Filderstadt Fachmann für die Verkehrsfragen

Von Philipp Braitinger 

Der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Bündnis90/Die Grünen) kämpft um seinen Wiedereinzug in den Bundestag. Er würde gerne nach dem 24. September die Weichen für eine andere Infrastrukturpolitik stellen.

Der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel ist ein  überzeugter Rad- und Bahnfahrer. Er möchte mehr Menschen dazu bringen, Foto: Stefan Kaminski
Der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel ist ein überzeugter Rad- und Bahnfahrer. Er möchte mehr Menschen dazu bringen, Foto: Stefan Kaminski

Filderstadt - Die S-Bahn ist pünktlich. Zum Gespräch an seinem Herzensort hat der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Bündnis90/Die Grünen) im Wahlkreis Nürtingen an den Bahnhof nach Filderstadt-Bernhausen eingeladen. Seit vier Jahren ist Gastel Bundestagsabgeordneter. Dass es weitere vier Jahre werden, dafür möchte der 46-Jährige bis zur Wahl am 24. September kämpfen. Er ist die Nummer zehn der Landesliste seiner Partei. Das ist ein guter Listenplatz, aber kein sicheres Ticket nach Berlin. Zum Treffen am Bahnhof in Bernhausen reist der bahnpolitische Sprecher seiner Fraktion natürlich auf Schienen an. Ein Auto besitzt er nicht. Seine Wege legt er fast ausschließlich mit der Bahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurück.

Ein überzeugter Bahnfahrer

Inhaltlich ist es vor allem die Verkehrspolitik, die ihm am Herzen liegt. Er ist Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Dass die Welt als Bahnfahrer nicht immer rosig ist, weiß der Politiker. Immerhin ist er in den vergangenen vier Jahren zwischen dem Bundestag in Berlin und seiner Heimat Filderstadt gependelt. Für den Sozialpädagogen und Betriebswirt überwiegen trotzdem die Vorteile des Bahnfahrens gegenüber dem Unterhalt eines Autos. Er müsse sich nicht um Reparaturen oder Fristarbeiten kümmern, außerdem müsse er keine Versicherung, Steuern und Tankfüllungen bezahlen.

Für viele Menschen sei es lediglich Gewohnheit, das Auto zu nutzen, meint er. Ein Umstieg sei erst einmal unbequem. Deshalb möchte er die Alternativen zum Auto weiter ausbauen und verbessern, beispielsweise mit mehr Schnellradwegen oder einem besseren ÖPNV. Die meisten Fahrten mit dem Auto würden für Strecken von weniger als fünf Kilometern erfolgen. Und im Güterverkehr sollten mehr Waren auf der Schiene als auf der Straße transportiert werden, findet er.

Bereits vor seinem Einzug in den Bundestag hat sich der Grünen-Abgeordnete um den Verkehr gekümmert. Erst im Filderstädter Jugendgemeinderat und in den Jahren von 1994 bis 2014 im Gemeinderat. Als eines der Ergebnisse dieser Arbeit nennt er die Verlängerung der S-Bahn vom Flughafen bis nach Bernhausen seit dem Jahr 2001 sowie das dazugehörige Buskonzept, das die Filderstädter Teilorte gut mit der S-Bahn vertaktet. „Man kommt in 15 Minuten vom Bahnhof in jeden Teilort.“

Schlechter sehe es allerdings aus, wenn man nach Esslingen wolle. „Das ist sehr kompliziert“, sagt Gastel. Es gebe noch viel Verbesserungspotenzial. Insbesondere der Tarifdschungel sei für viele Menschen ein Problem. „Es gibt in Deutschland 137 verschiedene Tarifverbünde.“ Das Bundestagsmandat biete ihm im Gegensatz zur Kommunalpolitik die Möglichkeit, sich mit einem hohen Zeiteinsatz um die beschriebenen und weitere Themen zu kümmern.

Der Klima- und Ressourcenschutz

Der Hintergrund seiner politischen Arbeit, des Kampfes für eine andere Verkehrsinfrastruktur sei der Klima- und Ressourcenschutz. Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg müssten keine Gegensätze sein, findet Gastel. Die Politik müsse allerdings die Rahmen vorgeben. Ein Beispiel ist für ihn die deutsche Autoindustrie, die nicht genügend darauf setze, Alternativen zum Verbrennungsmotor auf den Markt zu bringen. „Wir wollen, dass auch das Auto der Zukunft Made in Baden-Württemberg ist“, verdeutlicht er. Wenn sich die Autoindustrie nicht endlich in die richtige Richtung bewege, seien viele Arbeitsplätze bedroht. „Wir können das nicht einfach weiter so wie bisher laufen lassen“, so Matthias Gastel.




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