Filder-Sauerkraut „Man kann immer was suchen“: Sauerkraut-Hersteller zu schlechten Testergebnissen

Armin Schlecht ist der Chef der Sauerkonservenfabrik Fritz Schlecht und äußert sich zur Ökotest-Kritik. Foto: Caroline Holowiecki

Im Herbst hat Ökotest Sauerkraut getestet. Ausgerechnet Produkte aus der hiesigen Kraut-Gegend haben schlecht abgeschnitten. Wie reagieren Hersteller aus Bernhausen und Esslingen?

Als sei der Geruch in die Wände gekrochen. Im gesamten Gebäude durftet es latent nach dem berühmten Filderspitzkraut. Armin Schlecht, der Chef der Sauerkonservenfabrik Fritz Schlecht mit Sitz in Bernhausen, trägt einen Blaumann. Es gibt immer viel zu tun. In dem kleinen Betrieb, der nach eigenen Angaben 1000 Tonnen Rohkraut pro Jahr verarbeitet, ist jede Hand gefragt. Verarbeitet werden das eigene und das von der Filderebene zugekaufte Kraut in der Zeit zwischen September und Dezember, „dann fangen wir mit dem Pflanzen wieder an“, sagt der 51-Jährige.

 

Armin Schlecht ist ein Mann, der Ruhe ausstrahlt. Tief drinnen brodelt es aber. Im Herbst hat das Verbrauchermagazin Ökotest Sauerkraut geprüft, unter anderem zwei Produkte von ihm. Für seinen Klassiker „Filder Spitzbüble feinmildes Weinsauerkraut“ hat es Kritik gesetzt. Im Test wurde ein „stark erhöhter“ BPA-Wert bemängelt. Die Industriechemikalie Bisphenol A kann in Lebensmittel übergehen. Im Fokus steht vor allem der Innenlack von Konservendosen. „Bisphenol A ist in der EU als wahrscheinlich reproduktionstoxisch eingestuft und wird in Zusammenhang mit zahlreichen weiteren Risiken diskutiert. Unter anderem gibt es neuere Hinweise, dass die Verbindung bereits in winzigen Mengen das menschliche Immunsystem beeinträchtigen könnte“, schreibt Ökotest.

Ökotest monierte, der Vitamin-C-Gehalt sei niedriger als angegeben

Schlecht wurde zudem dafür gerüffelt, dass der deklarierte Vitamin-C-Gehalt zu stark vom im Labor ermittelten Wert abweiche. „'Mit natürlichem Vitamin C' schreiben das ‚Filderperle Bio Sauerkraut' und das 'Filder Spitzbüble feinmildes Weinsauerkraut' auf die Frontseite und deklarieren 22 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm Kraut“, heißt es seitens Ökotest, das Nachmessen im Labor habe ergeben, dass nicht mal ein Fünftel dessen drin sei. Die Filderperle enthalte zudem mehr Salz als angegeben. Dieses Produkt hat in der Gesamtschau von Ökotest die Note „befriedigend“ erhalten, das Filder Spitzbüble nur die Wertung „ausreichend“. In der Schule ist das eine Vier.

Eines vorab: Armin Schlecht betont, er habe komplett auf auf BPA-freie Dosen umgestellt, das habe er schon vor dem Test in die Wege geleitet. Gleichwohl sagt er: „Wir sind ja im Grenzwert.“ Auch die andere Kritik will er nicht hinnehmen. Sowohl beim Vitamin C als auch beim Salz handle es sich um durchschnittliche Nährwerte. Schwankungen könne es wegen vieler Faktoren geben. „Sauerkraut ist ein natürliches Produkt, die Fermentation läuft nicht unter Laborbedingungen ab.“ Armin Schlecht reagiert verschnupft. „Man kann immer was suchen“, findet er. Die angesetzten Kriterien kritisiert er ebenso wie Ökotest an sich. „Ökotest als das Maß aller Dinge zu sehen, finde ich schwierig.“ Dennoch: Die Angabe zum Vitamin-C-Gehalt habe er von seinen Produkten getilgt.

Auch die Firma Hengstenberg ist von Ökotest kritisiert worden. Foto: Pressefoto Horst Rudel

Die Firma Schlecht ist immer noch besser weggekommen als die zweite lokale Firma im Test: Hengstenberg aus Esslingen. Vom Marktführer, der nach eigenen Angaben pro Jahr etwa 20 Millionen Verpackungen Sauerkaut verkauft, stammt das einzige als „mangelhaft“ bewertete und daher durchgefallene Produkt „Mildessa Mildes Weinsauerkraut“. Zum einen wurden laut Test zwei Pestizide in Spuren nachgewiesen, darunter das Insektizid Spirotetramat-Metabolit. Hierzu schreibt Ökotest, dass das Mittel laut der Europäischen Chemikalienagentur im Verdacht stehe, die Fortpflanzungsfähigkeit beim Menschen zu beeinträchtigen und seit 2024 in der EU nicht mehr zugelassen sei. Während der Produktion der Testprodukte sei aber noch eine Aufbrauchsfrist gelaufen. In Mildessa sei zudem ebenfalls ein „stark erhöhter“ BPA-Wert gemessen worden. Ökotest hat auch zwei Produkte der Hengstenberg-Tochter Voss & Zobus angeschaut, das „Greenland Weinsauerkraut mild“, erhältlich bei Penny, und „Jeden Tag Weinsauerkraut mild“. Beide sind deutlich günstiger als das Mildessa-Kraut – und haben jeweils die Note „sehr gut“ ergattert.

Hengstenberg: „Nicht repräsentativ“

Trotzdem fühlt man sich bei Hengstenberg ungerecht behandelt und moniert auf Anfrage, „dass Ökotest nur Produkte eines Tages und einer Uhrzeit untersucht hat, sodass das Ergebnis aus unserer Sicht nicht repräsentativ für unser Produkt ist“. Die Sprecherin Katja Behringer versichert, dass das untersuchte Produkt Mildessa nach allen EU-Rechtsvorgaben „absolut verkehrsfähig“ sei. Die gefundenen Spuren von BPA schöpften den aktuell geltenden Grenzwert nur zu einem geringen Teil aus. „Bislang existiert EU-weit noch keine abschließende Meinung zur gesundheitlichen Bewertung von BPA. Beispielsweise hält das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung eine deutlich höhere Tagesdosis für tolerabel als die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit“, heißt es aus dem Hause Hengstenberg. Nichtsdestotrotz scheint die Kritik verfangen zu haben. „Wir sind mit unseren Dosenherstellern in Kontakt und bemühen uns, möglichst rasch einen Dosenlack ohne BPA zu finden und einsetzen zu können“, erklärt Katja Behringer. Ebenso stehe man im ständigen Kontakt mit den Landwirten und halte sie an, den Einsatz von Pestiziden aufs Notwendigste zu reduzieren.

Armin Schlecht sagt, er denke schon länger darüber nach, wie es mit seiner Sauerkonservenfabrik weitergehen solle. „Sauerkraut ist kein Zukunftsmarkt, das ist mehr eine Nische“, bekennt er, die Nachfrage gehe zurück. Gegen andere Produkte, etwa das hippe koreanische Kimchi, komme er nicht an. Sein Betrieb sei der letzte in Filderstadt, der noch auf diese Weise produziere. „Wir strengen uns an, wir stehen selber im Betrieb. Da tut so eine Kritik schon weh.“

Wie das Sauerkraut getestet wurde

Test
Für die Ausgabe 11/2025 hat das Verbrauchermagazin Ökotest Sauerkraut unter die Lupe genommen. Getestet wurden 28 Produkte von konventionell bis Demeter. Ausgesucht wurden Dosen, Beutel und Gläser, bei denen lediglich Weißkohl, Salz und allenfalls Weißwein auf der Zutatenliste standen. Die gute Nachricht für Verbraucherinnen und Verbraucher: Elf Produkte erhielten die Note „sehr gut“, weitere elf schnitten „gut“ ab, und zwei befanden die Fachleute als befriedigend. Vier Produkte waren „ausreichend“, nur eines fiel als „mangelhaft“ durch.

Ökotest
Ökotest ist einer der ältesten Testanbieter in Deutschland. Das Team hat nach eigenen Angaben seit 1985 mehr als 100 000 Produkte und Dienstleistungen unter verschiedenen Fragestellungen im Sinne des Verbraucherschutzes untersucht, „neutral, sachkundig, objektiv“, wie man online liest.

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