Filder und Schönbuch Was vor Ort auf Schlecker folgte

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Anlässlich des Prozesses gegen Anton Schlecker hat sich die Redaktion gefragt: Was ist aus den früheren Filialen geworden? Antworten nach einer Spurensuche in Echterdingen, Filderstadt, Waldenbuch und Steinenbronn.

Im Jahr 2013 ging es zu Ende mit Schlecker. Auch in Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt, Steinenbronn und Waldenbuch. Bilder der ehemaligen Filialen gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: dpa 7 Bilder
Im Jahr 2013 ging es zu Ende mit Schlecker. Auch in Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt, Steinenbronn und Waldenbuch. Bilder der ehemaligen Filialen gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: dpa

Filder/Schönbuch - Für Shpresa Gashi war die Eröffnung des Friseursalons vor vier Jahren ein Neubeginn. Sie hat sich damals an der Stuttgarter Straße 29 in Steinenbronn selbstständig gemacht. Zuvor hatte sie sieben Jahre lang als Angestellte bei einem alteingesessenen Friseur im Ort Haare geschnitten. Als sich die damalige Betreiberin in den Ruhestand verabschiedete, bot sie Gashi den Salon an, erzählt Letztere. Nur leider konnte sie am bisherigen Standort nicht weitermachen. Also suchte sie nach einer passenden Alternative – und fand sie an der Stuttgarter Straße. Dort hatte gerade der Schlecker seine Regale leer geräumt. Den Nachnamen ihrer alten Chefin – Klauss – hat Gashi mitgenommen.

Nicht nur in Steinenbronn ist im Jahr 2013 ein Schlecker-Laden freigeworden. Die Pleite von Anton Schlecker spülte etliche Gewerbeflächen auf den Immobilienmarkt. Die Liste der betroffenen Läden, die die Gewerkschaft Verdi damals erstellt hatte, ist entsprechend umfangreich. Darunter, laut der Verdi-Liste, insgesamt sechs Standorte in Filderstadt, in Leinfelden-Echterdingen, in Waldenbuch und eben in Steinenbronn.

An drei ehemaligen Schlecker-Standorten ist auch heute eine Kette

Nicht in all diesen sechs ehemaligen Schlecker-Filialen hat jemand sein Glück versucht und sich selbstständig gemacht. An drei dieser Standorte ist auch heute eine Kette zu finden. In Bonlanden an der Bonländer Hauptstraße 72 verkauft Matratzen-Concord alles rund ums Schlafen. Und in Bernhausen bietet der Textilhändler NKD an der Nürtinger Straße 5 seine Waren feil. Für beide Unternehmen ist der Laden einer unter vielen. Der Matratzen-Großhändler betreibt nach eigenen Angaben über 1000 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und NKD gibt 1800 Filialen in Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien und Kroatien an.

Eine dritte Kette hat sich den Standort an der Bernhäuser Straße 3 in Echterdingen gesichert: Schuh-Beck. Im Vergleich zu Matratzen-Concord und NKD handelt es sich hierbei allerdings um ein überschaubares Unternehmen. Der Schuhhändler mit Sitz in Böhringen auf der Schwäbischen Alb hat elf Standorte in Baden-Württemberg, wie der Geschäftsführer Ingo Hänel auf Anfrage mitteilt. Er berichtet, dass Schuh-Beck damals, als Schlecker pleite ging, auf Filialsuche gegangen ist – wie viele andere auch. „Die Topstandorte von Schlecker waren ruckzuck weg“, sagt Hänel. Mit dem Ableger in Echterdingen ist er zufrieden. Wobei er einräumt, dass sich das Umfeld in den vier Jahren, in denen sie Schuhe an der Bernhäuser Straße verkaufen würden, verändert habe. Ein Wandel, der nach Hänels Einschätzung bei den Kunden nicht zu mehr Kauflaune beigetragen habe.

Kosovarische Metzgerei in Filderstadt-Sielmingen

In Sielmingen hat sich Dzim Gashi in einer ehemaligen Schlecker-Filiale selbstständig gemacht, wenn auch nicht direkt nach der Schlecker-Pleite. Er hat vor einem halben Jahr eine kosovarische Metzgerei an der Sielminger Hauptstraße 13 eröffnet. Zuvor habe er 22 Jahre als Angestellter in einer Metzgerei in Bernhausen gearbeitet, berichtet er. Das Besondere an seiner eigenen Metzgerei in Sielmingen: Es gibt kein Schweinefleisch.

Am ehemaligen Schlecker-Stadort in Waldenbuch haben sich die Dinge recht praktisch gefügt. Eine Familie, die bereits zuvor ein paar Häuser weiter an der Straße Auf dem Graben eine Firma für Gebäudereinigung betrieben hat, konnte an die Adresse mit der Hausnummer 29 umziehen. Und zwar nicht nur geschäftlich, sondern auch privat. Das berichtet die Mutter von Simon und Stefania Sorriento, die den Betrieb leiten. Die neue Adresse habe sich angeboten, haben sie im ehemaligen Schlecker doch viel mehr Platz, um ihre Gerätschaften zu lagern.