Filderdialog zu Stuttgart 21 Stramme Gegner vereinen sich

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„Bis zum Schluss werden wir versuchen, für die Filder Verbesserungen zu erreichen“, sekundiert Ilona Koch mit kämpferischem Ton in der Stimme. Die selbstständige Unternehmerin, CDU-Stadträtin und Stadtverbandsvorsitzende der Union hat vor dem Volksentscheid im Herbst 2011 das Bündnis für Stuttgart 21 in L.-E. mit aus der Taufe gehoben. Sie ist für das Bahnprojekt auf die Straße gegangen, aber mit zusätzlichem Bahnverkehr auf der bestehenden S-Bahn-Strecke keineswegs einverstanden. Deshalb sucht das Bündnis gemeinsam mit den Projektkritikern der Initiative Lebenswertes L.-E., Parteivertretern und Bürgern wie dem Altliberalen Thomas Rommel nach Argumenten, um die Bahn von ihrer sogenannten Antragstrasse abzubringen. „Wenn am Ende des Dialogs nur Verbesserungen beim Lärmschutz stünden, wäre mir das zu wenig“, sagt Koch.

Auch die S-21-Gegnerin Claudia Moosmann, die als Sprecherin der Initiative Lebenswertes L.-E. – Motto: „Kein IC durch L.-E.“ – gegen die Bahnplanung opponiert, sieht keinen Grund, sich von der griffigen Forderung der Bürgerinitiative zu verabschieden. „Wir haben uns festgelegt und sind unserem Ziel seit 15 Jahren treu geblieben“, sagt sie und kündigt „gegebenenfalls Einsprüche im Planfeststellungsverfahren“ an. Den Filderdialog beurteilt die frühere SPD-Stadträtin kritisch. Vor allem mit der von Moderator Weitz vorgesehenen Zufallsauswahl der Hälfte der Teilnehmer aus dem Einwohnermeldeamt hat sie Probleme. „Im Filderdialog ist vor allem Sachkenntnis erforderlich“, sagt Moosmann. Sie glaubt daher nicht, dass x-beliebige Bürger auf Augenhöhe mit Bahnexperten diskutieren können.

„Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“

Da kann Thomas Rommel nur zustimmen. Der FDP-Routinier fordert gar einen Aufpasser für Moderator Weitz. „Es muss jemand dabei sein, wenn er die Leute aus dem Melderegister aussucht. Denn falls er schon vorher eine Liste mit entsprechenden Namen bekommen hätte, wäre das ein einziger Schwindel“, sagt Rommel und erinnert süffisant an einen alten Spruch: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“

Damit trifft der alte Liberale Rommel ziemlich exakt den Nerv des 18 Jahre jüngeren Widerstandskämpfers Siegel. „Die Kosten für den Moderator tragen die Projektpartner“, sagt der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder verschwörerisch und beklagt, dass „viel zu viele S-21-Befürworter am Filderdialog teilnehmen sollen“. Sein zentraler Punkt sei in Übereinstimmung mit dem Schlichterspruch von Heiner Geißler und dem Votum des Verkehrsministers Winfried Hermann der Erhalt der bisherigen Gäubahn. Bliebe diese bestehen, hätte Leinfelden-Echterdingen keinen zusätzlichen Verkehr. Allerdings könnte der Flughafen weiterhin nur mit der S-Bahn angeschlossen werden. Dafür sei aber lediglich ein Umbau des Bahnhofs in Vaihingen notwendig. Auch das Problem der Einschleifung der Gäubahn in den neuen Tiefbahnhof löse sich vielleicht ganz leicht. „Der Kopfbahnhof“, sagt Siegel, „ist ja noch nicht tot.“

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