Filderbezirke in Stuttgart Ein freier Parkplatz ist selten

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Flughafen, Firmen und die beiden Universitäten: Die Parkplatznot in den Stuttgarter Filderbezirken wächst. Doch warum wird dort nicht einfach ein Parkraummanagement eingeführt – so wie in der Innenstadt und in Bad Cannstatt? Wir haben die Antworten auf die drängendsten Fragen.

Auch auf dem Uni-Campus in Stuttgart-Vaihingen drängeln sich die Parkplatzsuchenden. Vom kommenden Wintersemester an werden diese kostenpflichtig. Foto: Eileen Breuer
Auch auf dem Uni-Campus in Stuttgart-Vaihingen drängeln sich die Parkplatzsuchenden. Vom kommenden Wintersemester an werden diese kostenpflichtig. Foto: Eileen Breuer

Filder - Plieningen, Degerloch, Möhringen oder Vaihingen: In immer mehr Bezirken wird der Wunsch nach einem Parkraummanagement laut. Dann dürfen nämlich nur noch Anwohner mit speziellem Ausweis ohne Limit auf der Straße parken. Auswärtige ohne Ausweis müssen ein Parkticket lösen. Bisher gilt diese Regelung lediglich in der Innenstadt und in Bad Cannstatt, nicht aber in den Außenbezirken.

Warum wird die Parkplatzsituation immer angespannter?

Zum einen tragen die Anwohner selbst zum Parkdruck bei; viele Familien haben heute mehr als ein Auto. Doch dazu kommen weitere Faktoren: In Plieningen leiden die Anwohner vor allem unter der Nähe zum Flughafen. Die Passagierzahlen steigen seit Jahren. Und weil es teuer ist, sein Auto für einen längeren Zeitraum in den Parkhäusern des Flughafens abzustellen, suchen immer mehr Urlauber nach günstigen Alternativen. Von Plieningen gibt es schnelle Busverbindungen zum Flughafen oder man nimmt sich ein Taxi.

In Möhringen und Vaihingen ist es die wachsende Anzahl an Firmen sowie die gute Anbindung, die den Parkdruck stetig wachsen lassen. Vom Möhringer Stadtteil Fasanenhof ist man schnell am Flughafen, der Vaihinger Stadtteil Rohr sowie die Gegend rund um die Universität in Vaihingen sind begehrt für diejenigen, die mit der S-Bahn weiterreisen wollen.

Die Degerlocher leiden unter den Auswärtigen, die in die Innenstadt wollen, ihr Auto kostenfrei bei ihnen abstellen und die letzten vier Kilometer mit der Stadtbahn zurücklegen, die von Degerloch aus im Minutentakt ins Stadtzentrum fährt. Dazu kommt die Befürchtung, dass die Tarifreform im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) den Parkdruck in den Außenbezirken wachsen lassen könnte. Einige könnten mit dem Auto bis dicht hinter die Stadtgrenze fahren, einen Gratisparkplatz suchen und dann mit dem günstigen Ein-Zonen-Ticket ins Zentrum fahren.

Was muss passieren, damit ein Stadtbezirk ein Parkraummanagement bekommt?

Birgit Wöhrle ist Mitarbeiterin der Straßenverkehrsbehörde im Ordnungsamt und diejenige, die sich rund ums Parken bestens auskennt. Sie sagt: Bis ein Parkraummanagement eingeführt wird, vergehen mehrere Jahre. Im ersten Schritt müsse bewiesen werden, dass die Parkplätze in einem bestimmten Gebiet tatsächlich knapp sind. „Die Auslastung muss 100 Prozent oder mehr betragen. Das heißt: Kein einziger Parkplatz bleibt frei, und möglicherweise parken einige Menschen sogar regelwidrig, weil sie nichts mehr finden.“ Um die Auslastung zu bemessen, schreiten geschulte Mitarbeiter in dem besagten Gebiet die Straßen ab, zählen Parkplätze und Autos. Sie messen zu drei Zeiten: um 10, um 15 und um 23 Uhr. Es müssen nicht zu allen drei Messzeiten 100 Prozent der Parkplätze belegt sein, sondern bei mindestens einer Messung.

Könnte man nicht auch einfach auswärtige Kennzeichen zählen?

Nein, denn 35 Prozent der Anwohner in Stuttgart haben kein Stuttgarter Kennzeichen, sagt Birgit Wöhrle. Das liegt an den vielen Firmen- oder Familienautos, die von mehreren Personen aus einer Verwandtschaft genutzt werden. Stattdessen könne man je nach Messzeit ein gutes Gespür dafür bekommen, wer in dem Gebiet parkt: „Ist um 10 Uhr alles voll, sind es in der Regel Pendler. Ist um 23 Uhr alles zugeparkt, sind es großteils die Bewohner“, sagt Wöhrle.

Wann wird die Stadt tätig und prüft, ob Anwohnerparken nötig ist?

„Wir geben eine Erhebung in Auftrag, wenn sich die Klagen häufen“, sagt Wöhrle. So habe es in der Vergangenheit viele Klagen von Anwohnern aus Vaihingen und Dürrlewang, Möhringen, Degerloch, Untertürkheim, Zuffenhausen und der Neckarvorstadt gegeben. Aus diesem Grund laufen in diesen Gebieten derzeit Messungen, teilweise sind diese sogar bereits abgeschlossen – in Vaihingen etwa. Zu den Ergebnissen darf Birgit Wöhrle jedoch noch nichts sagen: „Die nackten Zahlen sind zwar da, aber die müssen erst einmal analysiert werden.“ In Degerloch und Möhringen ziehen sich die Erhebungen noch: „Es können zum Beispiel dann keine Zählungen gemacht werden, wenn Feinstaubalarm ist, wenn Ferien sind oder wenn die SSB streikt. Das alles könnte die Ergebnisse verfälschen.“

Wie lange dauert es, bis nur noch Anwohner kostenlos parken dürfen?

Sobald klar ist, dass eine Anwohnerregelung nötig ist, dauert es noch einmal anderthalb bis zwei Jahre, bis die Ticketautomaten und die Schilder stehen und alle Bewohner ihre Ausweise bekommen. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sprechen vorher mit den jeweiligen Bezirksvorstehern, stellen Ideen im Bezirksbeirat vor und lassen dann den Stuttgarter Gemeinderat entscheiden. Danach muss jeder Standort für die Automaten festgelegt und jedes einzelne Verkehrszeichen geplant werden, sodass es keine Lücken in der Zone gibt. Drei Monate vor Beginn des Parkraummanagements werden die Anwohnerausweise ausgegeben. „Dabei müssen viele Einzelfallentscheidungen getroffen werden, wie etwa, wenn man das Auto der Tante fährt. Das dauert. Und viele kommen auf den letzten Drücker“, sagt Wöhrle. Zudem muss Personal gefunden und geschult werden: diejenigen, die später die Strafzettel verteilen.

Bekommen auch Plieningen, Birkach und Co. ein Parkraummanagement?

Das kann gut sein. Theoretisch könnte die Regelung langfristig im ganzen Stuttgarter Stadtgebiet eingeführt werden, denn im Luftreinhalteplan steht, dass überall dort ein Parkraummanagement eingeführt werden soll, wo es möglich ist. „Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange“, sagt Birgit Wöhrle. Allerdings wird dies noch dauern, selbst wenn massenhaft Klagen von Anwohnern kommen. Zunächst einmal müssen nämlich im Haushalt Gelder bewilligt werden, damit Erhebungen durchgeführt werden dürfen. Und wenn dies geschehen ist, müssen die entsprechenden Mitarbeiter gefunden werden: „Das ist ein ungeheurer Aufwand“, sagt Wöhrle.

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