Von Ende März an müssen Filderstädter Autofahrer vielerorts vom Gaspedal runter gehen. Foto: Caroline Holowiecki
Die Schilder hängen bereits, ab Ende März gelten sie: Vielerorts in Filderstadt darf man künftig nicht schneller als Tempo 30 fahren. Das Ordnungsamt kündigt intensive Kontrollen an.
Die Stadtverwaltung Filderstadt hat einen neuen Lärmaktionsplan erarbeitet. Seit 2025 ist er in Kraft. Der Maßnahmenkatalog zeigt auf, wie und wo in der Stadt durch Tempo 30 und neue Straßenbeläge Krach reduziert werden kann. Diverse Verkehrszählungen wurden durchgeführt an Straßen, auf denen mehr als 4000 Fahrzeuge am Tag fahren. Die Lärmwirkungen wurde dann schalltechnisch berechnet, um herauszufinden, wo die Belastungen zu hoch sind. Der Ermessensspielraum von Kommunen endet bei 57 Dezibel nachts und 67 Dezibel tagsüber, drüber müssen sie handeln. In Filderstadt ist die Lärmbelastung in manchen Häusern jedoch höher als 70 Dezibel. Das Ganze ist übrigens keine Freiwilligkeitsleistung. Die EU-Umgebungslärmrichtlinie verpflichtet Kommunen dazu, ihren Lärmaktionsplan regelmäßig zu überprüft.
An diesen Filderstädter Straßen wird es Tempo 30 geben
An vielen Stellen im Stadtgebiet wird nun Tempo 30 eingeführt, betroffen sind alle Stadtteile. In Bernhausen ist das zum Beispiel in Teilen der Plieninger, der Nürtinger oder der Echterdinger Straße, in Bonlanden geht es um die Bonländer Haupt- oder die Metzinger Straße. An manchen Stellen galt bereits Tempo 30 in der Nacht, das wird nun auf den ganzen Tag ausgedehnt. „Wir haben dann eine Vereinheitlichung, wir haben entweder 50 oder 30 ganztags“, sagt Jan-Stefan Blessing, der Ordnungsamtsleiter. Eine Gesamtübersicht über alle Straßen, auf denen ein neues Tempolimit eingeführt wird, findet man auf der Homepage der Stadt unter „Lärmaktionsplan“. Vereinfacht kann man sagen: In allen Ortszentren von Filderstadt darf man bald nicht schneller als 30 fahren. „In der Hauptverkehrszeit liegt dort die Geschwindigkeit sowieso nicht über 30“, sagt er.
Hier soll in Filderstadt die Fahrbahn erneuert werden
Der Lärmaktionsplan zeigt auch Stellen auf, an denen empfohlen wird, den Fahrbahnbeleg zu erneuern, um die Lärmbelastung zusätzlich zu senken. Dazu gehören unter anderem in Bernhausen die ganze Ortsdurchfahrt vom Flughafentunnel bis zur Ecke Talstraße oder in Plattenhardt die Uhlbergstraße. Laut Jan-Stefan Blessing sollen diese Maßnahmen angegangen werden, wenn sowieso beispielsweise Kanalarbeiten anstehen. „Ein Sonderprogramm gibt es nicht.“
Damit der Busverkehr trotz Tempo 30 seine Fahrpläne einhalten kann und besser durchkommt, werden an manchen Stellen in der Stadt neue Halte- oder Parkverbote installiert und auch Parkplätze entfernt. Manche Regelungen werden mit einer zeitlichen Begrenzung versehen. Betroffen sein werden unter anderem die Friedhof-, die Finken-, die Stuttgarter, die Nürtinger und die Neuhäuser Straße. Weiterer Vorteil laut Jan-Stefan Blessing: Eine Verstetigung des Verkehrs durch wegfallende Hindernisse führe zu einer Lärmreduzierung, weil Anfahrvorgänge entfielen. An der Mühlstraße wird zudem eine neue Vorfahrtsregelung zugunsten der Busse eingeführt.
So wird Filderstadt die Tempo 30-Vorschrift kontrollieren
Vielerorts hängen die neuen Tempo-30-Schilder schon, aktuell sind sie aber noch durchgestrichen. „Wir werden das Ganze zum 30. März aktiv setzen“, sagt Jan-Stefan Blessing. In der letzten Woche davor würden nach und nach die Klebestreifen auf den Schildern verschwinden, ebenso Zusatzzeichen, die aktuell noch eine Zeitbegrenzung anzeigen. Der Ordnungsamtsleiter kündigt intensive Kontrollen an – direkt ab dem 30. März. „Das sind wir den Anwohnerinnen und Anwohner schuldig, die definitiv von Lärm betroffen sind.“ Blitzen werde man mit stationären und mobilen Geräten, außerdem mit einem Anhänger. Den Vorwurf der Abzocke lässt er an sich abprallen. „Wer sich an die Geschwindigkeit hält, hat nichts zu befürchten“, betont er. Faktisch seien fünf bis 15 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer zu schnell unterwegs, und „letztendlich gilt es, diesen Anteil weiter zu reduzieren“. Es gehe um eine flächendeckende Abschreckung. Der neue stationäre Blitzer an der Plieninger Straße nahe der Schule etwa registriere rund 500 Verstöße pro Woche. Rund eine Million Euro ist im Haushalt in Sachen Bußgelder eingeplant, „aber wenn sich alle dran halten, verdienen wir null Euro“.