Filderstadt Kampf gegen Misteln wird intensiver

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Eine Pappel-Reihe im Bombachtal in Filderstadt-Bonlanden ist nicht nur selbst von dem Schmarotzer befallen. Sie gilt auch als Infektionsherd für die Obstbäume, die sich dort befinden.

Ein Teil der Pappeln im Bombachtal ist stark von Misteln befallen. . Foto: Thomas Krämer
Ein Teil der Pappeln im Bombachtal ist stark von Misteln befallen. . Foto: Thomas Krämer

Bonlanden - Bisher gebe es bei der Mistelbekämpfung nur eine Salamitaktik. Diesen Vorwurf erhob bei der jüngsten Gemeinderatssitzung Ursula Czienskowsky. Sie kritisierte in der Bürgerfragestunde, dass die befallenen Pappeln im Bombachtal nur schrittweise von den Schmarotzern befreit würden.

Von den Baumriesen gehe eine Gefahr für andere Bäume aus. „Diese riesigen Dauerinfektionsherde verbreiten ihre todbringenden Mistelsamen seit vielen Jahren an die umliegenden Baumgebiete“, sagte Czienskowsky. Betroffen seien die Obstbäume, die an den Rändern des Bombachtals in den Gebieten Felle und Sandbühl stehen. Als sachkundigen Zeugen benannte die Bonländerin den Obstexperten Walter Hartmann aus Filderstadt.

Mistelbefall hat zugenommen

Er bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung das Problem. „Der Mistelbefall hat in jüngster Zeit stark zugenommen“, sagt er. Als er im Jahr 2011 zusammen mit Eberhard Mayer sämtliche Obstbäume in Filderstadt kartiert habe, seien erst 15 Prozent der rund 285 Bäume im Felle befallen gewesen. „Vier Jahre später waren es schon 45 Prozent“, berichtet Hartmann. Als Hauptursache hat der die Pappelreihe im Bombachtal ausgemacht. Einige der Bäume sind nicht mehr zu retten. Er schlage deshalb vor, dass fünf oder sechs Bäume, die am Ende der Reihe Richtung Schützenhaus stehen, gefällt werden. „Wir kriegen das Problem nur dann in den Griff, wenn wir dran bleiben.“

Die Stadt will nun offenbar gezielt handeln. Oberbürgermeister Christoph Traub hatte Ursula Czienskowsky bereits im Gemeinderat eine umfassende Reaktion auf ihre Beschwerde angekündigt. Es seien bereits 36 000 Euro für die Mistelbeseitigung bei den Pappeln eingeplant gewesen, sagt Traub auf Anfrage unserer Zeitung. Die Aktion sei hinausgeschoben worden, weil man zunächst die Straße habe sanieren müssen. Nun könne der erforderliche Hubsteiger besser aufgestellt werden.

Es sei geplant, dass die Pappeln soweit als möglich, saniert werden. Es könne sein, dass eine Pappel gefällt werde. Falls jedoch die Standsicherheit nicht mehr gegeben ist, müssen auch mehrere Bäume fallen“, sagt der Oberbürgermeister. Für Walter Hartmann steht schon jetzt fest, dass fünf bis sechs Pappeln abgesägt werden müssen.

Obstexperte sucht Mitstreiter

Im Übrigen ist er wie OB Traub davon überzeugt, dass bei der Mistelbekämpfung noch nicht alle Register gezogen wurden. „Das muss intensiviert werden“, sagt Walter Hartmann. Man brauche einen Stamm von vier, fünf Leuten, die sich um die Sache kümmern. Der Obstexperte hofft, dass er mit seinem Vortrag am 7. November über die Probleme beim Streuobstbau (19.30 Uhr im Bürgerzentrum Bernhausen) einige Aktivisten gewinnen kann.

Auch Oberbürgermeister Traub geht davon aus, dass man bei der Mistelbekämpfung noch einige Arbeit vor sich haben wird. Das Workcamp, bei dem Jugendliche aus aller Welt zur besseren Verständigung und um der Natur zu helfen, Misteln abgeschnitten hatten, sei nur ein Auftakt gewesen. „Damit wollten wir vor allem auf das Problem aufmerksam machen“, sagt Traub.




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