Filderbezirke in Stuttgart Polizisten sind präsenter auf der Straße

Von Tatjana Eberhardt und Jacqueline Fritsch 

Die Polizeiposten der Filderbezirke in Stuttgart setzen seit gut vier Monaten vermehrt auf Fußstreife. Sie sind präsenter in den Fußgängerzonen, bei Wochenmärkten und diversen Veranstaltungen. Bringt das etwas?

Wenn die Polizei mehr draußen unterwegs ist, passiert weniger – so lautet zumindest die Theorie. Foto: factum/Granville
Wenn die Polizei mehr draußen unterwegs ist, passiert weniger – so lautet zumindest die Theorie. Foto: factum/Granville

Filder - Sie sitzen nicht mehr nur im Polizeiposten oder im Streifenwagen, sie sind jetzt auch häufiger in den Fußgängerzonen, auf Wochenmärkten und diversen Veranstaltungen unterwegs. Sie mischen sich unters Volk. So sieht es das neue Polizeipostenkonzept für die Stuttgarter Filderbezirke vor. Seit dem 1. September 2018 haben sich die Polizeiposten Sillenbuch, Plieningen und Vaihingen verändert, denn die Beamten müssen einen Teil ihrer Arbeitszeit zu Fuß unterwegs sein. Die Polizeirevierstation an der Karl-Pfaff-Straße in Degerloch wurde zum 1. Januar 2019 in einen Polizeiposten umgewandelt, das neue Konzept gilt nun auch dort.

„Wir wollen direkt vor Ort mit den Bürgern ins Gespräch kommen und das eigentliche Motto der Polizei, nämlich Freund und Helfer zu sein, wieder etablieren“, erklärt Martin Rathgeb, der Leiter des Filder-Reviers in Möhringen und Erfinder der vermehrten Fußstreifen. „Deshalb haben wir unseren Beruf gewählt und nicht, um am Schreibtisch zu sitzen.“ Wenn die Polizei dem Volk wieder mehr auf den Mund schaut, springe auch für die Polizei etwas heraus. „Nur ein kleiner Hinweis im Gespräch kann vor größerem Schaden bewahren. Wir wollen da sein, bevor etwas passiert“, sagt er. Seine Theorie: Wenn die Polizei mehr draußen unterwegs ist, passiert weniger.

Die Büroarbeit muss nun anders verteilt werden

Was Martin Rathgeb schon jetzt sagen kann: Die Kollegen seien froh, öfters raus zu kommen. Trotzdem sei es eine Umstellung. Denn der Umkehrschluss ist trivial: Sind die Beamten mehr auf der Straße, sind sie weniger am Schreibtisch. Und die Arbeit, die sie dort bisher verrichtet haben, bleibt liegen oder muss irgendwie anders verteilt werden.

Für Rathgeb steht jedoch fest: Die Vorteile überwiegen, die er sich von der verstärkten Fußstreife verspreche. Letztlich auch für die Bürger. Denn zum neuen Konzept gehören feste Sprechzeiten in den Polizeiposten. Kamen die Leute bisher spontan vorbei, konnten sie nicht sicher sein, dass ihnen geöffnet wird – selbst wenn Beamte vor Ort waren. Die neuen Sprechzeiten geben „eine Garantie“, wie Rathgeb es nennt. Bei Bedarf könnten sogar Termine vereinbart werden.

Auch wenn die Zwischenbilanz von Martin Rathgeb vor allem positiv ausfällt, so wird doch erst die Zeit zeigen, ob sich das Konzept für die Filderbezirke wirklich bewährt. Nach etwa einem Jahr ist geplant, ein Fazit zu ziehen.

Wie kommt das Konzept bei den Bürgern an?

Aber fällt den Bürgern die vermehrte Polizeipräsenz auf? Ist das überhaupt nötig? Wie sicher fühlen sich die Menschen auf den Fildern? Manuela Antmann hat in ihrem Wohngebiet in Vaihingen ab und an schon eine Streife fahren sehen. „Da dachte ich, gut, dass die das machen. Gerade bei Einbruchserien ist das vielleicht gar nicht schlecht.“ Ob die Streifenwagen aber letztlich zur Verhinderung von Einbrüchen beitragen können, kann sie nicht beurteilen. Steffen Albert hingegen hat keine vermehrte Präsenz beobachtet, „aber ich fühle mich trotzdem sicher“. Helga Bauer würde sich etwas mehr Präsenz wünschen, vor allem im Grenzgebiet zwischen Vaihingen und Möhringen. Bei ihr sei bereits einmal eingebrochen worden. „Wenn die Polizei dort öfter unterwegs wäre, könnte sie so etwas vielleicht verhindern“, sagt Bauer.

Ein anderes Thema bewegt Klaus Schulze: die Sicherheit von Fußgängern. So werde die Siedlerstraße in Vaihingen gerne als Schleichweg genutzt, obwohl es eine Anliegerstraße ist. „Mir geht es um das Wohl der Kinder, die dort ihren Schulweg haben“, sagt Schulze. Er habe selbst einen achtjährigen Enkel und wisse, wie gefährlich die Situation dort werden könne. „Da muss die Polizei mehr kontrollieren“, fordert der Rentner.

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