Filderstadt Anspruch hier, Realität dort: Der Klimacheck legt den Finger in die Wunde

Den Klimacheck für Filderstadt entwickelt haben der Klimaschutzmanager Ulrich Schwarz (links) und Jonas Schaube, der stadtinterne Klimaneutralitätsmanager. Foto: Caroline Holowiecki

Seit Kurzem werden sämtliche Verwaltungsvorlagen, über die der Filderstädter Gemeinderat befinden soll, auf ihre Klimatauglichkeit geprüft. Was soll das bringen?

Der neue Gehweg entlang der frisch sanierten Stuttgarter Straße in Plattenhardt ist für Ulrich Schwarz ein gutes Beispiel. Statt Asphalt wurden für den Belag helle Pflastersteine gewählt. Bei Regen kann das Wasser durch die Ritzen versickern und in den Boden gelangen, statt einfach durch den Gully weggespült zu werden. Der hellere Belag erhitzt sich im Sommer weniger, und muss mal was repariert werden, können einfach einzelne Elemente ausgetauscht werden, statt den gesamten Gehweg aufzureißen. Der Clou: Teurer war’s auch nicht. „Man muss nur drauf kommen“, sagt er.

 

Der Gehweg hätte im Klimacheck sicherlich Pluspunkte gesammelt. Seit Anfang dieses Jahres gibt es ihn in der Filderstädter Verwaltung. Sämtliche Verwaltungsvorlagen, über die der Gemeinderat befinden soll, werden zuvor auf ihre Klimatauglichkeit geprüft. Entworfen haben den Check Ulrich Schwarz, der Klimaschutzmanager, und Jonas Schaube, der Klimaneutralitätsmanager. Sie gehören zur Filderstädter Stabsstelle Klimaschutz und haben die Aufgabe, den Klimaschutz gemeinsam mit der Bürgerschaft (Schwarz) und verwaltungsintern (Schaube) voranzutreiben.

Ein ähnliches Tool wird im Kreis Ludwigsburg verwendet

Auf Basis eines Tools, das bereits der Landkreis Ludwigsburg verwendet, haben sie einen Fragenkatalog entwickelt, durch den sich städtische Mitarbeitende klicken müssen, wenn sie an einem Projekt arbeiten. Werden bei dem Vorhaben klimafreundliche Materialien eingesetzt? Wird Boden versiegelt? Wird das Mobilitätsverhalten der späteren Zielgruppe beeinflusst? Wird das Potenzial für die Nutzung erneuerbarer Energien ausgeschöpft? Die Antworten geben Punkte.

Mal reichen zwei Klicks, wenn es etwa um Personalbesetzungen oder reine Berichte geht, die nichts mit dem Themenkomplex zu tun haben. Bei Kanalsanierungen, Veranstaltungen oder Strategien aber steigt der Klimacheck tiefer ein. Und dennoch soll die Beantwortung der Fragen maximal 15 Minuten in Anspruch nehmen.

Das Ganze kommt nicht von ungefähr. Filderstadt hat sich hohe Klimaziele gesteckt. Bereits 1991 trat die Große Kreisstadt dem europäischen Klimabündnis bei, 2014 wurde vor Ort ein „Integriertes Klimaschutzkonzept mit definiertem CO₂-Einsparziel“ beschlossen. 2022 hat der Gemeinderat eine Klimaresolution verabschiedet, nur ein Jahr später hat der Oberbürgermeister Christoph Traub die Stabsstelle Klimaschutz in der Verwaltung installiert, die ihm direkt unterstellt ist. Während in Deutschland die Klimaneutralität bis 2045 angestrebt wird und in Baden-Württemberg das Ziel 2040 heißt, hat Christoph Traub dieses noch höher gehängt und 2032 ins Visier genommen. „Der Klimacheck war schon in der Klimaresolution gefordert worden“, erklärt Ulrich Schwarz.

Der Klimacheck soll Filderstadt Anstöße geben

Der Hintergrund ist simpel: Der Klimacheck soll die selbst gesteckten Ziele enger an städtische Vorhaben koppeln, Transparenz schaffen, sensibilisieren – und notfalls den Finger in die Wunde legen. „In den Bereichen, wo es gute Alternativen gibt, sollten wir sie nutzen“, betont Jonas Schaube. Dabei soll das Tool aber kein Verhinderer sein. Kein Projekt werde automatisch wegen einer schlechten Klimacheck-Bilanz gestrichen. „Uns geht es darum, dass über die Zeit ein Lerneffekt eintritt“, sagt er und spricht von einem Brückenschlag zwischen Anspruch und Realität. Könnte man beim nächsten Mal etwas besser machen? „Das Tool gibt Anstöße“, sagt Jonas Schaube. Das Ziele sei eine kritische Reflexion von Projekten innerhalb von Verwaltung und Gemeinderat.

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