Filderbahnhof Flughafen will nicht von Stuttgart 21 getrennt werden

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Flughafen-Geschäftsführer Walter Schoefer will nicht, dass der Flughafenbahnhof vom Rest von Stuttgart 21 getrennt wird. Er sagt, dass sich die Bahn erstmal um ihre Probleme im Talkessel kümmern soll.

Flughafen-Chef Schoefer erinnert die Bahn an ihre Probleme im Kessel. Foto: Lg/Piechowski
Flughafen-Chef Schoefer erinnert die Bahn an ihre Probleme im Kessel. Foto: Lg/Piechowski

Stuttgart - Flughafen-Geschäftsführer Walter Schoefer ist entsetzt über den Vorschlag des Regionalpräsidenten Thomas Bopp (CDU), dass die Anbindung des Airports an den Tiefbahnhof und die Neubaustrecke zur Not auch später fertig werden dürfe als der Rest von Stuttgart 21. „Ich sehe das äußerst kritisch und lege im Namen des Flughafens größten Wert darauf, dass das gesamte System von Stuttgart 21 gleichzeitig in Betrieb geht“, sagt Schoefer auf Anfrage der StZ.

Bopp hatte im Blick auf das Treffen der S-21-Projektpartner am Freitag in Berlin in der Mittwoch-Ausgabe der StZ gesagt, dass er gegebenenfalls bereit wäre, eine spätere Inbetriebnahme des Flughafenbahnhofs in Kauf zu nehmen, wenn damit gewährleistet wäre, dass der Zeitverzug eine bessere Lösung mit sich brächte als die mängelbehaftete Antragstrasse. Wörtlich hatte Bopp gesagt: „Falls wir eine bessere Lösung zur Anbindung des Flughafens nicht hinkriegen, ohne diesen Planungsabschnitt vom Gesamtprojekt zu trennen, dann müssen wir diese Kröte unter Umständen schlucken.“

Kein Mensch wisse, wann S 21 wirklich fertig wird

Dies sieht Walter Schoefer ganz anders. „Wenn wir das Prinzip der gleichzeitigen Inbetriebnahme des gesamten Systems jetzt aufgeben, riskieren wir endlose Diskussionen darüber, wann und wie der Flughafen überhaupt angebunden wird“, sagt der für Immobilien, Planung und Bau zuständige Flughafenchef. Der Bahn schreibt er ins Stammbuch, dass sie „erstmal im Talkessel schauen soll, dass sie dort ihre Probleme in den Griff bekommt“. Allein beim Grundwassermanagement habe die S-21-Bauherrin „leider Gottes so gewaltige Verzögerungen zu verzeichnen, dass es nicht absehbar ist, ob es überhaupt notwendig wird, über eine Abkoppelung der Flughafenanbindung vom bisherigen Zeitplan zu reden“. Zwar versuchten „alle Beteiligten darauf hinzuwirken, dass das Projekt 2021 oder 2022 fertig wird, aber kein Mensch weiß, ob das auch wirklich gelingt“.

Der Flughafen-Geschäftsführer, der früher persönlicher Referent des CDU-Finanzministers Gerhard Mayer-Vorfelder war, liegt mit dieser Einschätzung auf einer Linie mit seinem Aufsichtsratschef Winfried Hermann. Der Grünen-Verkehrsminister habe bei seiner Reise nach Berlin „das Votum von mir im Gepäck“. Übereinstimmend wüssten zwar beide, dass auch die Bahn das Projekt am liebsten in seine Einzelteile zerlegen würde. „Aber auf diese Art den Zeitdruck rauszunehmen, macht die Realisierung nicht schneller“, sagt Schoefer – und verweist darauf, dass der Flughafen 359 Millionen Euro für seine Anbindung an Stuttgart 21 zahlt. 114 Millionen seien bereits geflossen. Zum Vergleich: Der Frankfurter Flughafen habe für seinen neuen Bahnhof insgesamt nur 100 Millionen Euro bezahlt.

Bahn reagiert nicht auf neue Finanzierungsvorschläge

Unterdessen bleibt unklar, wie die Bahn auf den indirekten Finanzierungsvorschlag des Landes für die Mehrkosten einer verbesserten Flughafenanbindung reagiert. Wie berichtet, überlegen die Koalitionäre eine Kompensation über die Bestellung von zusätzlichen Zügen auf der Gäubahn herzustellen. Ein Bahn-Sprecher will sich dazu im Vorfeld des Spitzengesprächs am Freitag nicht äußern. Klar scheint aber, dass der Konzern die sogenannte „Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung 2“ beachten muss. Diese besagt, dass Einnahmen, die aus der Nutzung der Infrastruktur – also auch durch das Fahren von Zügen auf bahneigenen Gleisen – erzielt werden, nur wieder in die Infrastruktur gesteckt werden dürfen. Stuttgart 21 ist aber ein Investitionsprojekt – vulgo: andere Baustelle.

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