Filderdialog Sechs Varianten auf dem Prüfstand

Von und Markus Heffner 

Ablauf und Inhalt des Filderdialogs werden verändert: Die Spurgruppe hat sich darauf verständigt, zwei weitere Varianten für Stuttgart 21 auf den Fildern vorzustellen – und hofft auf die Beteiligung der Bürger.

Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben sich am Freitag vor der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen versammelt. Foto: Heinz Heiss
Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben sich am Freitag vor der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen versammelt. Foto: Heinz Heiss

Echterdingen - Der Ablauf und der Inhalt des Filderdialogs werden verändert. Darauf hat sich am Freitag die Spurgruppe verständigt, die ein Bürgerbeteiligungsverfahren zu den Plänen für eine konsensfähige Bahntrasse auf dem Stuttgart-21-Abschnitt im Fildergebiet vorbereitet. Ursprünglich war der Start des Dialogverfahrens für den Freitag vor Pfingsten geplant, am Montag dieser Woche jedoch wie berichtet mangels Interesse von zufällig ausgewählten Bürgern kurzfristig abgesagt worden.

In einer mehr als fünfstündigen Sitzung im Echterdinger Rathaus, in der zunächst die Kritik an der als „chaotisch“ und „dilettantisch“ bezeichneten bisherigen Organisation durch die Landesregierung und den Bonner Moderator Ludwig Weitz aufgearbeitet wurde, habe man zu einem konstruktiven Arbeitsklima in der Vorbereitungsgruppe zurückgefunden und einem Durchbruch erzielt, berichten Sitzungsteilnehmer übereinstimmend. Erstmals hat auch die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung Gisela Erler (Grüne) an einer Zusammenkunft der Spurgruppe teilgenommen. Weitz zeigte sich nach der Marathonsitzung sehr zufrieden mit dem Verlauf. „Wir konnten heute vieles klären, was in der Zusammenarbeit bisher nicht so zufriedenstellen gelaufen ist“, betonte er.

Zum Auftakt des Filderdialogs wird am Samstag, 16. Juni, in der Filderhalle in Leinfelden nicht nur in das Thema eingeführt. An diesem Tag werden dann auch sechs statt wie bisher vorgesehen vier verschiedene Varianten für Stuttgart 21 auf den Fildern vorgestellt. Dazu gehören: die sogenannte Antragstrasse der Bahn, die Züge der Gäubahn von Rohr kommend über die bestehende S-Bahn-Strecke zum Flughafen führen soll; die von Verkehrsminister Winfried Hermann bevorzugte Variante über Anbindung über Vaihingen und den Westbahnhof zum Hauptbahnhof; den Bau des neuen Flughafenbahnhofs direkt an der Neubaustrecke nach Ulm; den Bau des neuen Flughafenbahnhofs unter der Flughafenstraße; die Führung der Gäubahn gebündelt mit der Autobahn zum Flughafen und schließlich die neu ins Spiel gebrachte Führung der Gäubahn ab Horb über Tübingen und die Wendlinger Kurve zum Flughafen.

Staatsrätin Erler streut die Einladungen nun deutlich breiter

Die Vorstellung der Varianten übernimmt ein externer Experte. Es sei bereits jemand dafür angefragt worden, sagte Weitz. Eine vertiefte Debatte, bisher im Konzept nicht vorgesehen, soll dann bei der Fortsetzung des Filderdialogs am 29. Juni stattfinden.

Sehr detailliert habe man die weiteren Schritte für den Filderdialog besprochen. So ist Weitz zufolge etwa geplant, „die Auswahl der Zufallskandidaten über die Einwohnermeldeämter und Briefanschreiben mit begleitenden Maßnahmen zu flankieren“. Zum einen sei ein Infoabend geplant, bei dem das Vorgehen und die genauen Aufgaben der zufällig ausgewählten Teilnehmer erläutert werde. Zudem sei darüber diskutiert worden, so Weitz, die Bevölkerung zusätzlich über Flyer zu informieren. Einige Initiativen auf den Fildern hätten sich dafür angeboten.

Nachdem von 250 angeschriebenen Bürgern zuletzt nur fünf ihre Teilnahme am Filderdialog zugesagt hatten, streut die Staatsrätin Erler die Einladungen nun deutlich breiter: Am Dienstag nach Pfingsten soll an 4500 Menschen auf den Fildern ein Brief abgeschickt werden. Die erforderlichen Adressdaten sind offenbar bereits im Lauf dieser Woche von den Einwohnermeldeämtern geliefert worden.

Kritik kam aus der Schutzgemeinschaft Filder

Die Spurgruppe hat die viel kritisierte Zusammensetzung der Dialogrunde nicht verändert. Rund 160 Teilnehmer sollen an diesem Beteiligungsverfahren teilnehmen, je etwa zur Hälfte rekrutieren sie sich aus den bislang unbeteiligten Bürgern und den Repräsentanten der Projektpartner, der Kommunen und der Bürgerinitiativen. Am Ende sollen laut Verkehrsministerium Empfehlungen stehen mit denen sich Bahn, Land, Stadt, Region und Flughafen „ernsthaft befassen“ wollen.

Die Spurgruppe wird sich vor dem ersten Dialog nur noch einmal per Telefonkonferenz über den Stand der Teilnehmersuche verständigen. Das nächste Treffen soll dann nach dem 16. Juni den Auftakt analysieren. Wo die Dialogrunden am 29. Juni und 7. Juli stattfinden, ist noch nicht bekannt.

Sehr kritisch hatte sich am Nachmittag der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder, Steffen Siegel, bei einer Protestkundgebung vor der Filderhalle zum Filderdialog geäußert. „Wenn sich nichts bewegt“, so Siegel, „muss über einen Ausstieg aus dem Dialog gesprochen werden.“ Zufrieden war er mit der Spurgruppensitzung nicht. Er kündigte an, den aktuellen Stand Anfang kommender Woche in einer Vorstandssitzung der Schutzgemeinschaft zur Diskussion zu stellen.