Filderstadt Alte Schule dient als Übungsobjekt

Die Gotthard-Müller Schule in Bernhausen wird bald platt gemacht. Vorher wird dort jedoch der Ernstfall geprobt: von Polizei, Feuerwehr und Rettungshunden.

Im Vordergrund ist ein Teil der alten Schule zu sehen. Im Hintergrund spickelt die neue Gotthard-Müller-Schule hervor. Foto: Otto-H. Häusser
Im Vordergrund ist ein Teil der alten Schule zu sehen. Im Hintergrund spickelt die neue Gotthard-Müller-Schule hervor. Foto: Otto-H. Häusser

Bernhausen - Anfang Oktober sollen die Bagger anrollen. Dann wird die bisherige Gotthard-Müller-Schule abgebrochen. Das neue Gebäude der Grund- und Gemeinschaftsschule, das direkt daneben steht, ist inzwischen bezugsfertig. Sobald die Schulmöbel umgeräumt sind, soll das alte Schulgebäude auf eine andere Art genutzt werden. Die Polizei, die Feuerwehr und ein Rettungshundeverein wollen dort Übungen abhalten.

Den Auftakt macht der Verein BRH Rettungs- und Therapiehunde Fildern. Sie sind an diesem und am kommenden Wochenende mit jeweils fünf Teams vor Ort, um die Personensuche zu trainieren. „Für uns ist es wichtig, so etwas auch mal in einem Gebäude und nicht nur in Wald und Flur zu üben“, sagt die Schriftführerin Edeltraud Schmauder. Denn die Filderstädter Rettungshunde sind sogenannte Flächensuchhunde. Sie suchen allgemein nach dem Geruch Mensch und nehmen nicht anhand eines persönlichen Gegenstandes die Fährte einer bestimmten Person auf. Doch der Geruch Mensch verteilt sich in einem Haus ganz anders als unter freiem Himmel. Denn der Geruch wird durch Lüftungsschächte, geöffnete Fenster oder auch allgemein durch Wände und Decken in verschiedene Richtungen abgelenkt. „Für die Hunde ist das ein schwieriges Terrain. Sie müssen regelrecht ausarbeiten, wo sich die Person befindet“, sagt Schmauder. Ihr Verein sei dankbar, dass man die alte Schule zum Üben nutzen dürfe. „Das Training ist wichtig. Denn die Hunde lernen nur durch Wiederholung“, sagt die Schriftführerin. Der Kontakt zur Stadtverwaltung sei beim Neujahrsempfang geknüpft worden.

Polizei übt an Türen

Nach den Hunden ist die Polizei im Einsatz. Wer jedoch damit rechnet, dass dort dann eine Hundertschaft anrücken wird, sieht sich getäuscht. „Wir kommen mit kleinen Gruppen, die maximal zehn Leute umfassen“, sagt Pressesprecher Roland Fleischer vom Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen. Zu diesem Präsidium gehören neben der Bereitschaftspolizei mit ihrer Reiterstaffel auch die Wasserschutzpolizei und die Spezial- (SEK) sowie die Mobilen Einsatzkräfte (MEK).

Es werde aber kein Amok-Einsatz geprobt. Wenn dort geschossen werde, dann nur mit Platzpatronen. „Die Übung ist vor allem für die Kollegen aus dem technischen Bereich“, sagt Fleischer. Es werde geübt, verschlossene Türen möglichst schnell zu öffnen. An den Türen sei besonders interessant, dass sie entgegen der Laufrichtung aufgehen. Deshalb erfordere es einen besonderen Einsatz, sie aufzumachen. Weil dabei die Türen kaputt gehen, sei die alte Schule ideal. „Wir brauchen solche Objekte, in denen wir den Ernstfall proben können, ohne Schaden anzurichten“, sagt Fleischer.

Feuerwehrleute als Panzerknacker

Genauso geht es der Filderstädter Feuerwehr. „Wenn da mal ein Wasserfleck zurückbleibt, ist das egal“, sagt Stadtbrandmeister Jochen Thorns. Seine Leute werden übrigens auch versuchen, die Schultüren zu knacken – allerdings mit dem kleinen Besteck. „Die Türen sollen dabei heil bleiben“, sagt Thorns. Dafür gebe es eine extra Notfall-Gruppe Türöffnung, die in Bernhausen angesiedelt sei. Außerdem seien Einsätze mit Atemschutz geplant. „Es kann auch sein, dass wir die Schule etwas vernebeln“, sagt der Stadtbrandmeister. Man werde mit Gruppen von maximal zehn Leuten anrücken. „An diese Einsatzstärke haben wir uns bei Übungen schon gewöhnt“, sagt Thorns und verweist auf die für Feuerwehren geltenden Corona-Vorschriften.

Die neue Gotthard-Müller-Schule sollte übrigens bereits vor einem Jahr an den Start gehen. Der Zeitplan war wegen der Handwerker jedoch nicht zu halten. Die Schule, die nun eröffnet wird, ist auf Dauer gesehen bereits zu klein. Weil der Andrang außerordentlich groß ist, müssen im künftigen Schuljahr drei Eingangsklassen gebildet werden, obwohl das Schulgebäude eigentlich für eine Zweizügigkeit ausgelegt ist. Es wurde bereits angedacht, dass zur Not auch Räume der benachbarten Realschule genutzt werden.




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