Filder/Schönbuch Inzwischen gibt es mehr Pferde als Kühe

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Die Zahl der Reiterhöfe hat zugenommen. Wer Kühe hält, kann davon allein nicht mehr leben. Die Bauern auf den Fildern und im Schönbuch haben sich deshalb zusätzliche Standbeine geschaffen.

Der Sielminger Bauer Wilfried Auch treibt einige seiner Kühe auf die Weide. Foto: Otto-H. Häusser
Der Sielminger Bauer Wilfried Auch treibt einige seiner Kühe auf die Weide. Foto: Otto-H. Häusser

Filder/Schönbuch - Viele Kuhbauern haben schon aufgegeben. Es gibt nur noch wenige Landwirte, die auf den Fildern und am Schönbuchrand Kühe halten und die Milch verkaufen. Den Grund für das allmähliche Verschwinden der Kühe sieht der Leiter des Landwirtschaftsamt Nürtingen, Reinhold Klaiber, in der fehlenden Wirtschaftlichkeit. „Der Milchpreis ist mit 35 Cent pro Liter zu niedrig“, sagt Klaiber. Um von der Milchviehhaltung leben zu können, brauche man rund 120 Kühe im Stall.

Doch so viele Kühe hat in Filderstadt oder Leinfelden-Echterdingen niemand. In Filderstadt konzentriert sich der milchproduzierende Tierbestand auf Sielmingen. Markus Bauer hat rund 50 Kühe im Stall „Davon kann der Hof aber nicht existieren“, sagt er. Sein zweites Standbein ist eine Biogasanlage. In ihr kann er gut die Gülle seiner insgesamt hundert Rinder verarbeiten.

Erschwerte Bedingungen

Deutlich weniger Kühe stehen auf dem Hof von Wilfried Auch. 14 Milchproduzentinnen hält er in seinem Laufstall in Sielmingen. Einige von ihnen, die daran gewöhnt sind, dürfen auch auf die Weide. Doch zur Zeit sieht es mit dem Futter wegen der anhaltenden Trockenheit schlecht aus. „Auch beim Mähen kommt nicht genug Gras zusammen“, sagt er. Er müsse jetzt überlegen, ob er schon das eingelagerte Winterfutter angreife.

Es werde generell immer schwieriger, die Kühe zu versorgen. Die Fläche der Felder, die er pachten könne, verringere sich. „Der Siedlungsdruck ist hier einfach zu groß“, sagt Auch. Er habe durch die Erweiterung des Flughafens, den Bau des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, des Boss-Logistikzentrums und des Ärztehauses an der Reutlinger Straße viel Wirtschaftsfläche verloren.

Hinzu komme laut Auch, dass die Auflagen für die Tierhaltung zugenommen haben, und der Kauf neuer Maschinen im Vergleich zu früher deutlich teurer sei. Ohne die Direktvermarktung von Gemüse und Salat könnte sein Betrieb nicht existieren. Die erschwerten Bedingungen haben dazu geführt, dass allein zwischen 2010 und 2016 laut Statistischem Landesamt einige Milchviehbetriebe aufgegeben haben. In Leinfelden-Echterdingen sank die Zahl dieser Höfe von fünf auf zwei, in Filderstadt von fünf auf vier. Gleichzeitig hat die Zahl der Reiterhöfe zugenommen: in Filderstadt von elf auf 15, in Leinfelden-Echterdingen von vier auf fünf. In Filderstadt haben die Pferde die Kühe in der Statistik deutlich abgehängt. Dort gab es im Jahr 2016 insgesamt 279 Pferde und 67 Kühe.

Es reicht nicht, um davon leben zu können

Aus der Reihe schlägt Steinenbronn. Dort lebten 2010 schon keine Milchkühe mehr und die Zahl der Reiterhöfe ist von drei im Jahr 2010 auf null im Jahr 2016 gesunken. Ähnliche Entwicklungen wie auf den Fildern sind dagegen in Waldenbuch zu beobachten. Dort sank im Vergleichszeitraum die Zahl der Milchkühe von 103 auf 34. Die Zahl der Pferde nahm dagegen zu – von 60 auf 93.

Viele Betriebe auf den Fildern, die noch Tiere halten, hätten sich Nischen geschaffen, um weiter existieren zu können, sagt der Leiter des Landwirtschaftsamts, Reinhold Klaiber. Dies gilt auch für den Hof von Hermann Mayer in Waldenbuch. Er hält rund 300 Mutterschafe. „Um davon leben zu können, bräuchte man aber doppelt so viele.“ Eine zusätzliche Einnahmequelle für ihn und seinen Neffen Michael sind Gänse und Göckele. Sie werden zu Weihnachten geschlachtet. Die Direktvermarktung ist für die beiden Bauern ein wichtiges Standbein.

Biotoppflege bringt gute Einnahmen

Noch wichtiger sei allerdings die Pflege von Biotopen, die sie im Auftrag des Landkreises Esslingen übernehmen. Dazu gehört das Mähen der Wiesen im Schaichtal. „Das wird gut bezahlt“, sagt Hermann Mayer, „und die Zusammenarbeit klappt.“Für den Hausgebrauch hält er auch einige Schweine. Die müssen seiner Meinung nach allerdings schwäbisch-hällischer Herkunft sein. „Das ist ein ganz besonderes Fleisch“, sagt der Fachmann. Er ist froh, dass er die Ferkel, die von ihm aufgezogen werden, regelmäßig von der Wilhelma in Bad Cannstatt bekommt.




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