Filder Der lange Weg zur App, die alle Wege ins Büro weist

Von Götz Schultheiss 

Wer nach Stuttgart-Vaihingen oder Stuttgart-Möhringen zur Arbeit fährt, steckt täglich im Stau. Bald gibt es mit Move-BW eine App, mit Angaben zu freien Parkplätzen und Ausweichmöglichkeiten auf andere Verkehrsmittel.

Noch weist keine App den Weg aus dem Stau. Bald soll es soweit sein. Foto: Hintermayr
Noch weist keine App den Weg aus dem Stau. Bald soll es soweit sein. Foto: Hintermayr

Filder - Fast jeder hat heutzutage ein Smartphone. Bald wird es dafür eine App geben, die es ermöglichen soll, den Weg zur Arbeit quasi am Stau vorbei zu planen. Gefördert vom Land Baden-Württemberg arbeiten bedeutende Unternehmen unter dem Stichwort Move-BW an einer App, mit der sich der Weg zur Arbeit in die Landeshauptstadt so planen lässt, dass man die ganze Strecke, oder einen wesentlichen Teil davon, mit dem öffentlichen Nahverkehr zurücklegen kann. Auch die Mitarbeiter im Synergiepark sollen damit ins Gewerbekonglomerat der Bezirke Vaihingen und Möhringen navigieren.

Für die Apps reicht es natürlich nicht, dass man drauf alle Informationen über die Fahrpläne der einzelnen Zug-, S-Bahn- oder Buslinien bekommt. Zusätzliche Informationen sollen zeigen, wie man von dem Punkt aus, den man ansteuert, weiterkommt, auch mit Carsharing oder E-Bike. Die täglichen Staus in und um Stuttgart herum sind ja neben der Schonung der Umwelt Anreiz genug, das Auto stehen zu lassen. Wer dies aber tun will, der braucht auch Informationen darüber, wo er sein Auto abstellen kann. Das heißt: Die Park-and-Ride Parkhäuser müssen möglichst in Echtzeit Informationen liefern, wie viele Stellplätze frei sind. Dies ist in den Stuttgarter Fildervororten zum Beispiel schon im Park-and-Ride-Parkhaus Albstraße in Degerloch oder im Vaihinger Parkhaus Österfeld der Fall. Die Infos über die Belegung findet man auf der Homepage der VVS unter www.vvs.de und der Rubrik „Rundum mobil“.

Die Fahrzeuge werden gezählt

Gebhard Hruby ist Geschäftsführer der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg, die das Park-and-Ride-Parkhaus Österfeld betreibt. „Bei Move-BW sind wir als Partner dabei, aber die App ist noch im Entwicklungsstadium“, sagt er. Das Österfeldparkhaus habe eine Förderung erhalten, um zu zeigen, was möglich sei. „Wir zählen die Fahrzeuge über jeweils eine Induktionsschleife vor und hinter den Schranken“, sagt Gebhard Hruby. Darüber hinaus gebe es Schnittstellen mit dem in kommunaler Hand befindlichen Verkehrsleitsystem. Unter anderem greife der ADAC von dort seine Informationen ab. Die App Move-BW werde wegen der Erhebung der Parkplatzzahlen nur Parkempfehlungen aussprechen, wenn es dort tatsächlich freie Plätze gebe. „Die Pendler brauchen verlässliche Daten. Wenn möglicherweise das Verbot für Euro-5-Diesel kommt, kann man nicht genug Park-and-Ride-Plätze für Pendler, die ihr Auto in den Parkhäusern der Außenbezirke abstellen müssen, zur Verfügung stellen.“

Der ÖPNV muss eng getaktet sein

Auch Günter Sabow, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart, hat die App im Blick. Sein Augenmerk liegt auch auf dem Synergiepark, wo die Unternehmen damit beschäftigt sind, zu ermitteln, woher ihre Mitarbeiter kommen, welche Verkehrsmittel sie nutzen und unter welchen Voraussetzungen sie bereit wären, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Ursprünglich sollte dies bis Ende April der Fall sein. In dieser Sache, sagt Sabow, gebe es eine erfreuliche Entwicklung: „Die Stadt macht bei der Untersuchung mit, weil sie die Daten nutzen will. Das gibt uns etwas mehr Zeit. Ich will aber schauen, dass wir bis Mai fertig sind.“

Die Daten, sagt der WIV-Geschäftsführer, seien wichtig für Move-BW, denn sie zeigten, wo verstärkt Bedarf für welche Verkehrsträger bestehe. Ideal, sagt Sabow, sei es, wenn Firmen ein Zählsystem auf ihren Parkplätzen installieren würden, die zeigten, welche von Fremdparkern genutzt werden könnten, eventuell gegen Bezahlung. Dagegen gebe es von vielen Unternehmen im Synergiepark noch Vorbehalte: „Das ist verständlich, weil dann Fremde unangemeldet auf dem Firmengelände wären. Außerdem braucht man freie Plätze für Besucher.“ Am 5. April sei ein Workshop mit den Stadtwerken geplant. Dabei gehe es unter anderem darum, ob es am Vaihinger Bahnhof künftig eine Mobilitätsdrehscheibe gebe, die über mietbare Stella-Elektroroller verfüge. Klar ist auch, dass für ein breites Angebot von Elektrofahrzeugen auch eine Lade-Infrastruktur aufgebaut werden muss. Auch hier könnte die App zeigen, wo man Strom tanken kann. Damit alle Angebote aber für die Kunden attraktiv sind, müssen sie nicht nur zuverlässig sein, sondern auch so getaktet, dass keine langen Wartezeiten entstehen.

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