Filder Wie Musikschulen die Corona-Krise meistern

Von Natalie Kanter und  

Die Einrichtungen in Leinfelden Echterdingen und Filderstadt sind während des Lockdowns auf Online-Unterricht ausgewichen. Fraglich ist, ob sie nach den Ferien weiterhin andere Räume außerhalb ihrer Gebäude nutzen können.

Der Auftritt des Chors der Filderstädter Grundschüler (hier ein Bild von 2015) musste in diesem Jahr wegen Corona abgesagt werden. Foto: Archiv/Malte Klein
Der Auftritt des Chors der Filderstädter Grundschüler (hier ein Bild von 2015) musste in diesem Jahr wegen Corona abgesagt werden. Foto: Archiv/Malte Klein

Filder - So hatten sich die Lehrer und Schüler der städtischen Musikschule Leinfelden-Echterdingen dieses Schuljahr nicht vorgestellt. Eigentlich sollte das 40-jährige Bestehen der Schule gefeiert werden. 115 Nachwuchsmusiker gestalteten im Herbst 2019 noch ein Jubiläumskonzert. Doch dann breitete sich das Corona-Virus auch in Deutschland immer weiter aus. Ende der Faschingsferien mussten die ersten Lehrkräfte in Quarantäne geschickt werden. Knapp die Hälfte der 40 geplanten Festveranstaltungen musste abgesagt werden.

Digital unterrichtet

Die Musikschule blieb bis zum 13. Mai komplett geschlossen, danach wurde der Präsenz-Unterricht Schritt für Schritt wieder aufgenommen, wenn auch unter den gebotenen Hygiene- und Abstandsregeln. Gleich zu Beginn der Krise haben sich laut Musikschulleiterin Christine Weiler sämtliche Lehrkräfte engagiert bemüht, mit all ihren Schülern in Kontakt zu bleiben und neue, digitale Unterrichtsformen anzubieten. Jüngere, digital versierte Kollegen gaben älteren in Sachen Neue Medien Nachhilfe. Allerdings konnten manche Haushalte mit dem digitalen Unterricht nicht mithalten. Sie stellt fest: „Digitalisierung ist ein Thema, an dem wir dran bleiben müssen.“ Die Schule nutzt mittlerweile Facebook und Instagram, um auf sich aufmerksam zu machen. Dort werden Instrumente vorgestellt, die an der Schule erlernt werden können.

Noch halten die meisten Schüler der städtischen Musikschule die Treue. Die Abmeldezahlen seien nicht viel höher, als in den vergangenen Jahren, erklärt Weiler. Weil aber Gruppenunterricht digital nur schwer möglich war und beispielsweise Kurse der elementaren Musikerziehung komplett ausfallen mussten, hat die Schule in diesem Schuljahr rund 36 000 Euro und damit rund fünf Prozent weniger eingenommen, als geplant. Kursentgelte mussten erstattet werden, Kooperationen und Veranstaltungen fanden nicht statt.

Unklarheit wegen Raumsituation

Die Leiterin geht davon aus, dass es auch im neuen Schuljahr einen Wechsel zwischen Präsenz- und Online-Unterricht geben wird. Sie sagt: „Wir sind darauf angewiesen, dass wir Räume haben, wo unsere Kurse auch stattfinden können.“ Noch sei unklar, ob die Lehrer künftig dort unterrichten können, wo sie vor der Krise ihre Kurse angeboten haben. Denn die Musikschule ist nicht nur am Echterdinger Zeppelinweg, sondern auch in Schulen und Kitas des gesamten Stadtgebietes zu finden. Möglicherweise brauchen diese ihre Räume aufgrund der Corona-Hygieneregeln aber komplett selbst.

Doch auch hier gibt es gute Nachrichten: Die evangelische Kirche Leinfelden hat der Musikschule einen Saal im Gemeindehaus angeboten, den sie zeitweise nutzen kann. Der Musberger Bürgersaal kann immer wieder belegt werden. Im Gespräch ist auch Unterricht im alten Rathaus Stetten, im Leinfelder Haus oder auch im Echterdinger Heimatmuseum.

In Filderstadt gibt es bei der Musikschule Filum weniger Raumprobleme. „Bei uns sind zwar auch Schulräume für den Musikunterricht weggebrochen“, sagt die Leiterin Maria Fiedler. Im neuen Musikschulgebäude habe man jedoch inzwischen die meisten Probleme lösen können. Wegen der Hygiene-Vorschriften sei beispielsweise der Gitarrenunterricht in kleinere und der Bläserunterricht in größere Räume verlegt worden.

Förderverein unterstützt zehn Familien

Während des Lockdowns sei nur digital unterrichtet worden. Von den Schülern aus rund 1000 Familien hätten nur ganz wenige nicht teilnehmen können. „Manchmal war es schwierig, wenn bei drei Kindern einer Familie nur ein Handy zur Verfügung stand“, sagt Fiedler. Die zehn Familien, die wegen Corona in finanzielle Not gekommen seien, habe der Förderverein unterstützt. Das Gute am Filum sei, dass es dort auch ein Café gebe. „Da können die Eltern auf ihre Kinder warten“, sagt Fiedler. Die Schüler würden auf der einen Seite, die Eltern auf der andern ins Gebäude gelangen.

Auch in Filderstadt hat es übrigens ein kleines Jubiläum gegeben, das nicht gefeiert werden konnte. Zum zehnten Mal wäre in diesem Jahr der vereinigte Grundschulchor in der Filharmonie aufgetreten. Wegen der Abstandsregeln ging dies natürlich nicht. Als Alternative bietet die Musikschule nun einen Film von vergangenen Auftritten auf der Homepage der Stadt unter www.filderstadt.de an.




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