu haben. Beckenbauer könne dazu keine Fragen beantworten, „solange noch Verfahren hierzu anhängig sind“, hieß es vonseiten seines Managements am Donnerstagabend. Auch die FIFA und der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert kommentierten die jüngsten Berichte nicht.

Neben Beckenbauer sollen sich die Ermittlungen auch gegen den möglichen Blatter-Herausforderer Harold Mayne-Nicholls sowie Spaniens Verbandschef Ángel María Villar Llona, FIFA-Chefmediziner Michel D’Hooghe aus Belgien und den Thailänder Worawi Makudi richten. Die drei Letztgenannten sind Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees.

An FIFA-Kontrolleur Domenico Scala liegt es nun, wie viele Informationen aus dem Untersuchungsbericht von Chefermittler Michael Garcia zu den WM-Vergaben 2018/2022 dem Exekutivkomitee - und damit auch Niersbach - vorgelegt werden. Am 24. März 2015 muss Niersbach, der am Sonntag 64 Jahre alt wird, beim Kongress des europäischen Dachverbandes UEFA gewählt werden - formal erfolgt die Aufnahme ins FIFA-Exekutivkomitee beim Weltverbandskongress am 29. Mai 2015 in Zürich.

„Gerade in schwierigen Zeiten ist es erforderlich, dass der größte Einzelverband der Welt mit seinem Präsidenten im FIFA-Exekutivkomitee vertreten ist“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Niersbach sei „der richtige Mann, um hier für Transparenz und Aufklärung einzutreten - und in diesem Sinne für Mehrheiten zu werben“.

Niersbach, Rauball und DFL-Chef Christian Seifert hatten sich zuletzt vor allem über die skandalöse Aufarbeitung der Ermittlungsergebnisse zu den WM-Vergaben an Katar und Russland kritisch geäußert.

Das desaströse öffentliche Bild der FIFA scheint nun auch einen weiteren Großsponsor massiv zu beunruhigen. „Wir sind besorgt wegen der Ereignisse in letzter Zeit im Umfeld der FIFA“, hieß es in einer Mitteilung des Kreditkartenunternehmens Visa. „Größere Transparenz und eine offenere, direktere Kommunikation“ sei „nicht nur von höchster Bedeutung, sondern der einzige Weg, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die FIFA wiederherzustellen“.




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