Eine Bürgerinitiative in Filderstadt-Harthausen hatte sich im Jahr 2015 gegen ein Flüchtlingsheim gewehrt. Seit zwei Jahren ist es bereits bezogen. Waren all die damals geäußerten Ängste der Leute begründet?

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)

Filderstadt - Große Schreckgespenster sind damals, vor drei Jahren, gezeichnet worden. Wenn das Flüchtlingswohnheim für Männer an der Robert-Bosch-Straße in Hartenhausen gebaut werden würde, könnten sich Frauen nicht mehr auf die Straße trauen, das Obst aus Nachbars Garten würde geklaut, und der Wert aller angrenzenden Immobilien bröckele. Zu den „Mündigen Bürgern“ haben sich die Kritiker damals zusammengeschlossen. Eine Initiative aus Harthäusern, die sich aber nicht in der ausländerfeindlichen Ecke verortet sehen will.

Das Flüchtlingswohnheim ist längst gebaut, seit ziemlich genau zwei Jahren leben dort geflüchtete Männer. Der Kampf gegen das Heim ist für manche allerdings nach wie vor nicht ausgefochten. Am Dienstag, 27. November, ist das Thema vor dem Verwaltungsgericht in Stuttgart. Eine angrenzende Firma hatte gegen die Stadt Filderstadt geklagt, weil diese die Baugenehmigung erteilt hatte.

Die Sache ist juristisch kompliziert – auch, weil das Asylheim bereits steht. Kurz erklärt geht es bei dem Gerichtstermin darum: Entweder soll – geht es nach dem Kläger – die Baugenehmigung nachträglich wieder einkassiert werden, die Folge wäre, dass das Heim geschlossen werden müsste.

Der Kläger will wenigstens Auflagen erreichen

Sollte dies nicht gelingen, möchte der Kläger offenbar zumindest erreichen, dass die Auflagen für die Unterkunft verschärft werden. Demnach solle beispielsweise die Zahl der Flüchtlinge auf maximal 70 begrenzt werden, zudem solle sich an der Mischung etwas ändern, „um Konflikte zu vermeiden“, erklärt Ulrike Zeitler, die Sprecherin des Verwaltungsgerichts Stuttgart.

Doch welche Konflikte gab es während der vergangenen zwei Jahre? Das Heim liegt am Rande von Harthausen, umgeben von Gewerbebetrieben, aber auch von ein paar wenigen Wohnhäusern. Wenn man den beiden Frauen in einem Vorgarten der Robert-Bosch-Straße glaubt, schrillt dauernd der Feuermelder, und die Leintücher, die zum Trocknen draußen hängen, stören. Beide Frauen wollen ihren Namen nicht offen sagen. „Wir wohnen hier in einer gut situierten Straße“, sagt die eine Frau. Man mache sich halt Sorgen. Ihr Grundstück habe sie vor zwei Jahren mit einem Gitterzaun einfrieden lassen. Sie habe eine Mietwohnung. Und in die wolle doch keiner mehr, wenn Flüchtlinge vis-à-vis leben.

Das erste Jahr sei schrecklich gewesen

Eine Geschäftsfrau von der Robert-Bosch-Straße, die ebenfalls anonym bleiben will, äußert sich etwas versöhnlicher. Dabei ist deutlich herauszuhören, dass auch sie anfangs eher zu den Gegnern der Unterkunft gehört hatte. „Das erste Jahr war ganz arg schlimm“, sagt sie. Dauernd sei die Polizei da gewesen. Inzwischen sei es aber ruhiger. „Ich handhabe es auch so: Wenn mir etwas nicht passt, dann gehe ich direkt zu den Flüchtlingen und sage etwas.“

Die Polizei kann für die vergangenen zwei Jahre „keine signifikanten Auffälligkeiten“ zum Flüchtlingsheim in Harthausen verzeichnen, wie die Sprecherin Andrea Kopp mitteilt. 2018 habe die Polizei „insgesamt etwa 25 polizeiliche Einsätze registriert“, so die Sprecherin. „Hierbei handelte es sich überwiegend um Einsatzanlässe, die sich aus Streitigkeiten und Konflikten oder Straftaten unter den Bewohnern ergaben.“ Im Februar habe es einen größeren Polizeieinsatz in dem Heim gegeben – wegen Drogen.

Die Flüchtlinge seien alle in Wartestellung

Abgesehen von diesem einen großen Ereignis sieht Manfred Alt keinen Grund, sich zu sorgen. Er ist stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises Asyl in Filderstadt und koordiniert für das Flüchtlingswohnheim in Harthausen die ehrenamtlichen Helfer. „Wir haben super liebe Jungs“, sagt er und meint die Flüchtlinge. Aktuell wohnen um die 40 Männer an der Robert-Bosch-Straße, in der Spitze seien es 82 gewesen. Ausgelegt sei das Heim für höchstens 90 Leute.

Der Landkreis Esslingen ist für das Heim, das aus zwei Häusern besteht, zuständig. Dort wohnen nur männliche Flüchtlinge, die kürzer als zwei Jahre in Deutschland leben und noch nicht anerkannt sind. „Die sind in Wartestellung“, sagt Manfred Alt. Doch sie seien gut organisiert und viel unterwegs. „Wenn Sie dort tagsüber hingehen, sehen Sie da niemanden.“ Er berichtet, dass er regelmäßig mit den Nachbarn spreche, „da gibt es keine Probleme“, sagt Alt. Er habe als Ehrenamtlicher fast schon ein schlechtes Gewissen, sagt er. „Weil ich nichts zu tun habe.“