Filder/Schönbuch Beim Busverkehr läuft es nicht rund

Für Pendler sehr ärgerlich: auf den Bus zu warten. Foto: Imago Images/Westend61/Bartek Szewczyk

Für einige Buslinien in der Filderregion gilt seit Montag ein Notfahrplan. Das bedeutet, dass weniger Busse fahren. So soll das Angebot auf eine „verlässliche Grundlage“ gestellt werden. Die massive Kritik hält aber an.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Filder/Schönbuch - Der Filderstädter Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Grüne) findet klare Worte: „Der durch die Firma Melchinger verantwortete Busverkehr wird seit Jahren nur unzuverlässig erbracht“, schreibt er in einen Brief an den Landrat Heinz Eininger, der unserer Zeitung vorliegt. Es habe unzählige Gespräche, E-Mails und runde Tische gegeben, ohne dass eine dauerhafte Verbesserung eingetreten wäre.

 

„Aus meiner Sicht darf das Unvermögen eines Unternehmens, für einen reibungslosen Busverkehr zu sorgen, nicht mehr länger auf den Rücken der Fahrgäste ausgetragen werden“, schreibt Gastel. Aus den Kommentaren gefrusteter Fahrgäste entnehme er, dass die anhaltende Unzufriedenheit mit im Wesentlichen einem Unternehmen zunehmend das Image des gesamten öffentlichen Nahverkehrs in der Region negativ beeinträchtige.

Erhebliche Einschränkung der Flexibilität

Anlass für Gastels Unmut ist der Notfahrplan, der seit Montag für das Linienbündel 11 gilt. Das Landratsamt Esslingen hatte am Freitagvormittag darüber informiert, dass aufgrund von „betrieblichen Störungen“ das aktuelle Fahrplanangebot im Linienbündel 11 (AichtalFilderstadt) nicht länger erbracht werden könne. Da es „des Öfteren“ zu Fahrtausfällen gekommen sei, habe sich das Landratsamt mit dem Busunternehmen Melchinger und dem Verkehrsverbund Stuttgart darauf verständigt, kurzfristig das Fahrplanangebot auf eine „verlässliche Grundlage“ zu stellen. Im Klartext heißt das, dass die Zahl der Fahrten auf den Linien 167, 805, 808, 809 und 808A reduziert wurde.

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Gastel schreibt dazu: „Notfahrpläne, die kurzfristig in Kraft gesetzt werden und eine ganze Reihe von Buslinien betreffen, stellen für die Fahrgäste eine erhebliche Einschränkung ihrer Flexibilität dar und müssen daher so schnell wie möglich wieder in verlässliche und vollständige Angebote münden. Ich kann mir leider nicht vorstellen, dass dies mit der Firma Melchinger gelingen kann.“

Probleme gibt es vor allem in Aichtal

Mindestens genauso aufgebracht ist Sebastian Kurz, der Bürgermeister von Aichtal. „Seit der Übernahme des Linienbündel 11 durch die Firma Melchinger läuft es nicht rund beim Busverkehr in Aichtal und Umgebung. Die Aichtaler kritisieren seit fast zwei Jahren, dass die Busse unpünktlich seien, die Fahrer teils die Routen nicht kennen, Kinder an den Haltestellen nicht mitgenommen werden und nicht alle Fahrzeuge in technisch einwandfreiem Zustand seien“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt .

Es habe sogar Meldungen gegeben, dass Bustüren nicht richtig schließen und mit einem Seil zugebunden worden seien, ergänzt der Bürgermeister. Ihm liegen inzwischen 250 Seiten an Beschwerden vor, die das Busunternehmen teilweise bis heute nicht beantwortet habe. Auch die Versuche unserer Redaktion, die Firma Melchinger für eine Stellungnahme zu kontaktieren, endeten stets in der Warteschleife.

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Ebenso wie Gastel hat auch Kurz an Landrat Eininger geschrieben. „Ich möchte Sie bitten, sich dafür einzusetzen, dass durch den Landkreis als Auftraggeber kurzfristig mehr Qualitätskontrollen durchgeführt werden.“ Der ÖPNV müsse auf allen Betriebsebenen funktionieren. Sonst werde kein Umdenken beim potenziellen Nutzer stattfinden können, schreibt Kurz.

Er kritisiert auch, dass der Notfahrplan zumindest am Montag alles andere gewesen sei als eine „verlässliche Grundlage“, wie vom Landratsamt angekündigt. Wieder seien zahlreiche Kinder an den Bushaltestellen stehen gelassen worden, teilweise sei gar kein Bus gekommen. An keiner einzigen Bushaltestelle im Aichtal habe der neue Fahrplan gehangen. Allein bis Montagmittag habe es allein bei seiner Stadt mehr als zehn Beschwerden gegeben. „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand sind am Montagmorgen zwei Busse nicht gefahren“, heißt es dazu aus der Pressestelle des Landratsamts. Auch dort seien wieder Beschwerden eingegangenen. Zu der Frage, wie man mit diesen umgehe, heißt es: „Das Bestreben des Landratsamtes ist es vorrangig, den Busverkehr auf den entsprechenden Linien aufrecht zu erhalten. Dazu prüfen wir derzeit alle Möglichkeiten.“

Die Situation in Filderstadt

Auf Filderstadt haben die neuerlichen Probleme bei der Steinenbronner Firma Melchinger sowie der Notfahrplan geringere Auswirkungen, weil die Stadtteile auch noch durch viele andere Buslinien angebunden sind. Doch seit das Landratsamt einen Notfahrplan angekündigt habe, würden sich die Beschwerden wieder deutlich häufen, sagt der Ordnungsamtsleiter Jan-Stefan Blessing, insbesondere, weil nicht einmal dieser Notfahrplan eingehalten werde. „Die aktuelle Situation ist unbefriedigend, vor allem im Schülerverkehr gibt es Probleme“, sagt Blessing. Diese müssten beim nächsten Runden Tisch mit dem Landratsamt und dem Unternehmen besprochen werden. „Wir brauchen langfristig eine zuverlässige Lösung“, fordert Blessing. Dafür habe der Landkreis als Aufgabenträger Sorge zu tragen. Positiv bewertet er, dass das Landratsamt bereits auf die Probleme reagiert habe.

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