Stuttgart 21 ist der Dauerbrenner beim gemeinsamen Pressestammtisch des Stadtseniorenrats und unserer Zeitung. Diesmal sorgt vor allem der geplante Pfaffensteigtunnel für Diskussionen.

Wie oft Stuttgart 21 beim Pressestammtisch in der Echterdinger Zehntscheuer bereits auf der Tagesordnung stand, können im Rückblick auch langjährige Teilnehmer des Formats nicht mit Sicherheit sagen. Da der gesamte Themenkomplex auch für den Filderraum ein Garant für Streit und Aufregung ist, muss es jedenfalls schon sehr häufig gewesen sein. Und auch dem jüngsten Besuch des S-21-Experten dieser Zeitung, Christian Milankovic, ging unmittelbar eine umstrittene Entscheidung mit großen Auswirkungen für die Fildern voraus: „Seit Ende vergangener Woche ist es sehr viel wahrscheinlicher geworden“, so der Thementeam-Koordinator für Mobilität und Verkehr, „dass einer der längsten Eisenbahntunnel Deutschlands auf den Fildern entsteht.“

 

Gemeint ist der sogenannte Pfaffensteigtunnel, für den das Eisenbahn-Bundesamt ganz aktuell die Baugenehmigung erteilt hat. Im Februar soll mit dem Bau der beiden Röhren begonnen werden. Der rund elf Kilometer lange Tunnel soll den neuen Flughafenbahnhof mit der Gäubahn verbinden. „Ende 2032 will die Bahn den Tunnel, der knapp zwei Milliarden Euro kosten soll, in Betrieb nehmen“, erklärt Milankovic.

„Bezweifelt werden vor allem die Prognosen zu Bauzeit und Kosten“, sagt Christian Milankovic beim Filder-Pressestammtisch. Foto: Torsten Schöll

Tunnel auf den Fildern könnte teurer werden

Hinzu kommt: Weil parallel auch die Gäubahnstrecke in Stuttgart unterbrochen wird, müssen bis zur Fertigstellung des Tunnels alle Fernreisenden auf der Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen in die S-Bahn umsteigen, um den Hauptbahnhof zu erreichen. Wie der Redakteur betont, halten Kritiker die gesamten Planungen zum Pfaffensteigtunnel für nicht seriös. „Bezweifelt werden vor allem die Prognosen zu Bauzeit und Kosten.“

Kritische Stimmen sind auch beim Pressestammtisch deutlich zu vernehmen: So betont etwa Frank Distel, der stellvertretende Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder, dass die Kostenschätzung für den Tunnel „von der Bahn wie immer gnadenlos unterschätzt“ sei. Anhand von bereits gebauten Tunneln gehe die Schutzgemeinschaft von einem Baupreis für den Pfaffensteigtunnel von drei Milliarden Euro aus. „Am Ende werden dann 3,5 Milliarden herauskommen“, so Distel.

Kommt eine S-Bahn-Linie zwischen Schwabstraße und Vaihingen?

Ein weiterer Zuhörer nimmt am Dienstagvormittag Bezug auf die jüngsten Aussagen des Münchner Gutachters Martin Vieregg, über die unsere Zeitung kürzlich berichtet hat. Demnach rechnet der Experte damit, dass bis zum Jahr 2035 jeder Kilometer Eisenbahntunnel in Deutschland mindestens 500 Millionen Euro kosten werde. „Auch für den Pfaffensteigtunnel hieße das, dass er sehr viel teurer werden würde“, betont der Teilnehmer. Derselbe Zuhörer stellt zudem die Frage, was zu erwarten sei, wenn Bahnreisende der Gäubahn in Vaihingen künftig auf eine nicht funktionierende S-Bahn träfen. Eine Sorge, die auch Milankovic teilt: „Ich will mir nicht vorstellen, wie ein 40-Meter-Kurzzug der Stadtbahnlinie 14 aussieht, wenn die Fahrgäste eines Regionalexpresses eingestiegen sind.“ Das Umstiegskonzept, so Milankovic, unterstelle, dass das S-Bahn-System in Stuttgart nach der Kappung der Gäubahn zuverlässig funktioniere. Geplant sei, ergänzt der Redakteur, dass dann eine vierte S-Bahn-Linie zwischen Schwabstraße und Vaihingen verkehre.